Dietikon
Schadenmeldungen sind willkommen, am besten geordnet und elektronisch

Der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller (FDP) nimmt Hinweise der Bevölkerung auf Mängel auch schon mal persönlich entgegen: Dabei kann es um Tierkadaver oder illegal entsorgten Abfall gehen, wie auch um defekte Beleuchtungen.

Jürg Krebs
Merken
Drucken
Teilen
Sprayereien und andere Schäden können ab sofort online gemeldet werden.

Sprayereien und andere Schäden können ab sofort online gemeldet werden.

Kantonspolizei Aargau

Manchmal werden Hinweise auch bei der Stadtkanzlei vorgebracht. Andere Dietikerinnen oder Dietiker senden ein E-Mail, schreiben Briefe oder greifen zum Telefon, wenn ihnen ein kaputtes Signal oder eine löchrige Strasse aufgefallen ist. Drei- bis sechsmal gehen solche Hinweise pro Monat auf der Stadtverwaltung ein. Dies alles dient nur einem Zweck: Die Stadt Dietikon soll sich anständig und schadlos präsentieren.

Müller nimmt Zürich als Vorbild

Das ist ganz im Sinne von FDP-Gemeinderat Philipp Müller. Doch regt er an, Dietikon solle sich doch eine Scheibe bei der Stadt Zürich abschneiden und einen sogenannten «Mangelmelder» einführen. Müller denkt da an ein Meldeformular auf der städtischen Internetseite www.dietikon.ch. Neben dem Fundort könnten auch Fotos platziert werden. Unbürokratisch und schnell ist diese Variante gemäss Müller. Und auch die Kosten seien überschaubar – zumindest wenn man sich an Zürich orientiere. Dort habe man jedenfalls kein zusätzliches Personal anstellen müssen. Die Zürcher Melde-Variante sei so beliebt, dass sogar andere Gemeinden über ihre Einführung nachdenken.

Gemeinderat Philipp Müller – Sohn von Stadtpräsident Otto Müller – will auch Dietikon zum Nachdenken bewegen und vorwärtsmachen, und reichte deshalb ein Postulat an die Stadtregierung ein.

Für positive und negative Kritik

Mit Erfolg: Stadtpräsident Otto Müller meldet in der Antwort auf das Postulat, Dietikon plane die «Einrichtung eines Online-Formulars» auf seiner Internetseite. Gut sichtbar soll das Formular platziert werden und auch «für positive und negative Kritik an den Dienstleistungen der Verwaltung» eingesetzt werden können.

Es sei aber nicht so, dass die Bevölkerung fortan nur noch elektronisch mit der Verwaltung kommunizieren dürfe. Mängel könnten weiterhin auch mal telefonisch durchgegeben werden. Die Mitarbeitenden der Verwaltung würden dann die Angaben selber via Online-Formular dem Prozess zuführen.

Klar wird somit, dass sich Stadtpräsident Otto Müller keine Scheibe bei der Stadt Zürich abgeschnitten hat, sondern eine eigene Lösung wählt. Denn Zürichs Mangelmelder mit Namen «Züri wie neu» basiert auf der Software eines englischen Unternehmens. Sie kostet also. Für das Einrichten der Software verlangt die Firma rund 16 000 Franken, monatlich kommen 800 Franken an Unterhaltskosten hinzu. Würde Dietikon eine App für das Smartphone wollen, kämen nochmals 7700 Franken obendrauf. Nicht zuletzt müssten Lizenzkosten für georeferenziertes Kartenmaterial und die dazugehörigen Adressdaten berappt werden.

Zu teuer für den Stadtpräsidenten

Otto Müller geht dies alles zu weit. Bei rund fünf Meldungen pro Monat seien solche Kosten nicht zu rechtfertigen, selbst wenn der Mangelmelder wohl einen Anstieg der monatlichen Hinweise auf zehn bis zwanzig zur Folge hätte oder sich mehrere Gemeinden zusammenschliessen würden. Dietikon hilft sich selbst und so bleibt es bei der städtischen Lösung. Wann der «Mangelmelder» bereitstehen wird, lässt Otto Müller in seiner Antwort offen.