Birmensdorf
«Route 66»: Diese Velowege machen schlau

Simone Hochstrasser wertet Fahrradrouten mit Umweltstationen auf – aktuell wirkt sie an der Route 66, die an der Limmat vorbeiführt.

Flurina Dünki
Merken
Drucken
Teilen
Simone Hochstrasser steht beim Limmat-Veloweg in Dietikon, der Teil der SchweizerVeloroute 66 ist. Sie hofft auf eine Zusammenarbeit mit der Stadt.

Simone Hochstrasser steht beim Limmat-Veloweg in Dietikon, der Teil der SchweizerVeloroute 66 ist. Sie hofft auf eine Zusammenarbeit mit der Stadt.

Flurina Dünki

Für einmal schiebt Simone Hochstrasser ihr Velo der Limmat entlang. Die Birmensdorferin hat Grosses vor mit dem Veloweg, der an der Limmat vorbeiführt und der dank der Nummerierung durch die Stiftung Schweiz Mobil den Beinamen Route 66 trägt. Auf der Fahrradstrecke Chur–Rapperswil– Zürich hat ihr Verein Umweltvelowege Schweiz vor ein paar Jahren mit der Unterstützung von Gemeinden- und Firmenpartnern kinderfreundliche Erlebnisstationen angebracht, an denen Familien mehr über Themen wie umweltfreundliches Kochen, Energiegewinnung aus Recycling oder ökologisches Bauen erfahren. Ein zweiter Umweltveloweg von St. Gallen nach Zürich ist gerade in Umsetzung. Die Reaktionen von Radler-Familien seien sehr positiv, sagt Hochstrasser.

Umweltarena hilft mit

Im Moment arbeitet die Umweltfachfrau, die in der Recyclingbranche tätig ist, an der Aufwertung der Strecke Zürich–Dietikon–Baden mittels Erlebnisstationen. In der Umweltarena Spreitenbach ist man vom Konzept der spielerischen Umweltschulung begeistert. Deshalb wird der Verein dort am 1. Februar 2017 eine Informationsveranstaltung durchführen. Auch wird sich die Umweltarena dereinst mit einer Informationstafel an der Limmat am neuen Abschnitt beteiligen.

Umweltvelowege: Radeln und lernen

Ziel des Vereins Umweltvelowege Schweiz ist es, offizielle Schweizer Velorouten mittels Erlebnisstationen zu einem Umwelt-Lernerlebnis für Familien zu machen. An jeder Station finden die Rastenden ein wetterfestes Grossformat-
Bilderbuch zu einem bestimmten Umweltthema.

Diese enthalten auch Rätsel und Spiele, damit der Lerneffekt grösser wird. Gemeinde- oder Firmenpartner, die eine Station unterhalten, können ihr Thema gemäss ihrer Unternehmensphilosophie wählen.

Auch andere Unternehmen und Gemeinden entlang des Streckenabschnitts hat Hochstrasser bereits wegen einer Stationspartnerschaft angefragt. Darunter auch Dietikon, seit 2015 Trägerin des Zertifikats Energiestadt Gold. Nun hofft sie auf eine positive Antwort. Limmattal-relevante Themenideen hat sie genug: «An der Limmat gibt es viele Möglichkeiten für spannende Erlebnisstationen wie etwa Abwasserreinigung oder erneuerbare Energie durch Wasserkraft», sagt sie.

Auf die Idee des Themen-Radwegs kam die Mutter eines siebenjährigen Sohnes bei einer Velotour in Österreich, als sie eine Velostrecke mit Informationen über Wolfgang Amadeus Mozart abfuhr. «Ich fand, so etwas sollte es in der Schweiz auch geben. Jedoch zum Thema Umwelt, weil ich in diesem Bereich Handlungsbedarf sah.» Auch das sportliche Element sei ihr wichtig, sagt Hochstrasser: «Auf den Velowegen werden Kinder spielend an Umweltthemen herangeführt, während sie zwischen zwei Velostrecken Rast machen, sich also draussen körperlich betätigen.»

Bezug zur Herkunft verloren

Aufgrund ihrer Arbeit in der Recyclingbranche müsse sie sich über Themen wie Nachhaltigkeit und Klima auf dem Laufenden halten, sagt die Umweltfachfrau. «Heute versucht man vor allem, mit modernen Technologien den Wandel zu einem schonenden Umgang mit Energie herbeizuführen. In Minergiehäusern etwa sorgt Computertechnik für den effizienten Energieverbrauch. Auch den Weg zu erneuerbaren Energien lösen wir vor allem mithilfe der Technik und Automatismen.» Für die Bewohner sei das zwar komfortabel, doch verlören sie dadurch den Bezug zur Natur und wüssten nicht mehr, wie die von ihnen konsumierte Energie produziert wird.

«Jeder müsste sich Gedanken zu einem umweltverträglichen Lebensstil machen und seinen eigenen Weg finden, umwelt- und energieschonend zu leben», sagt Hochstrasser. Damit die Kinder von heute als Erwachsene ein Umweltbewusstsein haben, will sie ihnen jetzt schon einen spielerischen Zugang zu Themen wie nachhaltiger Konsum und Energieverbrauch vermitteln.