Schlieren

Schlieremer Stadtrat streicht unbeliebte Sonnenstrom-Förderung

«Wir wollen eine Förderung von nachhaltigem Strom, die wirklich greift», sagt der Schlieremer Stadtrat Andreas Kriesi.

«Wir wollen eine Förderung von nachhaltigem Strom, die wirklich greift», sagt der Schlieremer Stadtrat Andreas Kriesi.

Die Stadt verspricht, einen effizienten Ersatz für das seit elf Jahren laufende Nachhaltigkeitsprogramm zu entwickeln.

Das mit jährlich 40 000 Franken dotierte Programm der Stadt Schlieren zur Förderung von Sonnenenergie wird eingestellt. Dies teilte der Stadtrat kürzlich mit. Der Grund dafür ist, dass zu wenig Hausbesitzer vom Förderprogramm Gebrauch machen. Aus diesem Grund beantragte die städtische Energiekommission dem Stadtrat, das Programm zu beenden, was dieser nun tut. Neben zwei externen Fachleuten haben auch Bauvorstand Stefano Kunz (CVP) und Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (parteilos) in dieser Kommission Einsitz. Präsidiert wird das Gremium vom grünliberalen Werkvorstand Andreas Kriesi.

In Dietikon existiert ein vergleichbares Programm, im Rahmen dessen die Stadt jährlich rund 50 000 Franken ausgibt, um nachhaltige Entwicklungen zu begünstigen. Auch hier stellten die Verantwortlichen fest, dass das jährliche Budget – zumindest in den vergangenen drei Jahren – nicht ausgeschöpft wurde. Unter anderem aus diesem Grund fand Mitte Oktober der Anlass «Herausforderung Klimawandel» statt, mit dem die Bevölkerung für das Thema und die Angebote sensibilisiert werden sollte.

«Wollen Förderung, die auch wirklich greift»

Dietikon ist auf dem richtigen Weg. Erst vor wenigen Wochen wurde der Stadt nach 2015 zum zweiten Mal das Label Energiestadt Gold verliehen. Diese Auszeichnung wird vom Trägerverein Energiestadt vergeben. Schlieren verfügt über das Label Energiestadt, erfüllt also weniger Nachhaltigkeitsanforderungen als Dietikon mit dem Energiestadt-Gold-Label.
Zog auch Schlieren in Betracht, sein Förderprogramm bekannter zu machen, statt es zu streichen? «Es wurden bereits in der Vergangenheit Massnahmen ergriffen, die nicht verfingen», sagt Kriesi auf Anfrage. In den elf Jahren des Programms hätten nur zehn Liegenschaftsbesitzer eine Solaranlage installiert und zu keinem Zeitpunkt sei es über 50 Prozent ausgelastet gewesen, so Kriesi. «Wir wollen eine Förderung von nachhaltigem Strom, die auch wirklich greift.»

Im Rahmen des bisherigen Programms ging die Stadt eine Abnahmeverpflichtung für Schlieremer Solarstrom mit den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) ein. Bei diesem Ökostrom werden 17.95 Rappen Zuschlag pro Kilowattstunde zusätzlich zum geltenden Grundtarif fällig. Auf diese Weise wollte die Stadt Hauseigentümer dazu bewegen, eine Photovoltaikanlage zu errichten. Die zehn Eigentümer, die vom Angebot Gebrauch machten, verfügen über Abnahmeverträge mit einer Laufdauer von 15 Jahren. Während dieser Zeit ist die Stadt verpflichtet, für jährlich 40 000 Franken Naturstrom solar von den EKZ zu beziehen. Im Gegenzug wurden die EKZ dazu verpflichtet, den Strom der Schlieremer Produzierenden des Förderprogramms in die Solarstrombörse aufzunehmen. Während 15 Jahren wird der in Schlieren produzierte Strom mit Vergütung des ökologischen Mehrwerts abgenommen. Ende 2023 kann die Stadt den Vertrag mit den EKZ kündigen, ist anschliessend aber noch immer dazu verpflichtet, Solarstrom in dem Mass zu kaufen, wie Schlieremer Programmteilnehmer vorhanden sind. Die am längsten laufende Abnahmeverpflichtung endet 2029. Bis dahin würden sich die Kosten für die Stadt Schlieren ab 2023 aber kontinuierlich reduzieren.

Wie ein mögliches Ersatzprogramm aussieht, darüber darf Kriesi noch nichts sagen. «Geht es nach der aktuellen Stossrichtung der Energiekommission, soll ein Anreiz geschaffen werden, damit die Hausbesitzer aktiv werden. Es soll im Gegensatz zur heutigen Lösung eine Förderung werden, die auch wirklich genutzt wird», sagt Kriesi. In der nächsten Kommissionssitzung werde vermutlich ein Vorschlag ausgearbeitet, der anschliessend dem Stadtrat unterbreitet werde. Details zum Zeitplan kann Kriesi noch keine bekannt geben.

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