Vom Kanton Uri erhielt der Sänger und Schauspieler Rolf Sommer ein Stipendium für einen viermonatigen Aufenthalt in New York. Dass er danach gleich in den Vereinigten Staaten bleiben werde, glaubt Sommer zwar nicht, wie er sagt: «Es ist nicht das Ziel meines Aufenthalts, in Übersee Fuss zu fassen.»

Konkrete Auswanderungspläne verbindet er allerdings mit einer Grossproduktion in Hamburg. «Im April finden die Castings statt. Falls ich angenommen werde, ziehe ich im September für mindestens ein Jahr nach Deutschland», so Sommer.

Wenig Freude lösten diese Aussichten bei seinen Mitbewohnern in Schlieren aus, mit denen er sich 2012 als «Trio Infernale» um den Titel «M-Budget-WG» beworben hat, wie der Schauspieler erklärt: «Ich sagte ihnen, dass noch nichts in Stein gemeisselt sei: Es gilt abzuwarten, was beim Vorsprechen herauskommt.»

Loriot- der Theaterabend

«Zu allem Ja sagen, was kommt»

Vorerst freut sich Sommer aber auf seinen Aufenthalt in New York. Die vier Monate will er nutzen, um bei einem Gesangslehrer Unterricht zu nehmen, den er während seiner Schauspielausbildung in München kennen lernte. Ausserdem will er einen sechswöchigen Kurs im William Esper Studio, einer der 25 renommiertesten englischsprachigen Schauspielschulen, besuchen. Um seinen Studienplatz muss Sommer sich dort erst bewerben.

Was er mit seiner restlichen Zeit anstellt, weiss der 37-Jährige noch nicht. «Ich habe mir vorgenommen, einfach zu allem Ja zu sagen. Ich will mich auf alle Möglichkeiten einlassen können, die auf mich zukommen», so Sommer.

Die Möglichkeit, ab Anfang Mai vier Monate in New York zu verbringen, erhielt der Wahlschlieremer von seinem Heimatkanton Uri. Die Zentralschweizer Kantone vergeben alle zwei Jahre solche Atelier-Stipendien – Apartment und Flug inklusive – an ausgewählte Kulturschaffende. Obwohl er seit fast 20 Jahren nicht mehr in der Innerschweiz wohnt, seien die Bande zu seinen Wurzeln in den letzten Jahren wieder stärker geworden, sagt Sommer: «Die Urner sehen mich auch ein wenig als ‹ihren› Promi. Es freute mich auch deshalb besonders, dass ich das Stipendium zugesprochen erhalten habe.»

Trotz der Annäherung an die Lebenswelt seiner Jugend zieht der Schauspieler heute das Urbane dem Ländlichen vor. Während seines Aufenthalts im «Big Apple» logiert er nun in einem Apartment an der Upper Westside. Vor zwei Jahren erklärte Sommer in einem Interview, dass er an Schlieren schätze, dass es sich von einer rohen Vorortgegend in einen hippen Ort verwandle. Als Vergleich zog er damals den New Yorker Stadtteil Brooklyn herbei.

Mit dem Glamour angefreundet

Würde ihm dieser Ort, an dem die amerikanische Subkultur brodelt, also nicht eher entsprechen als das edle Manhattan? «Keine Ahnung», sagt Sommer: «Vielleicht ist es mit Wohnorten wie mit dem Theater: Manchmal steht man auf einer kleinen Bühne wie im Theater Rigiblick, manchmal spielt man in einer glamourösen Grossproduktion. Spass macht beides.» Ausserdem sei es doch lustig, für eine Weile in einer Wohnung zu leben, die er sich nie selber leisten könnte, sagt er mit einem Augenzwinkern.