Schlieren
Schlieremer Stadtpolizisten weisen schwere Prügelvorwürfe zurück

In einem Schlieremer Schrebergarten soll ein Mann von zwei Polizisten übel zugerichtet worden sein. Der Verteidiger der beiden Polizisten, die seit Montag vor dem Dietiker Bezirksgericht stehen, beschreibt den Vorfall ganz anders.

Attila Szenogrady
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In diesem Schrebergarten im Stadtteil Ifang soll ein Mann geschlagen und getreten worden sein.

In diesem Schrebergarten im Stadtteil Ifang soll ein Mann geschlagen und getreten worden sein.

Florian Niedermann

«Die beiden Beschuldigten haben ihre Amtsgewalt auf das Schändlichste missbraucht», sagte der zuständige Staatsanwalt Andrej Gnehm. Die Vorwürfe gegen die beiden langjährigen Beamten der Stadtpolizei Schlieren wiegen schwer. Laut Anklage rückten die beiden Polizisten am 24.Juni 2011 zu den Schrebergärten an der Ifangstrasse aus. Grund dafür war ein Nachbarschaftsstreit, der eskaliert war. Die Ordnungshüter wollten dabei einen offensichtlich angetrunkenen Schrebergärtner kontrollieren.

Vorwurf: Eingesperrt, verprügelt

Die Anklageschrift schildert, wie die beiden Polizeibeamten den renitenten Geschädigten in sein Gartenhäuschen einsperrten und danach während zehn Minuten gemeinsam verprügelten. Abwechslungsweise schlugen sie ihm in drei Serien neun bis zwölf Mal mit der flachen Hand wuchtig ins Gesicht. Als das Opfer auf den Boden fiel, trat ihm einer der Beamten laut Anklage in den Oberbauch. Später beugte ihm derselbe Beamte den Zeigefinger und forderte ihn auf, sein angebliches Versteck von Hanfkraut preiszugeben.

Erzählung als glaubhaft eingestuft

Dann nötigte das Duo den verletzten Schrebergärtner, einen Brief aufzusetzen, wonach er der Liegenschaftsverwaltung mitteilte, sich nie mehr an dieser Örtlichkeit blicken zu lassen. Zum Schluss nahmen die Beamten dem arbeitslosen Schweizer sein Handy und einen Schlüssel weg. Dann forderten sie ihn auf, zu verschwinden und folgten ihm später mit dem Patrouillenfahrzeug. Der Geschädigte suchte zu Fuss das Weite und bekam nicht mit, wie die beiden Polizisten später zurückkehrten und sein Grundstück durchsuchten.

Der Geschädigte begab sich vier Tage nach dem Vorfall zum Arzt, wo er seine Verletzungen untersuchen liess. Drei Monate später erstattete er schriftliche Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft. Mit Erfolg: Die Untersuchungsbehörden stuften die Darstellungen des Anzeigeerstatters als sehr glaubhaft ein und leiteten eine Strafuntersuchung gegen die Polizeibeamten ein.

Angeklagte bestreiten Sachverhalt

Seit Montag stehen die beiden Beschuldigten nun vor dem Bezirksgericht Dietikon. Dabei kam heraus, dass einer der beiden Beamten immer noch in Schlieren als Polizist tätig ist. Im Gegensatz zu seinem Berufskollegen, der seither den Dienst quittiert hat und künftig als Immobilienberater arbeiten will.

Beide Beschuldigten wiesen die Vorwürfe der Anklage gestern zurück. Den Sachverhalt bestritten sie umfassend.

Anders sah es Staatsanwalt Gnehm, der wegen Amtsmissbrauchs, Freiheitsberaubung, Nötigung, Körperverletzung, Hausfriedensbruchs sowie Sachentziehung für beide Beschuldigten verhältnismässig hohe, bedingte Freiheitsstrafen von je 18 Monaten sowie Bussen von je 2000 Franken verlangte. Der Ankläger sprach von lebensnah und glaubhaft geschilderten Angaben des Privatklägers. Im Gegensatz zu den Angeschuldigten: Diese hätten stereotyp und platt ausgesagt. Sie hätten einem «zugedröhnten Querulanten» mit «Wild-West-Methoden» eine Abreibung verpasst. Das Motiv sei die Erniedrigung des Privatklägers gewesen.

Millionen-Entschädigung verlangt

Der im Gerichtssaal anwesende Geschädigte erklärte, dass er heute noch unter den Folgen der Übergriffe leide, beispielsweise unter ständigem Kopfweh. Der Mann verlangte deswegen einen Schadenersatz sowie eine Genugtuung von insgesamt acht Millionen Franken. Den Tipp, die Strafanzeige direkt bei der Staatsanwaltschaft einzureichen, habe ihm ein Zürcher Oberrichter gegeben.

Die beiden Verteidiger forderten dagegen umfassende Freisprüche. Rechtsanwalt Hadrian Meister bezeichnete die schriftliche Strafanzeige als Racheakt. Feststehe, dass die Polizeibeamten den Geschädigten einer Personenkontrolle unterzogen und unsanft, jedoch rechtmässig zum Dienstwagen gezogen hätten. Nach der ganzen Sache habe der randständige Beschuldigte, der sich wie im Leben so oft erneut als «Arschloch vom Dienst» gefühlt habe, eine Retourkutsche geplant. Dabei sei es ihm auch darum gegangen, schnell an viel Geld zu gelangen, sagte der Verteidiger.

Urteil am Donnerstag

Meister hob auch hervor, dass sich der Geschädigte kurz vor dem Polizeieinsatz eine wilde Keilerei mit seinem betagten Nachbarn geliefert habe. Dieser hatte in seinem Garten Plastik verbrannt, worauf der betrunkene und über das Feuer verärgerte Privatkläger mit einer Giesskanne angegriffen habe. Die Verletzungen habe er sich wohl schon dort zugezogen. Der zweite Anwalt verwies darauf, dass die Aussagen des Geschädigten schon alleine aufgrund seiner Alkoholisierung zur Tatzeit mit Vorsicht zu würdigen seien.

Das Gericht zog sich nach den Parteivorträgen zur geheimen Urteilsberatung zurück. Es wird den Entscheid am Donnerstag eröffnen.