Schlieren

Schlierefäscht A-Z: Das grosse Feuerwerk kommt von allen Seiten

Der letzte Schliff: Emsige Helfer bauten gestern Abend Stände und die Live-im-Prak-Bühne im Stadtpark fertig. ARu

Der letzte Schliff: Emsige Helfer bauten gestern Abend Stände und die Live-im-Prak-Bühne im Stadtpark fertig. ARu

Zehn Tage lang steht Schlieren Kopf. «Schliere lacht» bedeutet beste kulturelle Unterhaltung, eine vielfältige Beizenlandschaft und eine Stadt in Feierlaune. Der Versuch eines Überblicks.

Aufmarsch: Als wahre Limmattal-Parade ist der Festumzug vom Sonntag zu bezeichnen. Nicht weniger als 1400 Teilnehmer aus Schlieren und den umliegenden Gemeinden werden sich dann ab 11.30 Uhr, in 40 Gruppen organisiert, langsam entlang der Schul-, Freie-, Nassacker-, Urdorfer- und Hofackerstrasse bewegen. Der Publikumandrang war schon bei der letzten Ausgabe des Schlierefäschts vor vier Jahren riesig.

Blessuren: Auf dem Festgelände versucht man ein Sanitätszelt vergeblich. Und das mit gutem Grund: 2011 gab es am Stadtfest laut Organisationskomitee keine einzige gemeldete Verletzung. Kommunikationsbeauftragter Charly Mettier versichert aber, dass für allfällige medizinische Notfälle vorgesorgt sei: «Wir haben eine Sanitätspatrouille organisiert, die permanent im Einsatz ist.» Wer auf deren Hilfe angewiesen ist, solle sich bei OK-Mitgliedern auf dem Gelände oder an einem der Info-Stände beim Parkside, im Stadtpark oder bei der Post melden.

Comedy: Comédy und Events, das vergangenes Jahr im Herbst auf dem Stadtplatz stattgefunden hat, setzt dieses Jahr aus finanziellen Gründen aus. Doch das Schlierefäscht würde nicht unter dem Motto «Schliere lacht» stehen, wenn nicht für reichlich Ersatz gesorgt worden wäre. Neben Sutter&Pfändler werden etwa auch Stéphanie Berger, Gardi Hutter und natürlich Clown Mugg für das Lachmuskeltraining besorgt sein.

Donatoren: Das Gesamtbudget des Schlierefäschts 1,4 Millionen Franken. Es ist hauptsächlich den rund 133 Sponsoren zu verdanken, dass die Kosten zu einem grossen Teil gedeckt und damit auch alle kulurellen Angebote am Fest für die Besucher gratis sind. Insgesamt 600 000 Franken haben sie beigesteuert. Dazu kommen 300 000 Franken aus der Stadtkasse, die das Parlament bewilligt hat. Der Rest wird über Gebühren für die Festwirte und andere Einnahmen gedeckt.

Einbahn: Wegen des Schlierefäschts gilt auf der Nassackerstrasse bis zum 13. September Einbahnverkehr. Die Einfahrt von der Badenerstrasse her ist gesperrt. Die Ringstrasse um den Stadtplatz bleibt aber durchgehend befahrbar. Während den Tests für die Wassershow hat dies in den letzten Tagen dazu geführt, dass vereinzelt Autofahrer auf der Fahrbahn angehalten haben, um einen Blick auf das Spektakel zu erhaschen. Laut Sicherheitsvorstand Pierre Dalcher werden deswegen keine zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen getroffen: «Wir bitten aber Autolenker generell, sich während der Festzeit in der Stadt vorsichtig zu bewegen.»

Fest im Fest: Das Schulhaus hat am 11. September gleich zweifach Grund zum Feiern: Am zweiten Freitag des Schlierefäschts wird das Schulhaus nämlich 60 Jahre alt. Von 15 bis 18 Uhr bieten die Lehrer und Schüler im eigens erstellten «Hofimärt» verschiedene Produkte zum Verkauf an und unterhalten die Besucher mit verschiedenen Darbietungen.

Grosser Auftritt: Die volle Aufmerksamkeit der Stadt ist am Mittwochabend den Detaillisten von Pro Schlieren gewiss. Am Mittwochabend bewegen sie den Himmel über Schlieren mit einem einzigartigen Feuerwerk. Dazu gehören getanzte Feuershows, bengalische Lichtbilder auf mehreren Hausdächern im Festgelände, ein Front- und ein Grossfeuerwerk. Insgesamt 18 000 Franken haben die Detailhändlerinnen und Detailhändler dafür gesammelt.

