Trotz einer schweren Krise glaubt der CEO der Schlatter Industries AG, Werner Schmidli, dass es mit seiner Firma bald wieder aufwärtsgehen wird: «Wir sind ein weltweit anerkannter Brand, verfügen über fähige Mitarbeiter und eine starke Marktposition. Darauf kann man setzen.» Gemäss der Planung der Geschäftsleitung wird der Schweissanlagen- und Webmaschinenhersteller 2012 zwar substanzielle Verluste schreiben, bereits im nächsten Jahr will man aber wieder schwarze Zahlen präsentieren können.

Dieser Optimismus erstaunt: Noch im März dieses Jahres strich die Schlatter Industries AG rund 40 Stellen in ihrem Schlieremer Sitz. Im Juli folgte der nächste Schlag: Weitere 60 Personen verloren ihre Arbeit. Sieben davon kündigten selbst.

Überkapazität wurde abgebaut

Dass man rund 100 Stellen habe abbauen müssen, habe auch ihn geschmerzt, erklärt Schmidli. Allerdings seien die Personaleinsparungen unumgänglich gewesen, um im Markt weiterhin bestehen zu können. «Wichtige Absatzmärkte für unsere Maschinen sind eingebrochen. So entstand eine Überkapazität in unserem Unternehmen, die wir abbauen mussten.»

Die Arbeitnehmerorganisation Angestellte Schweiz kritisierte das Schlatter-Management nach der Bekanntgabe der Entlassungspläne scharf. Es handle sich dabei «um die mutwillige Zerstörung von Schweizer Know-how», liess sie verlauten. Nach dem Verkauf der markanten Schlatter-Liegenschaft in Schlieren und einer Kapitalerhöhung habe man offensichtlich keinen anderen Weg mehr gefunden, als Personal zu entlassen.

Schmidli entgegnet, dass das Management nicht nach Schema F verfahren sei: «Seit 2009 versuchten wir dem Negativtrend mit verschiedenen Massnahmen entgegenzuwirken. Sie alle konnten aber Verluste nicht verhindern.» So gesehen habe man Personaleinsparungen eigentlich viel zu spät in Erwägung gezogen.

Krise stand am Anfang

Die Entlassungen betrafen bei Schlatter hauptsächlich den Bereich der Gitterschweissmaschinen, welche hauptsächlich im Bausektor eingesetzt werden. Dies, weil seit 2009 wegen der einsetzenden Schuldenkrise in den südeuropäischen Staaten kaum mehr investiert wird. «Die Bau- und Stahlindustrie serbelt in diesen Ländern. Deshalb kauft dort niemand mehr neue Schweissmaschinen», sagt Schmidli.

Zur Krise in den Abnehmerländern kam seit 2010 der starke Franken, der Schweizer Produkte für ausländische Firmen immer teurer werden liess, wie Schmidli sagt: «Nur ein Prozent unserer Kunden ist in der Schweiz ansässig. Viele Abnehmer konnten sich unsere Produkte schlicht nicht mehr leisten.»

Das Personal spiele in dieser Konstellation nur einen Faktor für das Kostenstrukturproblem, das gelöst werden musste, so Schmidli. Daneben würden auch andere Massnahmen zur Kostensenkung ergriffen. So vereinfache die Schlatter Industries AG etwa ihre Organisation und optimiere den Einkauf, indem sie vermehrt den Währungsvorteil bei ausländischen Zulieferfirmen nutzt.

«Wichtiger als der derzeitige Kostenabbau ist unsere zukünftige Ausrichtung», sagt Schmidli. Man wolle mit gleichbleibendem Umsatz den Break-even schaffen und wieder schwarze Zahlen schreiben. «Wir gehen davon aus, dass die Märkte nicht noch weiter einbrechen. Zudem gibt uns die Währungslimite der Nationalbank bei einem Franken 20 gegenüber dem Euro Planungssicherheit.»

Kurzfristig senke man die Kapazität und erhöhe das Risikomanagement auf den Kundenprojekten. Erst wenn die Profitabilität wieder erreicht ist, versuche man die Aktivität in neuen Märkten verstärkt zu fördern, das Produktportfolio weiterzuentwickeln und vermehrt mit anderen Firmen aus der gleichen Wertschöpfungskette zusammenzuarbeiten, sagt Schmidli. Dies ist für den CEO aber noch Zukunftsmusik: Es gehe jetzt erst darum, das Unternehmen neu zu positionieren und die Nachhaltigkeit zu garantieren.

Schlatter hält an Standort fest

Wäre es angesichts des starken Frankens nicht einfacher, den Sitz von Schlieren ins Ausland zu verlagern? «Nein», sagt Schmidli, «Hier ist viel Know-how vorhanden, das nicht ersetzbar ist.» Unumgänglich sei allerdings, dass einzelne Arbeitsschritte verlagert würden, sagt Schmidli: «Wir wollen einen gesunden Mix zwischen Auslagerung und Eigenproduktion.»