Geroldswil

Schimmelpilz gibt Juristen viel zu tun

Im Hotel Geroldswil findet die Schimmelpilztagung statt

Im Hotel Geroldswil findet die Schimmelpilztagung statt

Heute findet die Schimmelpilztagung statt – der passende Zeitpunkt für ein paar Schimmelpilz-Fakten.

Nein, es ist kein Witz: Im Hotel Geroldswil treffen sich heute Mediziner, Bauspezialisten, Juristen und die Immobilienbranche zur zweiten nationalen Schimmelpilztagung. Eingeladen haben der Schweizerische Verband für Schimmelpilz- und Raumgiftsanierung sowie der Schweizerische Maler- und Gipserverband.

Das Ziel der Tagung: nicht nur vom Schreckgespenst Schimmelpilz, sondern über die fachgerechte Sanierung und konstruktive Lösungswege reden. Über 200 Personen haben sich angemeldet. Das Thema ist auch für Mieter spannend: Oft kommt es zu Mietstreitigkeiten, in denen die Frage geklärt werden muss, ob der Mieter selbst für den Pilzbefall verantwortlich ist oder nicht. Wir haben uns bei Experten umgehört und beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

1 Wie oft haben die Behörden mit Schimmelpilz-Fällen zu tun?

Häufig: Laut einer Schätzung aus dem Jahr 2014 befasst sich die Stadtzürcher Schlichtungsbehörde jährlich mit 3000 Mietstreitigkeiten, die sich auf Schimmelpilz beziehen; Tendenz steigend. Weitere 200 Schimmelpilzfälle landen vor dem Stadtzürcher Mietgericht.

2 Gab es auch schon Schimmelpilzfälle vor dem Bundesgericht?

Am 23. Februar 2015 hat das Bundesgericht die Beschwerde eines Schwyzers abgelehnt, der von seinem Vermieter eine Mietzinsreduktion verlangte. Zuvor hatte das Schwyzer Kantonsgericht entschieden, dass das mangelhafte Lüftungsverhalten des Mieters und das Trocknen der Wäsche im Mietobjekt zum Befall geführt hatten. Der Verband für Schimmelpilz- und Raumgiftsanierung hofft auf mehr Bundesgerichtsurteile, damit die Rechtsprechung in solchen Fällen einheitlicher wird. Heute wird von Fall zu Fall entschieden.

3 Was kann der Mieter tun, um Schimmelpilz zu vermeiden?
Experten empfehlen, mindestens dreimal täglich für zehn Minuten zu lüften. Aber Achtung: Ständig gekippte Fenster begünstigen Schimmel. Zudem sollte man die Wäsche draussen, im Waschraum oder im Tumbler trocknen lassen. Die Wohnraumtemperatur sollte nicht unter 19 Grad und die Luftfeuchtigkeit nicht unter 40 oder über 60 Prozent betragen. Möbel sollten mindestens fünf Zentimeter Abstand von der Wand haben. Wer kein Badezimmerfenster hat, sollte die Lüftungsanlage nutzen.

4 Gibt es auch Fälle, in denen nicht der Mieter verantwortlich ist?
Um herauszufinden, wer verantwortlich ist, wird ein Gutachten angefertigt. Dafür werden Messgeräte installiert, die die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur messen. Manchmal kommt heraus, dass der Bauherr schlampig gearbeitet und zum Beispiel die Wohnung ungenügend abgedämmt hat. Der Mieter kann dann eine Mietzinsherabsenkung verlangen, bis der Verantwortliche die Wohnung richtig saniert hat.

5 Schimmelpilz ist hässlich und stinkt. Aber ist er auch gefährlich?
Bronchitis, Schnupfen, Asthma, Allergien, Schlafstörungen: Das ist nur ein Teil der Krankheiten, die von Schimmelpilz verursacht werden können. Wie die Rechtsprechung ist aber auch die medizinische Forschung noch nicht komplett. 2009 hielt die Weltgesundheitsorganisation fest, dass beispielsweise der Zusammenhang zwischen Schimmelpilz und Kopfschmerzen, Übelkeit sowie Haut- und Augenkrankheiten nicht genügend erforscht ist.

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