Geräteturnerinnentag

Rund 1600 Turnerinnen zeigten in der Zentrumshalle in Urdorf ihr Können

Wenig Platz, aber viel Spektakel in der Zentrumshalle in Urdorf.

Es ist noch früh an diesem Sonntagmorgen. Doch in der Zentrumshalle in Urdorf ist bereits einiges los. Unten haben sich die Turnerinnen von der jeweils ersten Abteilung der Kategorie 2 und der Kategorie 6 versammelt und machen sich warm. Viel Platz haben die Athletinnen nicht: Gerät reicht sich an Gerät, Matte an Matte. Aber auch auf den Rängen der Tribüne ist es eng, denn die Sitzreihen sind bereits gut gefüllt. Den Kantonalen Geräteturnerinnentag, der seit sieben Jahren erstmals wieder in Urdorf stattfindet und etwa 1600 Turnerinnen angelockt hat, wollen sich offensichtlich viele nicht entgehen lassen.

Eine dieser Turnerinnen ist Rebekka Steiner. Die Urdorferin tritt an diesem Sonntagmorgen in der Kategorie K6 an – am Sprung, Reck, Boden und an den Schaukelringen. Bei ihr löst der Wettkampf in der heimischen Zentrumshalle ein «komisches» Gefühl aus, wie sie sagt: «Wir trainieren fast immer in dieser Halle, da kommt man sich ein wenig wie im Training vor.» Heisst das, dass man auch den Wettkampf lockerer nimmt? Steiner verneint. «Ich bin schon angespannt. Schliesslich möchten die Leiter, dass wir in der heimischen Halle eine gute Leistung zeigen, und ich selbst will das auch.» Man kenne ja die Verhältnisse in der Halle und die Geräte: «Das ist ein Vorteil.»

Anspannung wird versteckt

Zumindest äusserlich lässt sich Steiner nicht anmerken, dass sie angespannt ist. Ebenso wenig wie ihre Kolleginnen vom TV Urdorf und vom TV Weiningen, die alle zusammen in derselben Gruppe turnen. Am Boden beispielsweise feuern sie sich gegenseitig an, bevor sie einzeln erst statische Figuren und dann schnelle Bewegungsabläufe zeigen, um schliesslich in einer Schlussposition zu verharren und zu den Jurymitgliedern zu lächeln. Ernüchterte oder gar enttäuschte Mienen wegen eines Malheurs oder einer niedrigen Bewertung sieht man keine. Auch nicht bei Steiner, die nach dem Wettkampf sagt, sie sei mit ihrer Darbietung am Boden nicht zufrieden gewesen.

Dafür zeigt sie in der nächsten Disziplin ihr ganzes Können, nämlich an den Schaukelringen. Erst schwingt sie sich an den langen Seilen ein paar Mal hin und her, bevor sie die Übung mit einem satten Sprung abschliesst. 9.45 lautet ihre Note – eine Spitzenbewertung.

Doppelrolle für Rebekka Steiner

Doch Steiner turnt nicht nur für sich. Sie betreut auch die Mädchen der Kategorie K2. Deren Wettkampf beginnt wenig später. Steiner turnt sie geduldig ein, hilft ihnen beim Sprung vom Trampolin auf die Matte, gibt Tipps. Und das nur kurz nachdem sie selber noch im Einsatz war. Zeit für eine Pause bleibt da kaum. Ein happiges Programm, diese Doppelrolle. «Wenn wir nicht so früh mit unserem eigenen Wettkampf fertig gewesen wären», sagt Steiner, «hätte ich nur eine Lücke von zehn Minuten gehabt. Das wäre eng geworden.» So aber hat sie genug Zeit, die Mädchen vorzubereiten – und einigen von ihnen auch die Nervosität zu nehmen. «Die einen sind total aufgeregt», sagt Steiner. «Die anderen nehmen es gelassen.»

Gelassen kann es auch Jlva Schneider nehmen, OK-Präsidentin und Hauptleiterin vom Geräteturnen beim TV Urdorf. Sie freut sich über den grossen Zuschauerauflauf, aber auch darüber, dass alles reibungslos funktioniert habe. «Wir sind absolut zufrieden», sagt sie. Auch die engen Platzverhältnisse in der Zentrumshalle, die im Vorfeld zu Befürchtungen geführt hatten, dass man sich möglicherweise in die Quere kommen könnte, waren kein Thema mehr. «Klar, wir hätten auf eine andere Halle ausweichen können, zum Beispiel nach Bonstetten», sagt Schneider. «Aber dann wäre es nicht mehr unser Heimwettkampf gewesen. Zudem bietet die Zentrumshalle eine perfekte Tribüne.»

Und auf dieser Tribüne kommen die Zuschauer an diesem Sonntag in den Genuss von Limmattaler Podestplätzen. So holt sich in der Kategorie K4 die Birmensdorferin Cyrine Ben den Sieg, Alea Trinkner vom TV Urdorf wird Dritte. Und in der Kategorie K7 wird die Weiningerin Silja Mohler Zweite. Ob sich Schneider vorstellen kann, den Kantonalen Geräteturnerinnentag wieder zu organisieren? «Darüber haben wir ehrlich gesagt überhaupt nicht gesprochen», sagt sie. «Aber in den nächsten beiden Jahren wohl nicht.» Was danach ist, bleibt allerdings offen.

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