Fluglärm
Scharfer Aargauer Protest nach Bern wegen Flughafen Dübendorf

Entgegen den Plänen wird der Militärflughafen in Dübendorf weiter betrieben. Damit macht die Luftwaffe das Aargauer Limmattal zum grossen Lärmopfer. Entsprechend fallen auch die Reaktionen aus dem Aargau aus.

Hans Lüthi
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Die eigenen Abgase durch Projekte in Entwicklungsländern aufzuwiegen, dies ist der Ansatzpunkt von Myclimate.

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Keystone

Nein, die Luftwaffe will keine Angriffe auf den Aargau fliegen. Aber das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) von Bundesrat Ueli Maurer sorgt für rote Köpfe in den Regierungen der Kantone Aargau und Zürich. Entsprechend geharnischt und undiplomatisch deutlich fallen ihre Protestschreiben an das für den Flugverkehr zuständige Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) aus. Der Brief der Aargauer Regierung an Bazl-Direktor Peter Müller liegt der az Aargauer Zeitung im Wortlaut vor.

Flug-Umwege über den Aargau

Hintergrund der Affäre: Zehn Jahre lang betonte das VBS, es brauche den Flughafen Dübendorf spätestens ab 2014 nicht mehr für militärische Zwecke. Mitte November 2011 wurde die darob erstaunte Aargauer Regierung erstmals darüber informiert, das Militär wolle Dübendorf weiter betreiben, damit die Luftwaffe hier nach Bedarf starten und landen könne. Davon betroffen ist der Aargau wie kein anderer Kanton.

Abflüge pro Jahr verdoppelt

Der Zusammenhang ergibt sich aus der Nähe des Militärstützpunktes zum Flughafen Kloten: Bleibt die Kontrollzone Dübendorf gesperrt, trifft der ab Piste 28 in Kloten startende Flugverkehr den Aargau besonders stark. Denn im dicht besiedelten Aargauer Limmattal – also im Raum Würenlos-Spreitenbach – würde die Anzahl der Abflüge pro Jahr auf rund 100000 verdoppelt.

«Die Lärmbelastung steigt um drei Dezibel und erreicht fast die Grenzwerte gemäss der Lärmschutzverordnung. Weitere Folge: Umwegflüge von mehreren hunderttausend Kilometern pro Jahr, Tausende von Tonnen mehr Treibstoff und Zigtausende von Tonnen zusätzlichem CO2-Ausstoss.

Sieben Jahre Planung für die Katze

Was die Aargauer Regierung besonders ärgert, ist die Tatsache, «dass die Bundesstellen solche massiven Änderungen am Flugbetrieb erst ganz am Schluss des sieben Jahres dauernden SIL-Prozesses vorlegen». Der Sachplan Infrastruktur Luftfahrt ist die planerische Grundlage für den künftigen Betrieb des Zürcher Flughafens, der entscheidende Koordinationsprozess ist längst abgeschlossen. «Das ist nicht akzeptabel», heisst es zu diesen Punkten: «Der am stärksten betroffene Kanton wurde vorgängig nicht einbezogen, die Unterlagen sind viel zu dürftig, die Frist für die Stellungnahme ist viel zu kurz.»

Zur Klärung der technischen Aspekte fand zwar Anfang Dezember – ausgerechnet am Samichlaustag! – ein Gespräch mit Fachleuten des Flughafens statt. Aber wegen der mangelhaften Unterlagen seien die Folgen kaum nachvollziehbar.

Völliger oder teilweiser Verzicht

Parallel zum Kanton Zürich fordert auch die Aargauer Regierung «das VBS auf, auf die aviatische Nutzung des Flughafens Dübendorf zu verzichten». Bei einem weiteren Betrieb sei dem zivilen Flugbetrieb Priorität einzuräumen. Im Richtplan sind die alten Werte der Anzahl Überflüge, zur Verdoppelung konnten sich Gemeinden und Bevölkerung nie äussern. «Auch dieser Verfahrensschritt ist nachzuholen und der SIL-Schlussbericht anzupassen», heisst es dazu.

«Bleiben die Differenzen bestehen, wird ein Bereinigungsverfahren zwischen Bund und Kanton notwendig», sagt Hans-Martin Plüss, Fürsprecher und Fluglärm-Projektleiter im Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Zu den weiteren Anträgen gehört der Einbezug der Aargauer Fachstellen, auch für die Planung neuer Flugrouten, und ein öffentliches Mitwirkungsverfahren. Eine gleichzeitige Nutzung des Luftraums über Dübendorf mache die zivile Verkehrsführung sehr komplex und sei punkto Sicherheit problematisch.

«Wir hoffen immer noch»

Beim öffentlichen Interesse am Flughafen Zürich seien die indirekten Belastungen durch die Luftwaffe unverhältnismässig. «Wir hoffen noch immer, das Militär werde auf die weitere Nutzung verzichten, aber das ist derzeit offen», betont Plüss. Falls es sich nur um einen Trainingsbetrieb für Flächenflugzeuge und Helikopter handle, sei dieser nicht an den Standort gebunden. Eine bessere Nutzung des Geländes fordert die Zürcher Regierung, ein Werkflugplatz bringe höchstens 300 Arbeitsplätze, eine besser Nutzung könnte bis 5000 Arbeitsplätze schaffen.