Schlieren
Salmen-Pächter: «Christa Rigozzi und Adolf Ogi waren zufrieden mit der Garderobe»

Weil das Parlament den Salmen nicht pachten will, kommt der aktuelle Mieter zum Zug – trotz schwerwiegender Vorwürfe von der Stadt

Alex Rudolf
Merken
Drucken
Teilen
Das Parlament will den «Salmen» nicht pachten.

Das Parlament will den «Salmen» nicht pachten.

Julia Wartmann

Der Versuch, einer Schlieremer Kulturstätte wieder zu früherem Glanz zu verhelfen, ist missglückt. An der Parlamentsdebatte vom Montag wurde nicht nur entschieden, dass die Stadt den Salmen nicht mieten darf. Auch wurden Missstände angesprochen, die dem Ruf des Restaurants und Saals geschadet hätten.

Bis der neue Stadtsaal im Schlieremer Zentrum steht, beabsichtigte die Stadt, den Salmen für jährlich rund 150 000 Franken zu mieten. Während sie selber für die Saalvermietung verantwortlich gezeichnet hätte, wäre ein neuer Pächter für den Restaurantbereich gesucht worden. Diese Gelegenheit ergab sich, da der Vertrag mit dem aktuellen Pächter auf Anfang 2018 ausläuft.

Nach einer hitzigen Debatte und der Ablehnung des Antrags durch die Geschäftsprüfungskommission (GPK) wird daraus jedoch nichts. Zwar begann GPK-Sprecher Pascal Leuchtmann (SP) sein Votum mit versöhnlichen Worten. Glänze der Salmen, so glänze auch Schlieren, sagte er.

Doch sei der Vertragsentwurf mit dem Liegenschaftsbesitzer viel zu einseitig. Dieser sei zu wenig in der Verantwortung, da sein Beitrag an den auf 100 000 Franken geschätzten Sanierungsarbeiten die 50 000-Franken-Grenze nicht übersteigen. «Kostet es aber mehr, wird die Stadt zur Kasse gebeten», so Leuchtmann. Zudem rechne man viel zu optimistisch, wenn die Stadt davon ausgehe, dass durch die Vermietung 100 000 Franken wieder zurückfliessen würden.

Stadt sieht sich als Partner

Die für dieses Geschäft verantwortliche Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin, Manuela Stiefel (FDP), räumte einige Schwachstellen ein. Sie fokussierte in ihrem Votum aber auf die teils prekären Zustände im Salmen. So werde man von den aktuellen Pächtern als Frau nicht respektiert, die Garderobe könne nicht benutzt werden, da darin gewohnt werde, Doppelbuchungen des Raumes würden sich häufen und an den Rechnungen gebe es oft Beanstandungen.

Aus diesen Gründen würde der Salmen mehr und mehr gemieden. «Seit 18 Jahren wartet die Stadt auf diesen Moment. Sind wir für die Vermietung verantwortlich, wissen die Saalnutzer, dass sie einen kompetenten Partner haben», so Stiefel. Der Raumbedarf in Schlieren sei vorhanden.

Vorwürfe seien absurd

Bei den Zuschauern der Debatte sass Manuel Komani von der Pächterfamilie. Gegenüber der Limmattaler Zeitung sagt er, dass diese Vorwürfe mehr als überspitzt seien. So wohne niemand in der Garderobe. «Christa Rigozzi und Adolf Ogi waren zudem sehr zufrieden mit dem Raum», sagt er.

Auch der Vorwurf, dass Frauen nicht respektiert würden, hält er für absurd. «Weder von unseren Mitarbeiterinnen noch von unseren Gästen wurde solche Kritik vorgebracht.» Fälle von Doppelbuchungen und Beanstandungen bei Rechnungen würden hin und wieder vorkommen.

«Doch sind wir keine Treuhänder, sondern Gastronomen und es unterlaufen Fehler. Da hat Frau Stiefel masslos übertrieben», sagt er. Seit nunmehr 15 Jahren pachte seine Familie den Salmen. «Würden wir derart schlecht arbeiten, wären wir wohl nicht mehr hier.»

Die Vorwürfe standen in der Ratsdebatte jedoch keineswegs im Mittelpunkt, viel eher sorgte der Vertragsentwurf für viel Gesprächsstoff. «Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht», konstatierte Beat Kilchenmann (SVP). Songül Viridén (GLP) ging weiter und sprach von Ausbeutung, die sich die Stadt nicht gefallen lassen solle.

Jürg Naumann (Quartierverein) sei noch nie eine solche Offerte vorgelegt worden, wie er sagte: «Wir bedauern, dass die Vereine in rund anderthalb Jahren auf der Strasse stehen werden, daher rufen wir den Stadtrat dazu auf, Alternativen zu suchen.»

Pascal Leuchtmann – nun als Sprecher der SP-Fraktion – bezeichnete den Vertragsentwurf als zu wenig liberal und bezog sich auf die 4 Prozent Umsatzbeteiligung, die an den Besitzer fliessen würden – darunter würde auch der Umsatz der Kinderkleiderbörse fallen. «Dieses Angebot ist wirklich mehr als schräg,» konstatierte er.

An der Schlussabstimmung votierten einzig die EVP/CVP-Fraktion wie auch Teile der FDP für den Antrag, der mit 19 zu 8 Stimmen abgelehnt wurde. Dies zur Erleichterung von Komani, der nun weiterhin im Salmen wirten darf. Bereits am Dienstagabend bestätigte ein Sprecher der Besitzerin Swiss Finance & Property, dass der Vertrag mit dem bisherigen Pächter erneuert werde.