Rauchstopp
Sagen Sie dem Glimmstängel ein für alle Mal «Adieu»

Wer es alleine nicht schafft, kann den Gang zum Psychologen wagen – zum Beispiel in Dietikon.

Senada Haralcic
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Sucht ist etwas sehr Individuelles. Deswegen gibt es auch nicht eine Lösung für alle Suchtprobleme.

Sucht ist etwas sehr Individuelles. Deswegen gibt es auch nicht eine Lösung für alle Suchtprobleme.

Nicole Nars-Zimmer

Um mit dem Rauchen aufzuhören, gibt es viele Möglichkeiten: Nikotinkaugummis, Hypnose, Akupunktur oder etwa ein kalter Entzug – ganz ohne Hilfsmittelchen. Empfohlen wird – beispielsweise von Hausärzten – auch ein Gang zur Suchtberatung, um dem Glimmstängel ein für alle Mal «Adieu» zu sagen. Doch manch ein potenzieller Nichtraucher schreckt vor diesem Schritt zurück: Ist es nicht übertrieben, wegen der Zigarette gleich zur Suchtberatung zu gehen?

Nein, findet Peter Wäschle, Fachpsychologe für Psychotherapie. Nebst Beratungen bei Alkohol- und Medikamentensucht hilft Wäschle seinen Klienten in der Suchtberatung Bezirk Dietikon auch, wenn diese mit dem Rauchen aufhören wollen. «Wir bieten Einzelberatungen und Workshops in Gruppen.» Dass bei einigen Menschen eine Hemmschwelle existiert, wenn es um die Konsultation der Suchtberatung geht, weiss Wäschle. Grundsätzlich falle es leicht, sich die Tabakabhängigkeit einzugestehen. Den Rauchstopp alleine nicht zu schaffen und in der Suchtberatung Hilfe zu holen, sei jedoch für viele eher eine Schmach als ein Triumph. Diese Einstellung findet Wäschle nicht richtig: «Wer seine Sucht erkennt und professionelle Hilfe beizieht, zeigt eigentlich ganz viel Stärke», so der Psychologe.

«Es gibt nicht ‹die Lösung›»

In all den Jahren hat Wäschle schon die unterschiedlichsten Klienten in seiner Praxis gehabt. Er weiss: «Sucht ist etwas sehr Individuelles. ‹Die Lösung› für ein Suchtproblem gibt es nicht.» Deswegen folge er in seinen Beratungen nicht etwa einem Schema. Vielmehr gehe es darum, die persönliche Sucht des Klienten zu analysieren, nach Ursachen zu suchen und massgeschneiderte Alternativen zu finden, sagt er. Wenn jemand beispielsweise zum Kaffee eine starke Lust auf eine Zigarette verspüre, könne er sich Alternativen ausdenken, um den Griff zum Glimmstängel zu umgehen: «Wenn es passt, kann stattdessen ein Tee getrunken werden. Das kommt ganz auf den Klienten an», so der Psychologe. Auch habe die Zigarette für die einen eher eine entspannende Wirkung und für die anderen gelte sie als Anreger für mehr Energie: «Daher eignen sich psychologische Beratungen, um das individuelle Suchtverhalten zu erkennen und zu verändern», so Wäschle.

Persönliche Fehleinschätzugen

Bei den Gesprächen sei denn auch schon manch eine persönliche Fehleinschätzung der Klienten zutage gekommen. «Manche dachten, dass sie nur vom Nikotin als Substanz abhängig sind. Dann haben sie unterschiedliche Nikotinersatzmittel ausprobiert, und es hat nicht funktioniert», so der Psychologe. Beim Gespräch habe sich dann herausgestellt, dass doch eher das «Feeling» – also das Ritual an sich – fehlte, was einen Rückfall auslöste.

Ab wann ist jemand überhaupt abhängig? Etwa auch dann, wenn gelegentlich am Wochenende eine Zigarette zum Drink gepafft wird? «Das kann nicht generalisiert werden. Tendenziell ist so jemand weniger einer Sucht ausgesetzt.» Das Hauptkriterium einer Nikotinabhängigkeit sei eine Art unwiderstehlicher Zwang zum Rauchen. «Es ist eine psychologische Diagnose, die in Beratungen festgestellt werden kann», so Wäschle.

Gerade aufgrund der Individualität des Suchtausstiegs sei es für die Suchtberatung des Bezirks Dietikon wichtig, nicht nur Einzelgespräche, sondern auch Gruppenworkshops anzubieten. «Bei manchen wirkt sich das Einzelgespräch positiver aus als eine Gruppentherapie, bei anderen ist es umgekehrt.» Im Gruppenworkshop erarbeiten die Teilnehmer beispielsweise einen Vertrag und haben dann einen Vertragspartner, der sie beobachtet: «Wer sich daran hält, gibt sich eine Belohnung, wenn dagegen verstossen wird, folgt eine kleine Busse.» Das mag fast zu einfach klingen, soll aber schon oft geholfen haben. «In den Gruppenworkshops sind auch Freundschaften entstanden», sagt Wäschle und ergänzt mit einem Augenzwinkern: «Soziale Kontakte entstehen also nicht nur beim Rauchen, sondern auch beim Aufhören.»

Umfrage: Haben Sie schon mal versucht, mit dem Rauchen aufzuhören? Wie erfolgreich waren Sie damit?

Sheila Navarro, 25, Dietikon «Ich selber rauche nicht, aber mein Cousin hat vor einem Monat aufgehört, und zwar ohne Probleme. Ich denke, wenn jemand wirklich aufhören will, schafft er es auch.»
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Silvan Jeger, 29, Dietikon «Ich habe mit dem Rauchen aufgehört, weil ich das Gefühl hatte, dass ich zu viel geraucht habe. Zwar wollte ich nur eine Pause machen, doch jetzt schaffe ich es nicht mehr, anzufangen.»
Martin Bartosinksi, 32, Dietikon «Aufgehört habe ich noch nicht, aber ich bin gerade daran, zu reduzieren. Ich teile mir jeweils die Zigaretten jeden Tag ein und versuche dabei, immer ein bisschen weniger zu rauchen.»
Giovanna Tana, 51, Geroldswil «Ich habe gerade vor drei Tagen auf Rat meines Arztes aufgehört zu rauchen, und bei mir klappt das momentan bestens. Es braucht halt einfach den Willen zum Durchhalten.»

Sheila Navarro, 25, Dietikon «Ich selber rauche nicht, aber mein Cousin hat vor einem Monat aufgehört, und zwar ohne Probleme. Ich denke, wenn jemand wirklich aufhören will, schafft er es auch.»

Olivier Meier