In ihrem Vorstoss verlangte die SP-Gemeinderätin ein «integriertes pädagogisches Konzept für Unterricht und Betreuung» und die Durchführung eines Tagesschul-Pilotprojekts (die Limmattaler Zeitung berichtete). Der Stadtrat beantragt die Abschreibung der Motion, die am 27. Januar im Parlament behandelt wird – gleichwertige Bestrebungen seien längst in Erarbeitung, es bedürfe also keiner gebundenen Tagesschule, so der Tenor.

Nun meldet sich auch die Schulpflege zu Wort: Sie fühlt sich durch Millers Wortwahl in der Motion wie auch durch ihre Reaktion auf die ablehnende Haltung des Stadtrats vor den Kopf gestossen. «Der Vorwurf des Flickwerks ist despektierlich. Für die Beurteilung eines einheitlichen Betreuungskonzeptes braucht es eine genaue Kenntnis der Sachlage und der verschiedenen Tagesschulformen», sagt Stadträtin und Schulpflegepräsidentin Bea Krebs (FDP).

«Image trägt Schaden»

Mit negativen Äusserungen über das bestehende Betreuungsangebot, in das die Schulpflege «unter erschwerten Umständen viel Zeit und Initiative investiert» habe, erweise Miller der Schule einen Bärendienst: «Wenn es um Kinder geht, hören Eltern – mit gutem Recht – sehr genau hin», sagt Krebs. Sei in der Zeitung von einem unzureichenden Angebot zu lesen, schade das dem Image Schlierens.

Empört stimmt die Schulpflege, dass Miller mit dem Flickwerkvorwurf die schwierige Arbeit der elfköpfigen Kommission verkenne. Schulpflegerin Nicole Bachmann (SVP) macht geltend, dass man schon heute aus den vorhandenen Ressourcen das Beste herauszuholen versuche. «Wir arbeiten stets an einem Betreuungsangebot im Sinne von Kind und Eltern. Doch wir sind gezwungen, uns dabei innerhalb der gegebenen Infrastruktur zu bewegen, die zunehmend an ihre Grenzen stösst.»

Esther Maier, pädagogische Leiterin bei der Schulverwaltung, pflichtet ihr bei. «Es ist eine Tatsache, dass Schlieren wächst und damit der Bedarf an Betreuungsplätzen.» Bislang sei man bis auf wenige Ausnahmen aber noch immer in der Lage gewesen, der Nachfrage nachzukommen. «Wir reagieren laufend auf veränderte Bedürfnisse der Eltern», sagt Maier, «und ich bin zuversichtlich, dass wir das auch in Zukunft gewährleisten können.» So arbeite man gemäss Schulpflegerin Barbara Kriech (FDP) aktuell etwa daran, den Wunsch nach längeren Öffnungszeiten mit einer Erweiterung der Tagesstrukturangebote bis 18 Uhr umzusetzen.

Zu wenig Kinder für Tagesschule

Die heutige Auslastung lasse jedoch nicht auf einen Bedarf nach Tagesschulen schliessen: Es gebe nur etwa 20 Kinder vom Kindergarten bis zur 6. Klasse, die fünf Tage die Woche vollzeitlich betreut werden müssen, rechnet Bachmann vor. Durch die Schaffung einer Tagesschule sieht die Schulpflege zudem ihre Strategie gefährdet, jedes Kind in seinem Wohnquartier zur Schule zu schicken. Denn mangels grösserer Nachfrage wäre zumindest vorerst höchstens ein Tagesschulstandort denkbar – für Kinder aus allen Quartieren.

Tagesschulen sind für die Schulpflege also weder nötig noch sinnvoll, jedenfalls nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Zuerst wolle man abwarten, wie sich ab 2016 das ins neue Schulhaus Schlieren West integrierte Betreuungsangebot entwickelt, sagt Schulpflegepräsidentin Krebs. «Sollte sich herausstellen, dass es in Schlieren West 60 bis 70 Kinder gibt, die eine gebundene Tagesschule besuchen würden, wären wir die letzten, die zum gegebenen Zeitpunkt keine solche prüfen würden.»