Birmensdorf
Rückzieher von Erdgas Zürich: Enttäuschung in Birmensdorf

2005 warb Erdgas Zürich mit einem Anschluss an die Transitleitung Urdorf-Steinhausen; Birmensdorfer Hauseigentümer zeigten Interesse. Nun lehnt die Firma den Anschluss aus wirtschaftlichen Gründen ab.

Florian Niedermann
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Der Erdgas-Hahn bleibt in Birmensdorf trotz Werbung zugedreht. (Archiv)

Der Erdgas-Hahn bleibt in Birmensdorf trotz Werbung zugedreht. (Archiv)

Keystone

Die Birmensdorfer Hauseigentümer an der Stallikonerstrasse zwischen Reppisch und Zürcherstrasse sind enttäuscht:

Nachdem die Erdgas Zürich ihnen im Jahr 2005 einen Anschluss an die Transitleitung Urdorf-Steinhausen schmackhaft gemacht hat, lehnt sie die Erschliessung nun aus wirtschaftlichen Gründen ab.

Der an der Schulhausstrasse wohnhafte Walter Studer erhielt, wie alle seine Nachbarn, vor acht Jahren ein Schreiben der Erdgas Zürich, worin sie den Anschluss seines Gebäudes an das Gasnetz in Aussicht stellte.

Per Antwortschreiben sollte er mitteilen, ob er sich kurz-, mittel oder längerfristig vorstellen könne, auf Heizenergie aus Erdgas umzustellen. «Ich wollte mich anschliessen lassen, um meine in die Jahre gekommene Elektroheizung zu ersetzen», sagt Studer.

Er entschied sich deshalb für die längerfristige Zeitspanne, bei der ein Anschluss zwischen 2010 und 2012 erfolgt wäre.

Auf Anfrage Absage erhalten

«Von der Erdgas Zürich hörte ich nie mehr etwas», sagt Studer. Er ergriff 2009 die Initiative und fragte bei der Erdgasanbieterin nach, wann sein Haus nun angeschlossen werden könnte.

Die Erdgas Zürich antwortete, dass dieser Bereich um die Stallikonerstrasse nicht erschlossen werde, weil zu wenige Eigentümer ihr Interesse angemeldet hätten.

Als 2012 ein Mehrfamilien-Neubau auf einer benachbarten Parzelle gebaut werden sollte, witterte Studer eine neue Chance, um die Erdgas Zürich davon zu überzeugen, dass die Ausdehnung des Gasnetzes auf diesen Dorfteil rentabel wäre.

Der Eigentümer des Neubaus zeigte sich ebenfalls interessiert an einem Gasanschluss, und bald zeigten sich immer mehr Interessenten.

«Schliesslich wären bis auf wenige Ausnahmen alle Besitzer entlang der Stallikonerstrasse bereit für den Anschluss an das Gasnetz gewesen», sagt Studer. Dennoch schloss Erdgas Zürich eine Erschliessung des Gebiets aus.

Die Erdgasanbieterin erklärt auf Anfrage der Limmattaler Zeitung, der Entscheid für oder gegen eine Erschliessung sei abhängig von den Baukosten, dem zu erwartenden Absatzpotenzial an Gas und der Amortisationszeit der Leitungen.

Für Anschlüsse im fraglichen Dorfteil in Birmensdorf war «die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben. Die Leitung wäre erst nach über 35 Jahren amortisiert gewesen», schreibt die Erdgas Zürich.

Erdsonden sind nicht möglich

Die Einrichtung von Erdsonden ist im Birmensdorfer Zentrum wegen des Grundwasserschutzes nicht möglich, wie der Wärmenutzungsatlas des Kantons zeigt. Studer wird seine Elektroheizung deshalb durch eine Wärmepumpe ersetzen.

Was ihn erzürne, sei die Kommunikationsstrategie bei Erdgas Zürich: «Zuerst macht man Werbung für einen Gasanschluss und dann versagt man diesen, obwohl ein Interesse klar gegeben ist», sagt Studer.

Er habe sich angesichts der «lapidaren» Antworten auf seine Anfragen nicht ernst genommen gefühlt.

Laut Erdgas Zürich entspricht es der üblichen Praxis, potenzielle Kunden erst zu informieren und das vorhandene Interesse mittels Fragebogen auszuloten, bevor der Entscheid über die tatsächliche Erschliessung eines Gebiets fällt.

Die Ablehnung im Fall der Stallikonerstrasse ist jedoch nicht in Stein gemeisselt, wie Erdgas Zürich mitteilt: «Wir beurteilen die Verdichtung von Gebieten bei neuen Anfragen immer wieder neu.»

Interesse an einem Anschluss hatte auch die Gemeindeverwaltung, wie Peter Siegrist, Leiter des Birmensdorfer Bauamts, auf Anfrage bestätigt. Die Gemeinde heizt ihr Gebäude an der Stallikonerstrasse derzeit mit Öl.

Nach dem negativen Entscheid der Erdgas Zürich werden sich die Behörden bald mit einer anderen Lösung befassen müssen, sagt Siegrist: «2015 wird das Thema auf den Tisch kommen. Man wird einen Grundsatzentscheid für oder gegen erneuerbare Energien fällen müssen.»