Er hat ums Überleben gekämpft, und doch verloren. Der Samariterverein gibt nach 115 Jahren per Ende Jahr seine Auflösung bekannt. Der Grund ist die Überalterung, wie Evelyn Lüchinger, Präsidentin des Samaritervereins sagt. Es fehle an Nachwuchs. «Den jungen Leuten fehlt heute oft die Motivation sich sozial zu engagieren», so Lüchinger.

Weniger Vorstandsmitglieder

Um das Fortbestehen des Vereins zu sichern, habe man versucht, die Mitglieder zu entlasten. «Unsere Übung fand nur noch alle zwei Monate statt und nicht mehr monatlich wie früher», sagt Lüchinger. Abgesehen davon habe man versucht, neue Mitglieder zu finden, was ein schwieriges Unterfangen gewesen sei. «Der erfolglose Versuch, neue Mitglieder zu rekrutieren war hart und hat uns müde gemacht», sagt sie.

Hinzu kam, dass einige Vorstandsmitglieder nicht mehr im Verein mitmachen mochten und deswegen ausstiegen. Wie Lüchinger sagt, war es nicht möglich, diese Ämter neu zu besetzten oder unter den verbleibenden Mitgliedern aufzuteilen, weil diese mit ihren Vereinsaufgaben schon ausgelastet waren.
Abgesehen davon habe der Verein zu wenige junge Mitglieder, die mehr Junge rekrutieren könnten. Lüchinger kann das Desinteresse der Menschen nicht nachvollziehen. Im Samariterverein habe man die Möglichkeit, das im Nothilfe-Kurs Gelernte zu vertiefen und zu erweitern. Der Zeitgeist sei problematisch. «Alle wollen heute überall dabei sein, aber sich nirgends richtig engagieren. Das gehört zum Vereinsleben », sagt sie.

Den Vereinen fehlen die Samariter

Gemäss Lüchinger fehlen die Samariter jetzt schon in Dietikons Vereinsleben. «Wir konnten die Postendienste an Veranstaltungen nicht mehr abdecken», sagt sie. Von nun an werde dies von auswärtigen Samaritervereinen übernommen, die dadurch einen Mehraufwand haben.

Evelyn Lüchinger ist Arztgehilfin und seit 20 Jahren bei den Samaritern. Sie war Samariterlehrerin und hat zusammen mit anderen Mitgliedern Nothilfekurse durchgeführt. «Der Verein ist Teil meines Lebens», sagt sie. Die Auflösung bedauere sie sehr. Im Verein wurde Zwischenmenschliches gepflegt und es haben sich viele langjährige Freundschaften entwickelt, so Lüchinger.

Bei den Samaritern konnte sie beim Erste-Hilfe-Leisten improvisieren lernen. «Das kann ich während meiner Arbeit in der Arztpraxis nicht», verrät Lüchinger. Für sie sei es interessant, Verletzten ohne das Sanitätsmaterial aus der Arztpraxis zu helfen.

Viele unvergessliche Momente

Während der letzten 20 Jahre gab es für Lüchinger viele schöne Momente. So ist ihr in guter Erinnerung, dass zu den Übungen jeweils drei Viertel der Mitglieder kamen. Auch die vom Verein durchgeführten Firmenkurse waren immer etwas Besonderes, wie Lüchinger erzählt.

Über die Weiterführung des Vereins, für die sie 2009 mit sechs Mitstreitern gekämpft hatte, war sie glücklich. «Wir waren Idealisten, die es versucht haben», so Lüchinger. «Hätten wir es nicht versucht, würden wir es jetzt möglicherweise bereuen», sagt sie. Sie haben während der ganzen Zeit immer wieder positive Rückmeldungen auf ihr Engagement während der letzten zwei Jahre von den Mitgliedern erhalten, worüber sie sich freue.

Krankenmobilenmagazin wird an anderen Verein übergeben

Ob die verbleibenden 24 Mitglieder anderen Vereinen beitreten werden, ist noch offen. Wie Lüchinger sagte, wurde über eine Fusion mit anderen Samaritervereinen aus dem Limmattal vor zwei Jahren diskutiert. «Einige von unseren älteren Mitgliedern wollten aber keinen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen», sagt sie. Hinzu kam, dass ein Zusammenschluss für den anderen Verein Mehrarbeit bedeutet hätte. Als Grund dafür nennt Lüchinger, dass sie den anderen Samaritervereinen mehr Postendienste für Anlässe mitgebracht hätten. Es wäre jedoch nicht möglich gewesen, diese Posten mit einem grossen personellen Zuwachs abzudecken. «Das wollten wir niemandem zumuten», sagt sie.

«Für einige wird die Vereinsauflösung ein Grund sein, ganz aufzuhören, besonders für die älteren unter uns», sagt Lüchinger. Sie selber brauche momentan etwas Abstand und wolle die vergangenen 20 Jahre vorerst einmal verarbeiten. Sie behält sich vor, zu einem späteren Zeitpunkt wieder als Samariterlehrerin tätig zu sein. Das Krankmobilienmagazin wird dem neu gegründeten Verein «Krankmoblien Limmattal» übergeben, der im Alters- und Gesundheitszentrum in Dietikon einquartiert ist. Den Samaritern war es ein Anliegen, dass die Krankenmobilien der Bevölkerung weiterhin zur Verfügung stehen.