Grobes Gepolter, fiese Seitenhiebe und hitzige Atmosphäre statt nüchterner Argumentationen: So kennt man Polittalk-Sendungen aus dem Fernsehen. Ganz anders – wenn auch alles andere als nüchtern – lief gestern Abend die «Schlieremer Arena» im Zirkuszelt beim Schulhaus Hofacker ab: Als Dompteur in der Manege leitet az-Journalist und Autor Jörg Meier die humorvolle Gesprächsrunde rund ums Thema Schlieren, die von den lokalen Parteien organisiert wurde.

Im Scheinwerferlicht der Arena stehen echte Schlieren-Experten Rede und Antwort zu Themen, die die Stadt bewegen: Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin ist da, Parlamentspräsidentin Béatrice Miller, Schulpräsidentin Bea Krebs, Schwester Elisabeth Müggler, Schauspieler Peter Kner, Fahrlehrer Urs Peyer, Abfuhrwesen-Chef Markus Moosmann und Sekschülerin Luna Roccia.

Bio-Badi dient als Witzvorlage

Der Aargauer Moderator, der bis vor Kurzem nur die Auto-Occasionshändler und die «Schlieremer Chind» mit Schlieren in Verbindung brachte, hat sich in den letzten Wochen über die heissen Themen in der Stadt schlau gemacht. Sogar die Gäste im Restaurant Stürmeierhuus belauschte er zu diesem Zweck, wie er dem Publikum erzählt: «Da sagte einer: ‹Kennst Du den neuesten Schlieremer Witz? Weil das Schlierefäscht so teuer ist, muss die Stadt jetzt sparen. Sie schliesst die WCs in der Bio-Badi, denn die benutzt ja eh keiner.›» Gelächter brandet im Zelt auf – die Schlieremerinnen und Schlieremer amüsieren sich über die Anspielung auf die Fäkalien, die kürzlich das neue Bio-Bad im Moos verunreinigt und für Aufruhr in der Stadt gesorgt haben.

Mit raschen Themenschwenkern verhindert Moderator Meier, dass es in der «Schlieremer Arena» zum politischen Schlagabtausch kommt – denn Organisator Pierre Dalcher sagte vor Start der Debatte: «Legen wir die Axt für einmal beiseite. Der Abend soll – wie das Schlierefäscht – im Zeichen des Humors stehen.»

So bleibt die Runde auch beim politisch umstrittenen Thema der Verkehrsführung auf dem Stadtplatz an der Oberfläche, oder besser gesagt: im Untergrund. Fahrlehrer Urs Peyer regt die Schaffung eines Fonds an, damit für den Verkehr ein langer Tunnel gegraben werden und das Stadtzentrum schöner gestaltet werden kann.

Eine Wunschliste für die Politik

Die hemmungslosesten Witze fallen dort, wo es keinem wehtut – oder nur dem Aargauer Moderator. Als dieser es mit den Vorurteilen über Schlieren gar bunt treibt, fordert ihn das Publikum auf, seine Socken zu zeigen – in Anspielung an das Vorurteil, dass alle Aargauer weisse Socken tragen. Meier präsentiert elegantes Schwarz, das Zelt johlt.

Trotzdem ist die «Schlieremer Arena» mehr als Geblödel. Stadtpräsident Brühlmann nimmt eine lange Wunschliste mit nach Hause. Schwester Elisabeth fordert einen Kongresssaal für die Stadt, Peter Kner möchte mehr Geld für die Kultur, Béatrice Miller einen Kulturplatz mit einem schönen Café – und ein paar Schüler wollen, dass die neue Bio-Badi wieder umgebaut wird.