Der Advent klopft sachte an unsere Tür. Und passend zur bevorstehenden Zeit bringt die Uitiker Sängerin und Songwriterin Marlis Bösiger alias Maël ihr drittes Album «Feels Like Christmas» heraus. Ihre Weihnachts-CD enthält 15 Eigenkompositionen, die zum Träumen, Nachdenken und Feiern verführen. «Auf diesem Album habe ich mich auf den Americana-Stil konzentriert und eine Mischung aus Blues und Pop gemacht», sagt Maël. Ihre erste CD «Snake in the Desert» aus dem Jahr 2010 ist jazziger, und auf dem Album «Cookin’ Music» hat sie sich vor vier Jahren von ihrer Country-Blues-Seite gezeigt.

Sie sei gross geworden mit Südstaaten-Musik wie Blues, Rock und Country. Die gelernte Arztgehilfin und ehemalige Genetik-Laborantin bekam im Alter von sechs Jahren eine Ukulele geschenkt. Später lernte sie Gitarre spielen. Lange Zeit sang sie in Gospelchören mit. Vor 15 Jahren habe sie Gesang- und Piano-Unterricht an einer Jazzschule genommen. «Ich hatte nicht vor, Musik zu komponieren, denn ich dachte, es gebe schon genug gute Musik», erzählt die Mutter zweier erwachsener Söhne. Doch irgendwann setzte sich Maël ans Piano und begann zu komponieren.

Mit Musikgrössen aus Nashville

Mittlerweile hat die Sängerin mit der sinnlich-warmen Stimme bereits mit namhaften Musikern aus Nashville zusammengearbeitet. Etwa mit dem Bassisten Byron House, der bereits mit dem Leadsänger von Led Zeppelin ein Album aufnahm und tourte, oder Dane Bryant, dem musikalischen Direktor einer Las-Vegas-Show von Olivia Newton-John. «In Nashville geht alles viel schneller als in Zürich», findet Maël, die seit über zehn Jahren mit ihrem Schweizer Produzenten Philippe Kuhn erfolgreich Musik macht.

Ihr neues Weihnachts-Album überzeugt mit ruhigen Liedern, die unter die Haut gehen. So fragt sie sich im Stück «Always Christmas», wieso nicht immer Weihnachten sein kann, und kommt zum Schluss, dass wir den Schmerz brauchen wie Blumen Wasser, um die schönen Seiten besser wahrzunehmen. Im Lied «Christmas Comes Anyway» beruhigt sie den Zuhörer, indem sie empfiehlt, man solle sich nicht zu viel Sorgen machen, denn Weihnachten komme sowieso. Das Fest der Liebe, das Wärme und Geborgenheit verspricht, kann dabei wörtlich genommen, aber auch als positives Sinnbild fürs ganze Jahr verstanden werden.

Poesie aus dem Leben

«Ich dränge niemandem meine Geschichten auf, und dennoch erzählen diese Lieder aus meinem Leben», sagt Maël, die für ihre Songtexte eine sehr poetische Sprache wählt. So beschreibt sie in «Feels Like Christmas», wie es sich anfühlt, wenn man abends nach Hause fährt und weiss, dort wartet jemand auf einen. Dabei erinnern die Strassenlichter an Weihnachten («You in my dreams, feels like Christmas»). Im Lied «Friends», das grosses Ohrwurm-Potenzial hat und von einer Bekannten inspiriert ist, die schwer erkrankte, singt Maël, dass ihr Tränen gekommen seien, während sie die traurige Botschaft las («Looking at this letter, tears in my eyes»).

Maëls Weihnachts-CD ist facettenreich und stets bittersüss. Denn die Sängerin weiss: «Wo viel Kerzenlicht ist, ist auch Schatten.»