Sonnenschein pur und über 25 Grad warm: Bei diesen Wetteraussichten würden die Schlieremer Wasserratten am liebsten schon dieses Wochenende das neue Bio-Schwimmbad im Moos stürmen. Doch sie müssen sich noch bis Anfang Juli gedulden. Dann soll die Badi ihre Pforten öffnen. «Die Bauarbeiten laufen gut – wir liegen im Zeitplan», sagte Werkvorstand Christian Meier gestern bei einem Rundgang durch die Baustelle. Die Wasserbecken sind zu einem grossen Teil mit grüner Folie ausgekleidet, die «Uferzone» mit Flachwasser ist bereits sichtbar. Was noch fehlt, ist der Beckenrand aus Granit. Und auch in den Garderoben, Duschen oder im Bistro müssen die Handwerker noch anpacken.

«Die Reinigungskraft der Natur ist stärker als man denkt»

Schon Ende April ziehen die ersten neuen Lebewesen auf dem Schwimmbad-Areal ein: Wasserpflanzen wie Seerosen, Binsen, Seggen und Rohrkolben werden in die drei Aufbereitungsbecken am oberen Rand der Anlage gepflanzt. Die Aufgabe der Pflanzen: Sie helfen, das in die Aufbereitungsbecken gepumpte Badewasser von Verschmutzungen wie Urin oder Keimen zu reinigen. Die gleiche Funktion üben Sonnenlicht sowie Kleinstkrebse aus. «Die Mikroorganismen lassen sich selbstständig in den Regenerationsbecken nieder», sagt Ingenieur Rainer Grafinger, der Generalplaner für die Aussenanlage des Schlieremer Bio-Bads ist. Durch eine meterdicke Kiesschicht und ein Leitungssystem fliesst das gereinigte Wasser schliesslich wieder zurück in die Bade- und Schwimmbecken.

Was nach einem gemächlichen Prozedere tönt, läuft laut Grafinger effizient ab: «Die Reinigungskraft der Natur ist stärker als man denkt. Die rund 2000 Kubikmeter Badewasser werden alle ein bis zwei Tage umgewälzt und gereinigt.» Dass bei sommerlichem Hochbetrieb die Wasserqualität kritische Werte erreiche, sei ausgeschlossen: «Das Schwimmbad ist aufgrund der Liegeplätze für rund 2000 Badegäste ausgelegt. Die Reinigungsanlage könnte weit mehr bewältigen.»

Schlammbad im November

Natürliche Prozesse ersetzen im neuen Bio-Bad chemische Reinigungsstoffe wie Javelwasser oder Schwefelsäure – aber nicht immer spielte die Natur für das Projekt: «Der frühe Wintereinbruch im November hat uns eine Schlammschlacht beschert», berichtet Ingenieur Grafinger.

Den durchnässten Aushub habe man entsorgen müssen – rund 1000 Kubikmeter neues, standfestes Erdmaterial würden nun für die Aufschüttung des Geländes angeliefert. «Das ist natürlich ein Kostenfaktor», so Grafinger.

Mehrkosten wegen Denkmalpflege

Teurer als geplant wurde das Projekt auch in anderen Bereichen: «Aktuell belaufen sich die Mehrkosten auf rund 400000 Franken», sagt Werkvorstand Meier. Grund seien zum Teil die «bei solchen Projekten üblichen Unwägbarkeiten»: Findlinge, die aufgetaucht sind, alte Leitungen, die einbetoniert waren.

Rund die Hälfte der Mehrkosten – nämlich 200000 Franken – gehen laut Meier allerdings auf die kantonale Denkmalpflege zurück. Diese hatte das aus den 40er Jahren stammende Schwimmbad im Moos vor rund zwei Jahren ins Inventar der Schutzobjekte aufgenommen. «Die Fachleute sind zum Schluss gekommen, dass das geplante Sprungbecken mit dem Sprungfelsen optisch zu dominant gewesen wäre», sagt der Werkvorstand. Deshalb habe man das Sprungbecken einen Meter tiefer in den Boden versenkt und näher an den Hang gerückt. Die Folge: Der grössere Aushub und eine nicht geplante Stützmauer verschlangen mehr Geld als erwartet.

Statt des vorgesehenen Sprungfelsens wird zudem ein filigranerer Sprungturm erstellt. Dazu kommt laut Ingenieur Grafinger eine sechs Meter hohe, leicht überhängende Kletterwand aus Alu und Plexiglas. Wer beim Klettern abrutscht, platscht ins Wasser des Sprungbeckens.

Nicht explodieren wird laut Meier die Rechnung für das 6-Millionen-Projekt – trotz der Mehrkosten. Ein unabhängig davon beschlossenes neues Eintrittssystem spare 400000 Franken. Wie an einer Party tragen die Badegäste künftig ein auffälliges Armband. «Da somit auf den ersten Blick klar ist, wer bezahlt hat, können wird auf die Umzäunung der Liegewiese verzichten», sagt Meier. Ebenso eingespart wird die vorgesehene Passerelle über die Schulstrasse, die als Verbindung zwischen Schwimmbad und der Liegewiese auf dem Sportplatz im Moos das Areal hermetisch abgeschlossen hätte.