Highlight: Den musikalischen Höhepunkt des Schlierefäschts 2015 dürfte für viele der Auftritt der legendären Rockband «Spider Murphy Gang» bilden (Samstag, 5.9., 21 Uhr, Live im Park). Aus zuverlässigen Quellen ist zu erfahren, dass dafür sogar Besucher aus der Stadt Zürich nach Schlieren pilgern werden.

Interreligiöses Feiern: Und auch Besinnlichkeit hat am Schlierefäscht Platz. Die katholische und reformierte Kirchgemeinde führen zusammen mit der bosnischen Moschee das «Zelt Abrahams» auf dem kleinen Weiher im Park. Es soll zu einem Ort der Begegnung und der Inspiration werden.

Jetons: Tausende von Bieren, Drinks und Softgetränken werden in den nächsten Tagen über die Tresen der Festbeizen gehen. Damit «Schliere lacht» dennoch sauber über die Bühne geht, gibt es zu jedem Getränk in Alu-Dosen oder Pet-Flaschen einen Jeton mit einem Depot von zwei Franken. Bei Rückgabe der Flasche oder Dose erhält man das Depot zurück.

Kochweltmeister: Wer sich für gutes Essen begeistern kann, der kommt am Schlierefäscht nicht zu kurz. Neben Ständen, die Speisen aus aller Herren Länder anbieten, findet sich auf dem Stadtplatz auch das Lokal eines echten Kochweltmeisters. Stephan Stemminger ist seit sehcs Jahren in der Kochkunstmannschaft des Chefs de Cuisine Lucerne und gewann an der WM 2014 in Luxemburg mit seinem Team bereits zum zweiten Mal die Goldmedaille.

Lokus: Ganze zehn WC-Anlagen stehen verteilt über das Festgelände zur Verfügung. Alles in allem wurden für das Fest über 50 Festzelte und Marktfahrerstände sowie fünf Bühnen aufgebaut.

Mugg der Clown: Er unterhält Publikum von jung bis alt gleich bei mehreren Gelegenheiten auf der Bühne. Dazu ist Mugg aber auch der Botschafter der Solidaritätsaktion «Roti Nase». Diversen Orten auf dem Festgelände können die Besucher anstelle eines Festabzeichens eine rote Clown-Nase für fünf Franken kaufen. Der gesamte Erlös der Aktion geht an die Stiftung Solvita, die mit dem Geld 2016 Projektwochen für Menschen mit Behinderung finanzieren wird.

Nachwuchsförderung: Mit Spannung erwartet wird in der Schlieremer Bevölkerung die Theaterproduktion «Der Besuch der alten Dame», die Theaterprofis mit städtischen Laiendarstellern einstudiert haben. Der Gewerbeverein sponsert das Stück, das bis am 17. September insgesamt neun mal aufgeführt wird, mit 40 000 Franken. Er verbindet dies jedoch mit der Auflage, dass das Ensemble über die Region hinaus bekannt gemacht wird und es sich in den Zwischenjahren bis zum nächsten Stadtfest neuen Nachwuchs rekrutiert.

Optische Täuschung: Wer regelmässig von der Salmenkreuzung in Richtung Ringstrasse unterwegs ist, sieht bereits seit Monaten von Weitem das grosse Werbeplakat für das Schlierefäscht auf dem Stadtplatz. Was einem aber erst von der Rückseite der Trägerkonstruktion auffällt, ist seine wahre Grösse. Damit das Banner nämlich von der Strasse her so prominent wirken kann, musste beim bahnhofseitigen Unterführungsausgang eine rund zehn Meter hohe Konstruktion aufgebaut werden.

Prominenz: Zu einem Fest einer Stadt vom Format Schlierens gehört natürlich auch eine ordentliche Portion Glamour. Neben vielen Künstlern auf den diversen Bühnen sorgen am «Tag der Wirtschaft» der Wirtschaftskammer und der städtischen Standortförderung (Montagnachmittag, Salmensaal) auch Bundesrat Adolf Ogi und Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi für einen hohen Promi-Faktor.

