Birmensdorf
Schauspielerin ist ein Beruf wie jeder andere auch

Die Schauspielerin und Kabarettistin Anna-Katharina Rickert spielt, was das Leben hergibt. Birmensdorf war aber nicht immer ihre Welt. Und doch zog es Rickert irgendwann wieder zurück dorthin.

Aleksandra Hiltmann
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Duo «schön & gut»: Rickert und ihr Bühnenpartner Ralf Schlatter.mu

Duo «schön & gut»: Rickert und ihr Bühnenpartner Ralf Schlatter.mu

«Es war wichtig, aus dem Dorf wegzugehen, um seinen Wert schätzen zu lernen», meint die Schauspielerin und Kabarettistin, die den persönlichen Kontakt mag, der sich im Dorf beim Einkaufen oder auf der Strasse ergebe.

Rebellische Jugend

«Ich habe nicht richtig zum Dorf gehört», sagt sie über ihre rebellische Jugendzeit mit Lederjacke und Nasenring. Nach der Matur zog es sie nach Zürich, wo sie an der «comart» Theaterschule für Bewegungsschauspiel ihre Ausbildung aufnahm.

Das Theaterspiel prägt Rickerts Leben seit sie drei Jahre alt war. Den Anfängen im Kindertheater Metzenthin folgte das Engagement in der Jugendtheatergruppe. Mit ihren ehemaligen Kollegen habe sie heute noch Kontakt. «Die Zeit damals war für alle sehr prägend.»

Obwohl viele ihre Arbeit als exotisch sehen würden, ist Rickert der Meinung, dass es in ihrem Falle klar ein Beruf wie jeder andere ist. «Aber ich bin sehr privilegiert, dass ich diesen Job mache, den ich will, und dies auch mit viel Leidenschaft.» Lediglich die Arbeitszeiten seien etwas verschoben. «Oft kommen wir auf der Hinfahrt zu einem Auftritt in den feierabendlichen Pendlerverkehr. Da gibt es immer wieder lustige Szenen, wenn wir samt unseren riesigen Koffern und Instrumenten in den Zug steigen», lacht Rickert.

Konstanz und Unsicherheit

Mit «wir» meint Rickert das Duo «schön & gut» in welchem sie mit ihrem Bühnenpartner Ralf Schlatter poetisches und politisches Kabarett spielt. Ihre Stücke würden stets eine politische Botschaft enthalten. «Doch diese ist immer in eine Geschichte verpackt. Es ist wichtig, Geschichten zu erzählen, denn dies bewegt die Menschen», findet sie.

Die Arbeit von «schön & gut» sei durch Austausch über Ideen und aktuelle Ereignisse geprägt. «So arbeiten wie jetzt, das kann ich mir nur mit ihm vorstellen», erzählt Rickert über die bereits zwölf Jahre dauernde Zusammenarbeit mit Schlatter – «Dies gibt mir die nötige Konstanz.»

«Das Spannende an der Theaterarbeit ist, dass es keine Sicherheit auf Jahre hinaus gibt», meint sie aber positiv über die zeitenweise unsteten Seiten ihres Berufes. Muss man erfinderisch sein, öffne einem das neue Welten, findet Rickert, die früher zwischendurch auch als Tellerwäscherin, Kioskverkäuferin oder Zeichenmodell gearbeitet hat. «Unsichere Existenz war bis jetzt nie ein Thema. Doch das wird jetzt anders, da ich ein Kind habe», sagt sie.

«Bisher bin ich immer voll in die Arbeit eingetaucht. Bei mir braucht Kreativität viel Zeit und Raum.» So ist sie denn auch gespannt, wie es weitergehen wird. Aber ihr Mann sei ja schliesslich auch massgeblich an der Erziehung und Betreuung des gemeinsamen Sohns beteiligt.

Ganz «normal»: Auch kochen für die Familie gehört dazu. AHI

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Von Ideen und Allüren

Auf die Frage, woher sie die Ideen für neue Stücke nehme, antwortet Rickert wie selbstverständlich: «Aus dem Leben! Das Leben ist immer noch das beste Theater.» Gerade wenn sie von Liebesgeschichten anderer Leute hört, so finde sie das Leben sehr film- und theaterreif.

Allüren hätte sie trotz des Erfolges keine grossen entwickelt, lacht Rickert. «Aber nach all diesen Jahren hätte ich gerne, dass die Garderobe auch als solche bezeichnet werden kann», findet sie dann doch. «Jeder Abend, jede Bühne und jedes Publikum ist anders. Die Garderobe ist angesichts dessen ein wichtiger Rückzugsort.» Ebenfalls keine Freude seien eiskalte Fertigsandwiches. Doch es gebe auch immer wieder unglaublich schöne Begegnungen mit Kleinkunstveranstaltern, auf die sie sich sehr freue.

Kritik ist kein Problem

Mit respektvoller und fairer Kritik habe Rickert absolut kein Problem: «Wenn es jemandem nicht gefällt, dann ist das o. k. Jeder darf seine eigene Meinung haben.» Definitiv überzeugt hat «schön & gut» im Jahre 2004 die Juroren des renommierten Kabarettpreises «Salzburger Stier». «Für uns war es ein idealer Zeitpunkt, diesen Preis zu erhalten, obwohl wir noch ganz am Anfang standen», so Rickert.

Im Januar steht «schön & gut» nun eine intensive Zeit im Casinotheater Winterthur bevor, wo Rickert und Schlatter im satirischen Jahresrückblick «Bundesordner ’11» mitwirken. Ausserdem wird das aktuelle Duo-Stück «Der Fisch, die Kuh und das Meer» auf verschiedenen Schweizer Bühnen zu sehen sein.