Schlieren

Schlieremer Parlament zeigt sich bei Verkauf familienfreundlich

Nicht nur verwalten, sondern auch gestalten: Die Stadt Schlieren hat die Liegenschaft am Lachernweg nicht nach marktwirtschaftlichen Kriterien verkauft (Symbolbild).

Nicht nur verwalten, sondern auch gestalten: Die Stadt Schlieren hat die Liegenschaft am Lachernweg nicht nach marktwirtschaftlichen Kriterien verkauft (Symbolbild).

Quartierverein kritisierte, die Stadt hätte beim Kaufvertrag für den Lachernweg 14 mehr herausholen können

Nicht immer ist der finanzielle Gewinn für eine Stadt das wichtigste Kriterium beim Verkauf ihrer Liegenschaften. Dies zeigten die Schlieremer Parlamentarier an der Sitzung von gestern Abend, indem sie dem Verkauf eines Wohngebäudes am Lachernweg 14 mit 28 zu 2 Gegenstimmen zustimmten. Bei den Käufern handelt es sich um eine vierköpfige Familie. Dem Entscheid ging eine Diskussion voraus, in der der Quartierverein monierte, dass die Stadt mehr Gewinn hätte erzielen können.

Der Stadtrat legte den Preis für die Liegenschaft am Rande des Erdbeerifelds entsprechend einer externen Schätzung auf 240 000 Franken fest. Aus über vierzig Bewerbern wählte die Stadt schliesslich die berücksichtigte Familie aus. Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) empfahl dem Parlament den Vertrag grossmehrheitlich zur Genehmigung.

Der Quartierverein stellte jedoch einen Ablehnungsantrag. Gaby Niederer (QV) gab zu bedenken, dass in Schlieren ansonsten Bodenpreise von über 1000 Franken pro Quadratmeter erzielt werden könnten. «Im Fall dieses 590 Quadratmeter grossen Grundstücks hätten also gewiss 340 000 Franken verlangt werden können», sagte sie. Es sei nicht der Auftrag der Stadt, eine Familie mit einem Geschenk von 100 000 Franken zu unterstützen.

Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) antwortete ihr, dass der Stadtrat sich mitunter für den Verkauf zum Fixpreis entschieden habe, weil das Gebäude derzeit kaum bewohnbar sei und die neuen Besitzer viel Geld in die Renovation stecken müssten, um «in einem schönen Haus leben» zu können. «Zudem sind die baurechtlichen Vorgaben bei diesem Grundstück in der Reservezone sehr eng», erklärte sie. Und schliesslich sei der Verkauf auch als familienpolitischer Entscheid zu werten. «Es gibt Fälle, bei denen Geld nicht zu vorderst steht. Dies war ein solcher Fall», sagte Stiefel.

Diese Haltung stiess bei den Parlamentariern auf Zuspruch. SVP-Gemeinderat Boris Steffen erklärte etwa, dass der Fixpreis gegenüber einem Verkauf an den Meistbietenden den Vorteil biete, dass die Stadt die Käufer auswählen konnte – in diesem Fall eine Familie, die sich «mit ganzem Herzen für Schlieren entschieden» habe. Nikolaus Wyss (GLP) sagte, er würde es begrüssen, wenn die Stadt in ihrem Liegenschaftsportfolio deklarieren würde, was nach nicht nach marktwirtschaftlichen Kriterien verkauft wird, und wo man den Markt spielen lasse. «Grundsätzlich ist es aber zu unterstützen, wenn die Exekutive nicht nur verwaltet, sondern gestaltet», so Wyss.

Schliesslich genehmigte das Parlament nicht nur den Verkauf des Lachernwegs 14, sondern als weiteres Traktandum auch den eines Wohngebäudes an der Engstringerstrasse 49. Dieses überlässt die Stadt damit dem Meistbietenden nach einem zweistufigen Ausschreibeverfahren für 700 000 Franken. Der Mindest-Kaufpreis war bei 450 000 Franken angesetzt.

Motion «Grädel» abgeschrieben

Im weiteren Verlauf der Sitzung schrieb das Parlament auch Thomas Grädels (SVP) Motion «Zukunftsgerichtete und sichere Limmattalbahn» diskussionslos ab. Dies, nachdem der Stadtrat Ende April ankündigte, Grädels Forderung nachzukommen und einen runden Tisch zur Beratung des Stadtrats in Sachen Linienführung der Limmattalbahn einzuberufen. Der SVP-Parlamentarier stimmte der Abschreibung seines Vorstosses allerdings erst zu, nachdem ihm der Stadtrat unter anderem versichert hatte, dass der runde Tisch mit je einem Vertreter aller acht Parlamentsparteien besetzt wird und dass der Stadtrat seine Einsprache gegen die Linienführung im Spitalquartier zwischenzeitlich nicht zurückgezogen hat.

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