Quesadillas à la Arnet: Eine der beliebtesten Beizen mit dem Namen «El Taco Loco» führte 2011 der Schlieremer FDP-Gemeinderat Lucas Arnet mit seinem Team. Der Erfolg der letzten Ausgabe scheint ihn beflügelt zu haben: Das Zelt wurde vergrössert, die Crew aufgestockt und die Beiz heisst neu «La Cantina». Geblieben sind die mexikanische Küche und die legendären Margaritas.

Reggae und Schaum: Heute in einer Woche findet auf dem Stadtplatz bei der Mugg-Bühne eine Schaumparty für Jugendliche statt. Unterlegt wird die Openair-Party von Reggae-Beats der Tunesquad Crew aus Zürich. Bereits heute Abend tritt auf der Mugg-Bühne, die ja auch die Jugendbühne ist, Knackeboul auf, und morgen begeistern dort Mimiks das Publikum.

Selbstlos: Damit ein zehntägiges Fest wie «Schliere lacht» stattfinden kann, braucht es unzählige helfende Hände. Alleine das OK besteht aus einer Kerngruppe von neun Personen um den Präsidenten Rolf Wild. Im erweiterten Team sind 21 Personen aktiv. Dazu kommen laut Kommunikationschef Charly Mettier über 200 Helfer, die die Organisation unterstützen. Alle Vereins- und Restaurant-Stände mitgerechnet dürften während der ganzen Festzeit rund 4500 Helfer im Einsatz stehen, schätzt das OK – der grösste Teil davon unentgeltlich.

Treffen der Generationen: Jung unterhält alt. Die Sekundarschule Kalktarren führt die Generation Ü55 am Dienstagnachmittag auf der Zentrumsbühne in ihre Welt ein. Wer nicht weiss, was «biltunk öite» heisst, oder wie Schminken im Tussi-Style geht, erhält Nachhilfe von Teenie-Experten.

Ueberwältigend: Was auf den fünf Bühnen und an anderen Orten der Stadt in den zehn Tagen von «Schliere lacht» geboten wird, kann sich sehen lassen. 146 einzelne Veranstaltungen finden bis und mit Sonntag den 13. September statt. Speziell ereignisreich wird der morgige Samstag: Zwischen 9 Uhr morgens und Sonntag um 2 Uhr sind ganze 26 Programmpunkte angesagt.

Vereint: «Weisch na?», diese Frage wird an jedem der zwölf Jahrgangstreffen «Widerluege» am Schlierefäscht zu hören sein. Über 1200 Personen haben sich bis zum 10. Juli angemeldet, um, jeweils in fünf Jahrgängen vereint, in Erinnerungen zu schwelgen. Den Start machen die Senioren mit Jahrgang 1940 und älter am kommenden Sonntag.

Wetterglück: Entscheidend für den Erfolg des Schlierefäschts ist eine gute Witterung. Und die Wettergötter scheinen es gut zu meinen: Meteo Schweiz prognostiziert, dass es zwar Samstagnacht vereinzelt zu leichten Schauern kommen könnte, danach sollte es allerdings trocken bleiben. Ab Mitte Woche könnte es gar wieder zu sommerlichen Temperaturen kommen.

X-fach gelobt: Wie festbegeistert die Schlieremerinnen und Schlieremer sind, zeigte sich in den Jahren seit 2011. Bei jeder Gelegenheit erinnerten Politiker aber auch Privatpersonen an das Stadtfest, das so rundum positiv ins kollektive Gedächtnis eingegangen war. Kein Wunder: Bei bestem Wetter feierten damals zwischen 50 000 und 70 000 Besucher mit der Stadtbevölkerung. Und am Ende resultierte in der OK-Kasse sogar ein kleines Plus von 22 000 Franken.

Ysebahn: Ein Höhepunkt für alle Mani-Matter-Fans dürfte der Auftritt von Ueli Schmetzer mit «Matter Live» sein. Am Freitag den 11. September spielen sie die unsterblichen Lieder des Berner Troubadours wie «Dr Sidi Abdel Assar vo El Hama» oder «Ir Ysebahn» auf der Sägestrasse-Bühne.

Zapfenstreich: Auch das schönste Fest endet irgendwann. Von Sonntag bis Mittwoch ist jeweils um Mitternacht Betriebsschluss am Schlierefäscht. Am Donnerstag dürfen die Beizen und Stände jedoch bereits bis 2 Uhr morgens geöffnet haben. An den beiden Wochenenden ist der Zapfenstreich gar erst auf 4 Uhr morgens angesetzt. Am letzten Festtag endet das Programm dafür bereits um 20 Uhr.

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