Der Grund für dieses Ansinnen: Die Investition der Stadt Dietikon in die Taverne zur Krone werde, «geleitet durch sentimentale Träumereien an längst vergangene Zeiten», je länger je mehr zum «Fass ohne Boden», schreibt die DP.

Tatsächlich haben der Kauf und die Renovation des historischen Gebäudes die Stadt bis anhin eine ganze Stange Geld gekostet: Rund 2,6 Millionen Franken kostete die Taverne ursprünglich, eine weitere Million wurde in die Projektierung investiert. Für den Umbau wurden fast 10 Millionen Franken bewilligt. Vor allem die Tatsache, dass 250000 Franken davon ein Nachtragskredit für die Renovation der Fassade war, obwohl man davon ausgegangen war, diese würde noch zehn Jahre halten, ärgert die DP.

Frage nach Schadenersatz

Dass der Gemeinderat nun in seiner Oktober-Sitzung nochmals einen Zusatzkredit über 770000 Franken für den Ausbau der Obergeschosse bewilligt hat – dies, damit die nach wie vor unvermieteten Räume besser vermarktbar werden – ist zu viel des Guten für DP-Präsident Martin Müller. Er wirft in der Mitteilung nun die Frage nach Verantwortlichkeit und Schadenersatz auf. Ob der Stadtrat fahrlässig gehandelt habe, weil er gewusst haben müsste, dass Büroräume in dieser Grösse im Rohbau kaum vermietbar seien, fragt Martin Müller. «Oder hat ein externer Berater den Stadtrat in dieser Frage falsch beraten und müsste für den Schaden geradestehen?» Allein im Jahr 2010 seien der Stadt durch den Leerstand Mieteeinnahmen von 150000 Franken entgangen.

Gegen die Vorwürfe wehrt sich Stadtpräsident Otto Müller vehement: Stadtrat und Gemeinderat hätten nicht fahrlässig entschieden, sondern im Wissen um die Bedeutung des historischen Gebäudes und im Sinne einer langfristigen Investition. «Der Stadtrat entscheidet nach bestem Wissen und Gewissen», betont Otto Müller. Jedoch sei die Vermietbarkeit der Büroräume von einer Beratungsfirma ursprünglich positiver eingeschätzt worden. Aber das Angebot an Büroflächen sei inzwischen so gross, dass dies Leerstände zur Folge habe.

«Notwendigkeit nicht gegeben»

Auch von der Idee einer Sonderprüfung hält Otto Müller wenig: Das Parlament habe den Antrag sorgfältig geprüft. Und obwohl kritische Äusserungen nicht ausgeblieben seien, habe das Parlament dem Kredit «klar zugestimmt» – mit 25 zu 8 Stimmen. «Die Notwendigkeit einer zusätzlichen Prüfung muss das Parlament entscheiden», so der Stadtpräsident: «Sie ist aus meiner Sicht nicht gegeben.»

Dies ist sie offensichtlich auch aus Sicht des Parlaments nicht. Denn selbst Gemeinderat Martin Romer (FDP), der sich im Parlament kritisch über den Zusatzkredit für den Kronenausbau geäussert und gegen den Antrag gestimmt hat, sagt dazu: «Das Parlament hat sich für den Kredit entschieden und das muss man akzeptieren.» Den Ruf nach einer Sonderprüfung fände er daher äusserst «seltsam», so Martin Romer. Es gäbe aus seiner Sicht keinen Grund, wieso das Geschäft nochmals untersucht werden müsste.

Ähnlich äussert sich Gemeinderat Samuel Spahn (Grüne), dessen Fraktion ebenfalls gegen den Kredit gestimmt hat: «Das Parlament hat mit deutlicher Mehrheit für den Kredit gestimmt.» Daher erachte er die Möglichkeit, dass die Gemeinderäte nochmals aktiv würden als «recht klein». Die Grünen sähen jedoch nach wie vor den Verkauf der Liegenschaft als «vernünftige Lösung», so Samuel Spahn. Dies sieht auch Martin Romer so: «Die Stadt soll das Gebäude so bald als möglich verkaufen, solange das Image noch gut ist.»