«Mutig, Mutig!» lautete das Motto der diesjährigen Schweizer Erzählnacht, die am Freitag stattfand. 20 Kinder zwischen sechs und elf Jahren kamen an diesem Abend in die Urdorfer Gemeindebibliothek, um ihren Mut unter Beweis zu stellen. Begrüsst wurden sie von den vier Bibliothekarinnen Karin Korn, Bettina Berger, Rita Gruber und Kathrin Morgenthaler.

Ein gutes Programm für die Erzählnacht zusammenzustellen, sei jedes Jahr eine kleine Herausforderung, erzählten die Bibliothekarinnen. Es brauche jeweils eine passende Geschichte, die nicht zu lang sein dürfe, und es müssten zum Thema passende Aktivitäten gefunden werden, welche den Kindern Spass machen. Die Aktivitäten bestanden an diesem Abend aus vier verschiedenen Mutproben. Als Geschichte hatten die Bibliothekarinnen das Kinderbuch «Nur Mut, Anton! Alles halb so schlimm» von Meike Haberstock ausgewählt. Die Geschichte handelt von einem siebenjährigen Jungen, der gerne mutiger wäre, etwa wenn er in den dunklen Keller gehen muss oder im Hallenbad auf dem Sprungbrett steht. Die Kinder lauschten der Geschichte gespannt, lachten oder schüttelten den Kopf, wenn ihnen Antons Angst übertrieben vorkam.

Eine besonders grosse Mutprobe, der sich die Kinder an diesem Abend stellten, wartete draussen vor der Bibliothek. Die Kinder mussten dafür Schuhe und Socken ausziehen und sich die Augen verbinden lassen. «Aber dann sehe ich ja nichts», sagte ein Junge. «Das ist ja der Sinn der Sache», antwortete Karin Korn und führte die nervösen Kinder nach draussen. Der nass-kalte Boden war bereits die erste grosse Herausforderung. «Oh, das ist so kalt!», riefen einige. Vor ihnen befand sich ein kleiner Parcours, den sie überqueren sollten: Fünf grosse Schalen mit unterschiedlichen Materialien standen darauf wie Felle, Blätter oder Kügelchen. Es zeigte sich, dass es doch Einiges an Überwindung brauchte. Am Ende hatte sie alle bestanden. In der Pause, in der es Gummiwürmer und Wurstfinger zu naschen gab, erzählten die Kinder, was ihnen Angst macht. Spinnen wurden mehrfach genannt, vor allem, wenn sie gross und dick seien. Ein Mädchen meinte: «Ich habe Angst vor Apfelkernen, weil sie einem manchmal im Hals stecken bleiben können.»

Später am Abend sassen die Kinder ahnungslos in der Leseecke, als plötzlich eine Frau die Treppe herunterkam: mit zwei lebendige Schlangen auf dem Arm. Da war das Staunen gross. Die einen Kinder erschraken, den anderen zeigten sich begeistert. Sie scharten sich um die beiden Tiere, streichelten sie und nahmen sie auf den Arm. Nur einem Jungen war das alles suspekt. «Die können beissen», erklärte er in nüchternem Ton und fasste sie lieber nicht an.