Dietikon

Rote Nase wird begraben: Ein Film zwischen Kindheit und Erwachsensein

Die Theateria dreht mit Kindern einen Kurzfilm über das Erwachsenwerden. Es wird geübt, gelacht, herum gerannt und auch wenn die Konzentration manchmal nachlässt, die Begeisterung ist stets vorhanden.

«Shoot one, take one, ACTION!» Nach kurzer Pause rennen Kinder herum. Es ertönen Trommelschläge und ein Junge verkündet «Chinderversammlig!» Es wird ruhig auf dem Spielplatz, die Kinder lassen alles stehen und liegen und setzen sich zusammen.

So beginnt der Kurzfilm «L’enfance est morte ... es lebe das Kind!» von Stefan Baier und Heidi Christen, Leiter der Theateria in Dietikon, und dem Filmemacher Marcos Ramirez. Der Titel soll zeigen, dass auch wenn man in die Welt der Erwachsenen eintritt, das innere Kind immer noch weiterlebt.

Die Kindheit wird begraben

Die Geschichte dreht sich um einen Jugendlichen namens Coco, der sich an der Schwelle zum Erwachsenwerden befindet. Sein grösster Wunsch ist es, Clown zu werden, doch sein Vater will, dass er einen seriösen Beruf lernt und schickt ihn an ein Vorstellungsgespräch in einer Bank. Die Kinder können nicht verstehen, weshalb Coco seine Kindheit hinter sich lässt und sehen ihn als Verräter. Er erhält vom Kindergericht die Höchststrafe — er muss seine Kindheit begraben. Dafür wird symbolisch seine rote Clownsnase zu Grabe getragen.

Dieses Jahr wird das erste Mal zusammen mit den Kindern und Jugendlichen ein Film gedreht. «Normalerweise lassen wir den Kindern beim Theaterspielen viel Interpretationsraum. Da wir dieses Jahr aber einen Film drehen, müssen wir mit Drehbuch arbeiten. Das ist für alle Beteiligten eine Umstellung», sagt Christen. Gleich am ersten Drehtag dürfen alle lang aufbleiben, denn es wird in der Nacht gefilmt. Die Dunkelheit soll dabei die Traurigkeit und das Erwachsene widerspiegeln. Der Spielplatz hingegen stehe für das kindliche und unbeschwerte Wesen, sagt Ramirez. Den fertigen Film kann man sich am 23.8.14 im Rahmen des Freilufttheatertages im Stadtkeller Dietikon ansehen.

Kindheit in die Tasche stecken

Die Botschaft des Stücks sei, dass man sein inneres Kind nie ganz verlieren und bei Entscheidungen auf seinen Bauch hören soll, erklärt Baier. Auf die Idee für diesen Kurzfilm kamen die Autoren durch einen Satz von dem österreichischen Theaterregisseur Max Reinhardt. «Theater ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.» Das sei auch für Baiers und Christens Arbeit bei der Theateria wichtig. «Wir müssen täglich daran denken, unsere Kindheit nicht zu verlieren, nur so können wir erfolgreich mit Kindern arbeiten», sagt Christen. Wahrscheinlich werden sie deshalb von den kleinen Schauspielern so geschätzt. «Ich habe schon ein paar Mal mitgespielt. Ich mache auch wegen Stefan und Heidi immer wieder mit. Sie nehmen mich ernst und wissen, wo meine Stärken liegen», sagt der 18-jährige Silvan Fischbacher, der im Film Coco darstellt. Ausserdem sei es schön, jedes Jahr wieder bekannte Gesichter zu sehen, ergänzt er. Auch die Kinder, die zum ersten Mal mitspielen, sind begeistert. «Mir gefällt es sehr gut bei der Theateria und ich glaube, ich werde nächstes Jahr wieder dabei sein», erzählt Leon Wagner, neun Jahre alt.

Auch Coco hört am Ende auf seinen Bauch und wird gegen den Willen seines Vaters Clown. Nach einigen Jahren besucht der Vater endlich eine Vorstellung und schenkt ihm als Zeichen der Bewunderung eine rote Clownsnase.

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