Die Theateria in Dietikon, etwas versteckt an der Holzmattstrasse, platzte am Samstag aus allen Nähten. Stefan Baier, der die «Schaufenstergeschichten» bestritt, und mit Heidi Christen die Theateria leitet, kam mächtig ins Schwitzen. Zusammen mit Thomas Lutz lud er zu einem Liederprogramm ein, das er nur zweimal im Jahr zum Besten gibt.

«Diese Vorstellung ist ein Geschenk an alle, die uns und die Theateria unterstützen», erklärte Stefan Baier. Also war der Eintritt umsonst und der Besucheransturm enorm. An die 50 Personen drängten sich in den kleinen Raum; Sitzgelegenheiten wurden zur Mangelware. Sie alle wollten den «Geschichten, die das Leben schrieb» lauschen. «Fast ein bisschen wie ein Ausverkauf», murmelte einer der Gäste amüsiert. Eine Zuschauerin hatte in weiser Vorahnung sogar gleich ihren eigenen Stuhl mitgenommen.

Alphorn und Berner Dialekt

Doch Stefan Baier und Heidi Christen sind Profis, als Künstler wie auch als Gastgeber. Zu Beginn der Vorstellung hatte jeder sein Plätzchen gefunden. Mit einem Büchel, einem mit dem Alphorn verwandten Musikinstrument, eröffnete Stefan Baier das Programm, um danach zusammen mit Thomas Lutz und zwei Gitarren das erste Lied anzustimmen. Der Berner Dialekt war dabei Trumpf. Im Lied, das mit so typischen Berner Worten wie «Chrampfe» oder «Chrüple» aufwartete, ging es praktisch nur ums Saufen.

Doch nicht nur Trivialitäten wurden besungen. Die Kunst von Stefan Baier und Thomas Lutz war es, zwischen den Zeilen tief blicken zu lassen. So war das Publikum schon vom ersten Takt an hingerissen. Auf eine Episode von Baron Münchhausen folgte eine Art «Ode an das Aufstehen». Unschwer zu erkennen, dass es dabei um Depressionen ging.

«Wir haben etwa zwei Drittel der Songs selbst geschrieben», sagte Stefan Baier. Und zwischen diesem Liedgut gab es immer mal wieder einen Sketch oder einen Klassiker von Mani Matter. Nicht immer zündend, aber doch mit viel Charme. Im Publikum befanden sich zudem viele Kinder, die sich geradezu göttlich ob den theatralischen Einlagen freuten. An diesen Stellen wurde die pädagogische Erfahrung der Gastgeber erkennbar.

Beschwingte Sommermelodie

Originell dann der Schluss des Programms, das nur eine kurzweilige Stunde dauerte. Statt zur Jahreszeit passend dem Winter zu huldigen, setzten Stefan Bauer und Thomas Lutz auf eine beschwingte Sommermelodie. Heidi Christen gesellte sich mit ihrem Akkordeon dazu und für einen Moment wähnte man sich in einer Hacienda am Strand.
Überaus mutig dann die Zugabe, eine traurige Ballade, die mitten ins Herz zielte. «Theater ist ein Wagnis», erklärte Baier später. Er muss es wissen, hat er sein Leben doch mit Leib und Seele dem Theater verschrieben.