Der Zürcher Regierungsrat hat gestern seine Vernehmlassungsantwort zum Bahnnetz-Ausbauschritt 2030/2035 veröffentlicht. Er bevorzugt die grosse Variante 2035 für 11,5 Milliarden Franken gegenüber der kleinen Variante 2030 für 7 Milliarden Franken und will, dass die Direktverbindung respektive der lange Tunnel von Zürich nach Aarau gebaut wird, um die oberirdischen Gleise zu entlasten. Die Planung dafür sei zu vertiefen, fordert der Regierungsrat. Dabei sei auch die Haltestelle Silbern in Dietikon zu berücksichtigen, schreibt er in seinem Brief ans Bundesamt für Verkehr (BAV). Und die ressortverantwortliche Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) sagt auf Anfrage: «Wir wollen diese Haltestelle im Ausbauschritt 2035. Es ist bewiesen, dass es sie braucht.»

Im Ausbau-Vorschlag des BAV sei die S-Bahn-Station Silbern ein zu Unrecht nicht beachteter Punkt, sagt die Regierungsrätin weiter. Die Direktverbindung respektive der Tunnel von Zürich nach Aarau sei Grundlage dafür: «Die Haltestelle Silbern kann jedoch nicht isoliert betrachtet werden, dies wäre nicht begründbar.»

Mit Herzblut, Engagement und Überzeugungsarbeit werde sie sich weiterhin für die Direktverbindung Zürich–Aarau inklusive der Haltestelle Silbern einsetzen, macht Walker Späh klar. «Wir dürfen uns nicht ausruhen und müssen weiterhin mit unseren guten Argumenten dafür einsetzen, dass der Kanton Zürich die Infrastruktur erhält, die er braucht», sagt sie.

Dies ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass der Kanton mit der grössten Stadt der Schweiz für das ganze Land wichtig ist. «Wenn bei uns das Bahnnetz nicht funktioniert, dann funktioniert es in der ganzen Schweiz nicht. Auch darum bin ich überzeugt, dass der Bundesrat einsieht, dass wir die Direktverbindung und die Haltestelle Silbern brauchen», so Walker Späh weiter.

Auch sie stehe in intensivem Kontakt mit Entscheidungsträgern in Bern und lobbyiere dort für diese beiden Projekte, die die Wachstumsregion Limmattal entlasten würden. Beim Lobbying habe der Kanton Zürich vor allem eine Stärke: «Wir haben bewiesen, dass es unsere Projekte braucht, und wir sind beispielhaft für die Schweiz. Der Kanton Zürich ist der Taktgeber, unsere Mobilität kommt einem Grossteil der Schweiz zugute.» Sie erlebe Dietikon und das Limmattal als sehr aktiv. Auch die Gewerbler. «Genau so muss man sich einsetzen. Nun müssen wir hartnäckig bleiben und weiterhin gut argumentieren. Das Limmattal kann auf meine Unterstützung zählen», sagt Walker Späh.

Auch der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) unterstützt in seiner gestern veröffentlichten Vernehmlassungsantwort die Station Silbern und die Direktverbindung Zürich–Aarau. Diese Massnahmen seien dringender als andere. Weiter begrüssen ZVV und Regierungsrat die Massnahmen zum Güterverkehr, nach denen mehr Güterzüge durchs Limmattal fahren würden.

«Es ist einfach ein Muss»

Bei den Direktbetroffenen kam das Votum des Regierungsrats für die Station Silbern gestern gut an. «Das ist sehr erfreulich. Damit kommen wir einen guten Schritt vorwärts», sagt Urs Jenny, Präsident der Interessengemeinschaft Silbern (IG Silbern). In den letzten Wochen habe auch das Echo aus der ganzen Region klar gezeigt, dass es die Haltestelle braucht. «Ob links oder rechts, ob Politik, Wirtschaft oder Privatpersonen: Ich kenne niemanden, der gegen die Haltestelle ist», sagt Jenny. Nun stünden die Zeichen auf Grün: «Ich bin überzeugt, dass sowohl der Bundesrat als auch der National- und der Ständerat nun einsehen werden, dass es die S-Bahn-Station Silbern braucht. Sie ist einfach ein Muss», sagt er. «Sie wird auch unsere Probleme im motorisierten Verkehr lösen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt», führt Jenny weiter aus. Und ein alltäglicher, lässt sich anfügen: Als die Limmattaler Zeitung gestern um 16 Uhr einen erneuten Augenschein vornahm, standen die Autos und Lastwagen einmal mehr Schlange – von der Kreuzung Mutschellenstrasse bis zum Kreisel bei der Coop-Verteilzentrale.

«Eine raumplanerische Sünde»

Einzig in einem Punkt ist sich die IG Silbern mit der Volkswirtschaftsdirektion nicht ganz einig: Für Jenny ist klar, dass die Haltestelle Silbern auch dann in den Ausbauschritt 2035 aufgenommen werden muss, wenn die Direktverbindung Zürich– Aarau wider Erwarten scheitern würde. «Mit der heutigen Technik ist das auf jeden Fall möglich. Die Zeit vom Anhalten eines Zuges bis zur Abfahrt dauert heute schliesslich nicht mehr lange», so Jenny. Er widerspricht damit der Auffassung des Bundes, dass die derzeitige Überlastung der Limmattaler Gleise eine zusätzliche Haltestelle verunmögliche.

Mit einer Pressemitteilung meldete sich gestern auch das Komitee «Gateway Limmattal: so nicht!» zu Wort. Es unterstützt den Ausbau 2035 und spricht sich deutlich dafür aus, die S-Bahn-Haltestelle Silbern zu priorisieren. Zudem sei auch die Güter-Umfahrungslinie Limmattal–Furttal zu realisieren. Weiter kritisierte das Komitee erneut, dass der Bund am Rangierbahnhof Limmattal festhält. Dieser stelle sowohl aus raumplanerischer als auch aus volkswirtschaftlicher Sicht eine «Sünde» dar – so etwa wegen der geringen Auslastung, der hohen Lärmbelastung und dem grossen Flächenbedarf. In Bezug auf den Ausbau 2035 fordert das Komitee darum einen Investitionsstopp für den Rangierbahnhof. Die damit gesparten Mittel könne man nutzen, um die Station Silbern zu finanzieren. Diese kostet 49 Millionen Franken.