Schlieren

Schlaflose Nächte für Anwohner wegen krähendem Hahn: Quartier in Aufruhr

Erwin Holzer wohnt gleich neben dem Tierpark und kann sich nicht vorstellen, dass der Hahn eine wirkliche Lärmbelästigung war.

Erwin Holzer wohnt gleich neben dem Tierpark und kann sich nicht vorstellen, dass der Hahn eine wirkliche Lärmbelästigung war.

Im Tierpark Winkelwiese in Schlieren zog vor 4 Monaten ein Hahn ein. Anwohner fühlten sich ob des Lärms belästigt. Er störte die Nachtruhe. Nun musste der Hahn gehen. Die Stadtverwaltung hat ihn entfernen lassen.

«Jetzt ist er weg. Und zurück kommt er bestimmt nicht mehr», sagt Irmgard Kreis. Seit 27 Jahren kümmert sie sich um das Tierpärklein auf der Winkelwiese in Schlieren. Dort stehen auf einer grosszügigen Fläche ein Gehege und ein Stall für fünf Geissen sowie mehrere Hasen und Hühner.

Vor vier Monaten kam ein Hahn dazu. «Er war ein Prachtexemplar», sagt Kreis. Er habe sich gleich wohlgefühlt unter den Hühnern und froh vor sich hin gekräht. Das wurde dem Güggel nun zum Verhängnis. Weil er Bewohner in der Nachbarschaft mit seinem Gekrähe um den Schlaf brachte, entfernte ihn die Stadtverwaltung wieder. Seit letzter Woche gackern die Hennen wieder ohne männlichen Anführer auf der Winkelwiese herum.

Fenster des Stalls war offen

Kreis findet das schade. Vor allem vorbeispazierende Eltern mit Kindern hätten sich über das bunte Gefieder des Hahns gefreut. Früher habe es auf der Wiese schon einmal einen Hahn gegeben. Damals habe das morgendliche Gekrähe niemanden gestört, so Kreis.

Jeden Abend bringt sie die Tiere in den Stall. Bei heissem Wetter muss sie die Fenster offen lassen. Trotzdem ist Kreis der Meinung, dass das Krähen des Hahns durch die Wände des Stalles gedämpft wurde und die Nachbarn eigentlich nicht stören sollte. Wer bei der Gemeinde reklamiert habe, wisse sie nicht. Von anderen Bewohnern habe sie bisher nur positive Reaktionen auf den Güggel bekommen. «Viele sind entsetzt, dass er gehen musste», sagt sie.

Den Entscheid gefällt hat die Stadt Schlieren - die Besitzerin der Winkelwiese. Nachdem die Gemeinde den Hahn von einem Bauern geschenkt bekam, gab sie ihn in die Obhut von Irmgard Kreis. Seit der Hahn aber auf der Winkelwiese wohnt, sind laut Sicherheitsvorstand Markus Bärtschiger (SP) mehrere Lärmreklamationen bei der Gemeinde eingegangen.

Darüber, ob die Meldungen von einer oder mehreren Personen stammen, möchte die Gemeinde keine Auskunft geben. Bärtschiger sagt: «Aufgrund der Reklamationen haben wir eine Lösung gesucht, die für alle Beteiligten gut ist - auch für den Güggel.» Für diesen konnte ein neues Heim gefunden werden.

Kirchengeläut stört Anwohner mehr

Über den Entscheid der Gemeinde nervt sich Erwin Holzer. Er wohnt gleich neben der Winkelwiese und störte sich überhaupt nicht ob des Güggels: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand vom Krähen erwacht.» Er habe das Tier in der Nacht auch schon gehört, aber zu dem Zeitpunkt habe er schon wach gelegen und sei vom Kirchengeläut aus den Träumen gerissen worden.

Sowieso findet Holzer, dass es eine grosse Zahl an anderen Lärmbelästigungen gäbe, gegen die nichts unternommen werde. Er fände es zum Beispiel viel sinnvoller, wenn es die reformierte Kirche in Schlieren der katholischen gleich täte und ihr Geläut von 22 bis 7 Uhr einstellen würde. Dass stattdessen gegen einen Hahn vorgegangen wird, versteht Holzer nicht.

Lärm sei immer subjektiv, sagt Stadtrat Bärtschiger. Das Tierpärklein befinde sich mitten in einem Schlieremer Wohnquartier. Und dass ein Hahn sehr laut krähen kann, weiss Bärtschiger aus eigener Erfahrung. Ihm sei wichtig gewesen, dass der Güggel nicht geschlachtet wird, sondern ein gutes neues Heim bekommt.

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