Park+Ride

SBB streichen 52 Parkplätze beim Schlieremer Bahnhof

Das Baugespann steht mitten im P+R-Parkplatz beim Bahnhof. Bereits jetzt sind 12 Parkfelder dadurch gesperrt.

Das Baugespann steht mitten im P+R-Parkplatz beim Bahnhof. Bereits jetzt sind 12 Parkfelder dadurch gesperrt.

Als Alternative schlagen die Bundesbahnen die Parkgarage im Parkside vor. Exponenten der bürgerlichen Parteien reagieren befremdet.

Die SBB streichen ihre 52 «Park and Ride»-Parkplätze beim Bahnhof Schlieren. Sie müssen einer neuen Überbauung mit zwei Wohngebäuden und Gewerbenutzung weichen, welche die Bundesbahnen westlich des Bahnhofgebäudes bis 2017 realisieren wollen. «Mit der Neugestaltung des Bahnhofplatzes und der geplanten Überbauung wird die P+R-Anlage zurückgebaut und nicht ersetzt», teilt die Medienstelle der SBB auf Anfrage mit. Schon seit dem 16. Dezember stehen auf dem Parkplatz beim Bahnhof Bauvisiere, zwölf Langzeitparkfelder sind daher bereits jetzt nicht mehr benutzbar.

«Park and Ride»-Anlagen sollen Autofahrern den Umstieg auf den Zug erleichtern. Wie der Antwort der Medienstelle zu entnehmen ist, haben die SBB dennoch nicht vor, die gestrichenen Parkplätze zu ersetze. Auch in der geplanten Überbauung bieten sie keine öffentlichen Parkiermöglichkeiten an: «Die neue Tiefgarage unter dem Neubau ist nach aktueller Planung für die Mieter der Überbauung angedacht», teilen die Bundesbahnen mit. Ihren Kunden schlagen sie stattdessen vor, das Parkside-Parking auf der gegenüberliegenden Strassenseite zu nutzen.

«Frauen nutzen Garagen ungern»

Die Aufhebung der 52 Parkplätze stösst vor allem bei Exponenten bürgerlicher Ortsparteien auf wenig Verständnis. Mit der Nachricht konfrontiert erklärt etwa FDP-Präsidentin Barbara Angelsberger, dass sie persönlich die Parkgarage nicht als alternativen Parkplatz verwenden würde. «Viele Frauen werden ihr Auto nur ungern im Untergeschoss abstellen, um danach mit der S-Bahn weiter nach Zürich zu fahren.» Besonders nach Einbruch der Dunkelheit sei das Sicherheitsgefühl in einer Parkgarage schlecht. Dass die «Park and Ride»-Felder nicht ersetzt würden, könnte sich in einer Pendlerstadt wie Schlieren ihrer Ansicht nach als «Schuss in den Ofen» erweisen: «Es war praktisch, so leicht auf den öffentlichen Verkehr umsteigen zu können. Fällt diese Möglichkeit weg, werden sich einige Schlieremer sicher überlegen, ob sie nicht doch mit dem Auto zur Arbeit fahren sollen», so Angelsberger.

SVP-Parteipräsident Beat Kilchenmann pflichtet ihr bei. Auch er hat bislang von den Auswirkungen der geplanten Überbauung auf die Parkplätze beim Bahnhof noch nichts gewusst. In einer ersten Reaktion bezeichnet er den Entscheid der SBB als «schräg». «Meiner Meinung nach sollen diese Langzeitparkplätze die Bevölkerung dazu motivieren, mit dem Zug weiterzufahren. Sie aufzuheben ist daher nicht sinnvoll», so Kilchenmann.

Der Argumentation der beiden Bürgerlichen folgend, wäre zu erwarten, dass auch die Grünen sich gegen die geplante Streichung der «Park and Ride»-Anlage stellen. Doch weit gefehlt: Der Präsident der Ortspartei, Beat Rüst, erklärt auf Anfrage, dass er generell der Meinung sei, dass man mit dem Bus zum Bahnhof fahren sollte, um auf den Zug umzusteigen. «Ich erachte es als falsch, wenn Pendler mit dem Auto quer durch die Stadt fahren, um die S-Bahn zu nehmen», sagt er.

Und selbst Detaillistenpräsident Philipp Locher, der sich derzeit vehement gegen eine autofreie Bahnhofstrasse wehrt, und auf die Erreichbarkeit der Läden für die autofahrende Kundschaft pocht, hat gegen die Streichung der 52 Langzeitparkplätze nichts einzuwenden, wie er sagt: «Das ‹Park and Ride› richtet sich an Pendler, die etwa nach Zürich fahren. Für uns Detaillisten sind vor allem kurzzeitige Parkangebote für unsere Kunden wichtig.»

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