Spielplätze
Schlieremer Stadtrat lässt Spielplätze für 1,8 Millionen Franken erneuern

Je dichter eine Stadt bebaut wird, desto wichtiger werden für die Bevölkerung Grünflächen. Davon zeugt auch das neue Spielplatzkonzept, welches der Schlieremer Stadtrat vor kurzem genehmigt hat.

Florian Niedermann
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Er soll zeigen, was möglich ist: Der Spielplatz Schönenwerd auf dem Färberhüsli-Areal wird als erster erneuert.

Er soll zeigen, was möglich ist: Der Spielplatz Schönenwerd auf dem Färberhüsli-Areal wird als erster erneuert.

Limmattaler Zeitung

Es enthält eine Bestandesaufnahme aller öffentlichen Spielplätze auf Stadtgebiet sowie eine Priorisierungsliste und zwei verschiedene Szenarien samt Grobkostenschätzung für deren Erneuerung.

Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) betont auf Anfrage, dass Spielgelegenheiten im öffentlichen Raum enorm wichtig seien: «Sie bilden nicht nur einen Begegnungsort für die Bevölkerung, sondern auch einen Aufenthaltsort für Jugendliche, die ihre Freizeit sonst auf der Strasse verbringen.»

Damit ermöglichten Spielplätze auch eine gewisse soziale Kontrolle, erklärt Kunz.
Diese Infrastruktur will die Stadt deshalb im Schuss halten – was nicht ganz günstig ist: Alleine für die Instandsetzung aller zehn städtischen Spielplätze rechnet der Stadtrat mit Gesamtkosten von 760 000 Franken.

Werden sie darüber hinaus so neu gestaltet, dass die vorhandenen Möglichkeiten in Bezug auf Spielwert und Komfort ausgenutzt werden, belaufen sich die Kosten auf insgesamt knapp 1,8 Millionen. Über die einzelnen Sanierungs- und Erneuerungskredite befindet jeweils erst das Stadtparlament.

Dass in Schlieren in Bezug auf das Spielplatz-Angebot Handlungsbedarf besteht, liegt laut Roger Gerber, dem Leiter der Abteilung Werke, Versorgung und Anlagen, auch am Alter der bestehenden Anlagen: «Die Zustandsanalyse hat ergeben, dass fast alle von ihnen aus den Achtzigerjahren stammen.

Sie genügen heutigen Sicherheitsnormen des Bundesamts für Unfallverhütung nicht mehr in allen Belangen.»

Weniger grün als Hürth

Aus dem Beschluss wird aber auch ersichtlich, dass in Schlieren im Vergleich mit anderen Städten noch Luft nach oben besteht, was das Angebot an Spielflächen angeht. Der Stadtrat verweist etwa auf die Agglomerationsgemeinde Hürth bei Köln.

Nimmt man den dort errechneten Spielflächenbedarf von 2,4 Quadratmeter pro Einwohner und überträgt diesen auf Schlieren, so ergäbe sich daraus ein Bedarf von insgesamt 43 000 Quadratmetern.

Selbst mit den im Konzept nicht berücksichtigten privaten Siedlungs- und den Schulspielplätzen erreicht die Stadt derzeit bloss eine Fläche von 40 000 Quadratmetern.

Zusätzliche Anlagen zu schaffen, sei im Konzept jedoch nicht vorgesehen, sagt Werkvorstand Kunz: «Die geplante Sanierung kostet schon genug. Wichtiger als die Fläche ist die Attraktivität des Angebots.»

Die Stadt will deshalb lieber die bestehenden Spielplätze so entwickeln, dass für möglichst viele Altersgruppen und verschiedene Spielarten ein attraktives Angebot geschaffen werden kann.

Im Konzept sind die öffentlichen städtischen Spielplätze daher in vier verschiedene Typen eingeteilt: Zentrums-, Landschafts-, Quartier-, und Siedlungsspielplätze. Bei einer allfälligen Neugestaltung, die über die blosse Sanierung hinausgeht, will der Stadtrat «die Bedeutung der einzelnen Spielplätze innerhalb der Stadt» berücksichtigen.

Bei einigen Anlagen, wie etwa im Rohr, Hanenbüel oder Chamb, sollen dazu die landschaftlichen Eigenheiten als «Entwurfsthema» dienen. Kunz erklärt dazu: «Wenn sich beispielsweise ein Spielplatz in der Nähe eines Gewässers befindet, wie etwa jene im Rohr und Chamb, so drängt es sich auf, dort Wasser ins Spielangebot zu integrieren.»

Als Beispiel dafür, was bei einer Erneuerung der städtischen Spielplätze möglich ist, dient die Anlage Schönenwerd auf dem Färberhüsli-Areal.

Deren Erneuerung haben freiwillige Bevölkerungsvertreterinnen und -vertreter im Rahmen des Stadtteilentwicklungsprojekts Projet Urbain angestossen, welches das Parlament vergangenen Oktober gestoppt hat.

Bereits im November 2014 hat die Arbeitsgruppe Färberhüsliwiese bei einem Anlass vor Ort die Wünsche der Quartierbevölkerung für die Neugestaltung des Spielplatzes aufgenommen. Die Stadt entwickelte darauf basierend ein Erneuerungsprojekt, das nun laut Kunz in einer der nächsten Parlamentssitzungen beraten wird.

Projet Urbain gab Auftrieb

Das Projet Urbain war gemäss seinen Angaben mit ein Grund dafür, dass es überhaupt zu einem Spielplatzkonzept in dieser Form gekommen ist: «Die Bemühungen der Quartierbewohner in Schlieren Südwest haben der Diskussion um die Spielflächen in der Stadt Auftrieb verschafft», so Kunz.

Die ehemalige Quartierkoordinatorin des Stadtteilentwicklungsprojekts, Sara Huber, äussert sich auf Anfrage denn auch erfreut über die Pläne der Stadt: «Der Stadtrat hat die Überlegungen und Vorschläge der AG Färberhüsliwiese zu einem grossen Teil weitergeführt und professionalisiert.»

Sie lobt insbesondere, dass die städtischen Anlagen den Bedürfnissen verschiedener Zielgruppen angepasst werden.

Ideal würde sie es finden, wenn die Stadt bei den kommenden Projekten wie schon im Färberhüsli auch die Quartierbevölkerung miteinbeziehen würde, wie sie sagt. Und Kunz bestätigt: Die Stadt werde auch bei den anderen Spielplätzen «die Bedürfnisse der Nutzer abholen.»