Die Bestürzung über die Kündigung von Seklehrer Stefan Achermann in Schlieren ist gross. Der Lehrer unterrichtet seit zehn Jahren im Schulhaus Kalktarren und hat letzten Freitag der Schulpflege mitgeteilt, dass er die Schule verlassen wird. Dies, nachdem er und sein Kollege in einem Schreiben der Schulpflege dazu aufgefordert wurden, die selbst finanzierte IT-Ausrüstung — etwa Beamer und Computer — nach den Sport- oder Frühlingsferien zwecks der Installation neuer Beleuchtung, der Umsetzung von Energiesparmassnahmen und der Vorbereitung für die Umrüstung aller Zimmer auf das geplante neue IT-Konzept der Schule Schlieren aus den Schulzimmern zu entfernen und nicht wieder aufzubauen.

Die Eltern der betroffenen 37 Schülerinnen und Schüler wollen den Weggang des beliebten Lehrers verhindern und überreichten dem Stadtpräsidenten Markus Bärtschiger (SP) am Dienstag vor dem Stadthaus eine Petition mit 41 Unterschriften. Darin fordern sie, dass die Schulpflege die Aufforderung zurücknimmt.

Nun meldet sich auch die alte Klasse von Achermann zu Wort, die der Lehrer von 2014 bis 2017 unterrichtete. In einem Brief an die Schulpflege macht sie klar, was die Schule Schlieren verlieren würde, wenn sie Achermann ziehen lässt. «Wir sind stark davon überzeugt, dass er einer der besten Lehrer im Kalktarren ist und die Schule nicht mehr den gleichen Wert hätte ohne ihn», schreiben die Jugendlichen.

«Er war für jeden von uns da»

Sie seien ihm sehr dankbar, dass er ihnen in den vergangenen drei Jahren als Vorbild und Wegweiser gedient habe. «Durch seinen starken Willen, uns den ganzen Schulstoff beizubringen, gelang es ihm, dass alle aus der Klasse eine Lehrstelle oder eine Anschlusslösung bekommen haben. Ohne seine Hilfe hätten wir Mühe gehabt, denn er war für jeden von uns da und hat uns gepusht», heisst es im Brief weiter. Es sei sehr schade, dass er sein privates Material räumen müsse. Sie hätten sehr davon profitiert. «Da wir jetzt in der Berufswelt sind, schätzen wir noch mehr, dass Herr Achermann uns Schülern die Möglichkeit gegeben hat, das Arbeiten am PC und den Umgang mit der Technik zu üben», lobt die Klasse ihren alten Lehrer. Die ehemaligen Schülerinnen und Schüler bitten die Schulpflege in ihrem Schreiben deshalb darum, dass Achermann weiterhin mithilfe seiner IT-Ausrüstung unterrichten darf. «Wir sind sehr traurig und enttäuscht, dass ein so grossartiger und einzigartiger Lehrer, der auch sehr streng sein konnte und doch so liebevoll, gezwungen ist zu gehen.»

Ob der Brief etwas hilft, ist zu bezweifeln. Unterdessen hat ein Gespräch zwischen Achermann und Schulpräsidentin Bea Krebs (FDP) stattgefunden. Es fiel jedoch nicht im Sinne der Eltern und Schülerinnen und Schüler aus. «Es werden keine Ausnahmen gestattet, meine Kündigung ist leider definitiv», sagt Achermann auf Anfrage. Ab sofort müsse er laufend seine IT-Installation abmontieren. Die CAD-, Grafik- und Programmier-Kurse, die er anbietet, laufen noch bis Ende Dezember. Noch ausstehend ist die Antwort auf die Petition der Eltern. Und auch eine weitere Petition wartet auf die Stadt. Am Freitag übergeben die betroffenen Klassen ihre Bittschrift dem Stadtpräsidenten in der Znünipause im Schulhaus Kalktarren.

Dieser Artikel ist am 22. November 2018 erschienen.