Was lange währt, wird endlich gut – für Gemeindeparlamentarierin Béatrice Miller (SP) hat sich dieser Spruch für einmal nicht bewährt. Über 15 Monate musste sie auf eine Behandlung ihrer Motion warten. 2012 verlangte sie von de Die Forderungen von Béatrice Millers Motion seien bereits erfüllt, findet r Exekutive ein Konzept für eine Tagesschule auf Primarschulstufe sowie die Durchführung eines entsprechenden Pilotprojekts. Mit dem Resultat ist sie nun alles andere als zufrieden. Denn ein Pilotprojekt im Bereich Tagesstrukturen erachtet der Schlieremer Stadtrat als «eher ungeeignet» und beantragt dem Parlament, die Motion abzuschreiben.

Das bisherige Betreuungsangebot, das sich aus Schule, Hort, Mittagstisch und Randzeitenbetreuung zusammensetzt, bezeichnet Miller als «Flickenteppich». Veränderte Familienstrukturen und der Anstieg der Schülerinnen- und Schülerzahlen würden nach neuen Lösungen im Betreuungsbereich verlangen; Miller verortet diese in einem integrierten pädagogischen Konzept für Unterricht und Betreuung. In ihrem Motionstext zitiert sie eine Nationalfondsstudie, die besagt, dass nicht nur die Eltern davon profitieren würden: So wirke sich der Besuch von Tagesschulen auch positiv auf Sprachkompetenz, Sozialverhalten und Alltagsfertigkeit der Kinder aus.

Ausbau in Schlieren West geplant

Doch von all dem will der Schlieremer Stadtrat nichts wissen. In seinem Bericht macht er geltend, dass Millers Grundanliegen eigentlich bereits erfüllt sind. «In Schlieren existiert schon seit geraumer Zeit ein Konzept für Unterricht und Betreuung von Primarschülern, das laufend weiterentwickelt wird und mit dem Zuwachs der Schülerzahlen Schritt hält», so die Exekutive. Im Zusammenhang mit der Planung des neuen Schulhauses Schlieren West, dem das Stimmvolk im November zustimmte, sei ein Ausbau der Betreuungsstrukturen zudem bereits geplant.

60 neue, in das Schulgebäude integrierte Betreuungsplätze sollen nach der Eröffnung im Jahr 2016 zur Verfügung stehen. Vorgesehen ist ein «freiwilliges modulares Angebot», für das der Stadtrat existierende Strukturen in Zollikon und Herrliberg als Beispiele anführt. Dort können die Eltern zwischen verschiedenen Modulen (Morgen, Mittag, halber oder ganzer Nachmittag) wählen. Die Kosten, die den Schlieremer Eltern für ein ähnliches System anfallen würden, schätzt der Stadtrat auf jährlich 444 000 Franken oder 7400 Franken pro Kind – ohne Subventionen.

«Komplett am Thema vorbei»

Miller ist mit der stadträtlichen Antwort «gar nicht» zufrieden: «Der Bericht geht komplett am Thema vorbei», sagt sie auf Anfrage. Was der Stadtrat als «Schlieremer Tagesschulmodell» darstelle, sei in Wirklichkeit gar keine Tagesschule, sondern ein Ausbau der herkömmlichen Strukturen. Das «Schlieremer Tagesschulmodell» entspricht gemäss Definition der kantonalen Bildungsdirektion in der Tat eher einem Hort: In einer Tagesschule sind die Kinder nämlich «von Montag bis Freitag von Unterrichtsbeginn bis Unterrichtsende» untergebracht, mit der Möglichkeit auf zusätzliche individuelle Randzeitenbetreuung.

Zudem werde dort eine fixe Kindergruppe betreut, betont Miller. «Die konstanten Beziehungen schaffen Geborgenheit und bieten den Vorteil, dass im Unterricht behandelter Stoff während der Betreuungszeiten vertieft werden kann.» Gegen modulare Angebote an sich hat die Gemeindeparlamentarierin zwar nichts einzuwenden. Doch: «Eine Stadt wie Schlieren braucht verschiedene Betreuungsmodelle, weil sie eine sehr heterogene Bevölkerung mit unterschiedlichen Bedürfnissen im Betreuungsbereich hat.» Gerade eine Stadt, die sich mit dem Slogan «Wo Zürich Zukunft hat» bewirbt, könne sich ein einseitiges Betreuungsangebot nicht leisten, ist sie überzeugt.

Ob Miller im Parlament eine Mehrheit gegen die Abschreibung ihrer Motion versammeln kann, wird sich weisen. Zumindest die klaren Stimmverhältnisse bei der Überweisung der Motion lassen sie hoffen: 25 Parlamentarier stimmten dafür, nur 4 dagegen.