Ganze 44 Jahre hat das Lehrschwimmbecken des Schulhauses Luberzen in Dietikon auf dem Buckel. Nun erwägt die Schulpflege, es abzubrechen und allenfalls als zusätzliche Turnhalle zu nutzen. Dies geht aus einer Antwort auf eine Interpellation von FDP-Gemeinderat Werner Hogg und 12 Mitunterzeichnenden hervor, die der Stadtrat an die Schule weitergeleitet hatte.

Die Überlegungen der Schulpflege gründen auf ihrer Einschätzung, dass die Stadt mit dem Lehrschwimmbecken in der Schuleinheit Luberzen sowie dem Hallen- und Freibad Fondli «im Vergleich mit vielen anderen Gemeinden über eine gut ausgebaute Infrastruktur» verfüge. «Angesichts der heutigen Finanzlage ist es jedoch eine grundsätzliche Frage, ob sich Dietikon zwei Hallenbäder und ein Freibad leisten kann», schreibt die Schulpflege.

Hogg hatte in seinem Vorstoss Informationen zum Finanzplan 2014-2018 verlangt. Dort sind 2 Millionen Franken für die Teilsanierung des Lehrschwimmbeckens und des Sporttrakts ab 2015 «mit Schwerpunkt 2017» aufgeführt. Hogg gab zu bedenken, dass vor der Planung dieser Arbeiten Klarheit über den Zustand der Anlage sowie deren Nutzen für die Schule und die Bevölkerung herrschen sollte.

Er wollte daher unter anderem wissen, ob bereits ein Gutachten von Fachleuten darüber vorliege, wie intensiv die Nutzung des Lehrschwimmbeckens durch Schule, Vereine und andere Personen überhaupt sei, in welchem Verhältnis die Unterhaltskosten zu den Erträgen stünden und ob die Stadt oder die Schule auch eine Schliessung des Schwimmbades in Betracht gezogen habe.

Verrohrung ist «problematisch»

Die Schulpflege verweist in ihrer Antwort auf ein Gutachten eines Ingenieurbüros und den Bericht eines Architekturbüros aus dem Jahr 2005. Zwar wurden der Sportrakt und das Lehrschwimmbecken zuletzt Mitte der Neunzigerjahre teilweise saniert, die Massnahmen in den zwei Gutachten seien «hingegen nicht oder nur ansatzweise» umgesetzt worden, schreibt die Schule. In den letzten zehn Jahren seien lediglich defekte Teile der technischen Anlagen ersetzt worden.

Die Verrohrung um das Schwimmbecken sind jedoch zum Beispiel noch immer im Originalzustand, was laut Schulpflege «nach mehr als 40 Jahren als höchst problematisch einzustufen ist». Die Kostenschätzung aus dem Jahr 2005 sei heute infrage zu stellen, weil sich der bauliche Zustand der Anlagen in der Zwischenzeit verschlechtert habe, schreibt sie weiter: «Die im Finanzplan budgetierten 2 Millionen Franken sind daher lediglich als eine ungefähre Hochrechnung zu verstehen», so die Schulpflege. Eine aktuelle Zustandsbeurteilung der Anlagen sei für eine seriöse Projektierung unerlässlich.

Trotz seines bedenklichen Zustandes wird das Schwimmbecken des Schulhauses Luberzen noch immer rege genutzt, wie aus der Antwort auf die Interpellation hervorgeht: Im vergangenen Schuljahr war es pro Woche während 25 Stunden für das Schulschwimmen belegt, dazu kamen 22 Stunden für externe Angebote wie den Kanu Club oder das Seniorenschwimmen. Den Aufwand für das Schwimmbad während der letzten drei Jahre beziffert die Schulpflege auf jährlich zwischen 99 000 und 121 000 Franken. Dem standen Erträge von zwischen 15 400 und 15 800 Franken gegenüber.

Angesichts der dringend notwendigen Gesamtrevision und den damit verbundenen Kosten stelle sich die Frage nach der Schliessung des Schwimmbades, schreibt die Schulpflege. Nach einem allfälligen Abbruch des Beckens liesse die Schwimmhalle etwa auch eine Umnutzung als Turnhalle zu.

Lehrplan würde eingehalten

Die Schule schreibt, dass, auch wenn dem Schulsport nur noch das Hallen- und Freibad Fondli zur Verfügung stehen würde, die im Lehrplan vorgeschriebenen Schwimmlektionen durchgeführt werden könnten. Dieser sieht 76 Lektionen während der ersten vier Schuljahre vor. Ohne das Lehrschwimmbecken Luberzen müsste die Schule Dietikon das Pensum lediglich von heute 144 auf 108 Lektionen reduzieren. «Für die externen Belegungen müssten neue Lösungen gesucht werden», schreibt sie. Denkbar wären etwa andere Hallen- oder Freibäder.

Der Dietiker Stadtrat schreibt zur Antwort der Schulpflege, dass er auf weitergehende Informationen angewiesen sei, um über die Zukunft des Lehrschwimmbads entscheiden zu können.