Stirnrunzeln
Schlieremer Stadtpolizei erntet für ihren Einsatz im «Salmen» Kritik

Der Einsatz der Schlieremer Stadtpolizei im Restaurant Salmen vom vergangenen Montagvormittag sorgt bei einigen Stadtparlamentariern für Stirnrunzeln.

Florian Niedermann
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Der «Salmen» in Schlieren wurde am Montag vorübergehend geschlossen

Der «Salmen» in Schlieren wurde am Montag vorübergehend geschlossen

Julia Wartmann

Die Stadtverwaltung liess den Gastrobetrieb Anfang Woche schliessen, weil die Pächterfamilie Komani laut Stadtverwaltung über kein gültiges Gastwirtschaftspatent verfügte. Die Gäste, welche sich zum Zeitpunkt des Einsatzes im Restaurant befanden, wurden von den Polizisten dazu aufgefordert, das Lokal zu verlassen. GLP-Gemeinderat Nikolaus Wyss kommentiert auf Facebook, dass er die Aktion für «nicht verhältnismässig» halte. Er kritisiert, dass die Beamten eingeschritten sind, als sich Gäste im Lokal aufhielten. «Wie viel weniger spektakulär und gleichwohl wirksam wäre es gewesen, wenn die Polizei am fraglichen Tag den Wirt gehindert hätte, das Restaurant überhaupt erst aufzuschliessen?», schreibt Wyss.

Polizeivorstand Pierre Dalcher (SVP) erklärt auf Anfrage, dass die Einsatztaktik Sache der Polizei sei. «Als Politiker will ich den Beamten dabei nicht reinreden.» Ihm sei vor allem wichtig gewesen, dass die Polizei nicht «am heiligen Sonntag» oder während des Mittagsservices eingreife, so Dalcher. Grundsätzlich zeigt er Verständnis für Wyss’ Kritik. Er ist jedoch überzeugt, dass die Aktion ohnehin einzelne kritische Stimmen in der Öffentlichkeit hervorgerufen hätte. «Auch wenn wir am Morgen verhindern, dass die Wirtefamilie das Lokal öffnet, bekommen das Leute mit. Es gibt keinen optimalen Zeitpunkt dafür», sagt der Polizeivorstand.

Warum war die Kapo dabei?

Ein Grund, weshalb der Einsatz am Vormittag stattfand, liegt laut Dalcher darin, dass die Stadtpolizei den Zugriff mit der Kantonspolizei koordinierte. «Die Uhrzeit wurde abgesprochen und aus polizeitaktischen Gründen so festgelegt», erklärt er. Dass die Kantonspolizei bei der Schliessung des Restaurants dabei war, legt den Schluss nahe, dass die Behörden nicht nur wegen des fehlenden Patents eingriffen. Dalcher bestätigt, dass die Polizisten am Montag «unter anderem» auch arbeitsrechtliche Überprüfungen vorgenommen hätten. Welche weiteren Verdachtsmomente die Kapo auf den Plan riefen, will er nicht angeben. Der Polizeivorstand sagt aber, dass die Ermittlungen «zu keinen Ergebnissen» führten. Von der Kantonspolizei ist auf Anfrage nichts Genaueres über den Einsatz und seinen Hintergrund zu erfahren.

Dass das fehlende Gastwirtschaftspatent nicht das einzige Problem ist, das im Zusammenhang mit dem Restaurant Salmen im Raum steht, zeigt eine Äusserung von FDP-Präsidentin Barbara Angelsberger auf Facebook. Sie kommentiert die Schliessung des «Salmens» mit dem Hinweis, dass die Pächterfamilie schon seit Jahren hart an der Grenze dessen fahre, «was zumutbar ist». Sie sieht das Vorgehen der Stadtpolizei dadurch gerechtfertigt. «Wenn die Polizei hier so vorgeht, gibt es noch andere Mängel im Salmen. Ohne Grund geht man nicht so vor!», so Angelsberger.

Salmen war Thema im Parlament

In den Jahren 2002 und 2011 wurde der Gastrobetrieb bereits Gegenstand politischer Vorstösse. Darin beklagte der Quartierverein Schlieren (QVS), dass bei grösseren Anlässen im Restaurant private Fahrzeuge der Gäste die Parkplätze der näheren Umgebung während mehrerer Stunden besetzen würden.

Im Zusammenhang mit der Schliessung vom Montag bleibt weiterhin ungeklärt, ob die Polizei bei ihrem Einsatz tatsächlich so schroff vorging, wie dies Nue Komani, das Oberhaupt der Wirtefamilie schilderte: Der Beamte der Stadtpolizei habe die Gäste «mit lauter Stimme» dazu aufgefordert, das Lokal «innerhalb von zehn Sekunden» zu verlassen, so seine Beschreibung.

Der grüne Gemeinderat Dominik Ritzmann stellt diesen Vorwurf in einem Facebook-Kommentar in einen grösseren Zusammenhang. Falls sich die Räumung des Restaurants tatsächlich so zugetragen habe, schreibt er, «würde dies garantiert ein weiteres mal ein schlechtes Licht auf die Schlieremer Polizei werfen».

Imageproblem angesprochen

Ritzmann erinnert damit an das Imageproblem, mit dem die Stadtpolizei schon seit Monaten kämpft. Zwei Schlieremer Beamte wurden 2013 vom Bezirksgericht Dietikon für schuldig befunden, einen Schrebergärtner verprügelt und seiner Freiheit beraubt zu haben. Sie erhielten dafür bedingte Freiheitsstrafen von je 16 Monaten. Die Polizisten legten gegen das Urteil Berufung ein. Das Urteil des Zürcher Obergerichts ist noch hängig. Im Februar 2013 wurde ausserdem bekannt, dass die Stadt einen Polizisten eingestellt hatte, dem wegen eines Verkehrsdelikts der Führerschein entzogen worden war. Und im vergangenen August wurde schliesslich ein anderer Beamter in Untersuchungshaft genommen, weil er seine Frau geschlagen haben soll.