Oetwil
Rote Köpfe wegen der Haltung der SBB

In der Gemeinde ärgert man sich über die Antwort der Bundesbahnen auf einen Brief wegen des Lärms beim Rangierbahnhofs. Nun will der Oetwiler Gemeidepräsident einen Rechtsanwalt einschalten. Und auch der Regierungsrat dürfte schon bald Post bekommen.

Sandro Zimmerli
Merken
Drucken
Teilen

Keystone

«Das lassen wir nicht auf uns sitzen. Man kann nicht einfach so über Leute hinweggehen, die ein ernsthaftes Anliegen haben», ärgert sich Peter Ohnsorg. Der Präsident der SVP Oetwil ist überhaupt nicht einverstanden mit der Antwort, die er und 226 weitere Dorfeinwohner auf ihren Brief an die SBB erhalten haben.

So schreiben die SBB in ihrem Brief: «Die gesetzlich vorgeschriebene Lärmbeurteilung und -sanierung im Limmattal ist rechtskräftig und wurde wie folgt abgeschlossen: Spreitenbach (2001 ohne Massnahmen), Dietikon und Killwangen (2003 mit Massnahmen) und Neuenhof (2007 mit Massnahmen).» Die Gemeinde Oetwil sei gemäss Schreiben vom 31.5.2005 des Bundesamtes für Verkehr seit 2005 als lärmsaniert. Folglich seien keine Sanierungsmassnahmen zu ergreifen.

«Kreischende Geräusche»

Genau das aber war das Anliegen der Unterzeichnenden. Sie forderten in ihrem Brief die SBB dazu auf, «umgehend und ohne weitere Verzögerungen Massnahmen zur massiven Lärmverminderung beim Rangierbahnhof Limmattal an die Hand zu nehmen».

Dieser entwickle kreischende und scheppernde Geräusche rund um die Uhr, wobei sich die Rangierbewegungen besonders extrem bei warmem Westwindwetter mitten in der Nacht bemerkbar machten.

Lärmschutz keine genügende Wirkung

Wie die SBB weiter schreiben, würden sich Lärmschutzmassnahmen wegen der offenen Lage des Limmattals als schwierig erweisen. Lärmschutzwände würden keine genügende Wirkung an den Siedlungshängen erzielen. Eine Überdachung des Rangierbahnhofs beziehungsweise von Teilen davon wäre aufgrund der engen Raumsituation kaum zu realisieren und hätte zudem unverhältnismässige Kosten zur Folge. Zielführender sei es daher, sich mit den primären Lärmquellen auseinanderzusetzen.

«Es ist uns bekannt, dass die hauptsächlichen Lärmquellen beim Rangierbahnhof das Quietschen der Balkengleisbremsen und das Befahren enger Gleiskurven bei den Ablaufbergen sind. Es ist folglich ein grosses Anliegen der SBB-Rangiertechnik, ein quietschfreies Balkengleisbremssystem einzuführen», so die SBB weiter.

In Zusammenarbeit mit Hochschulen und der Industrie versuche die SBB daher, neue Materialien für Bremsbalken zu entwickeln. Derzeit seien verschiedene entsprechende Systeme in der Testphase. Zudem seien praktisch alle SBB-Güterwagen lärmsaniert.

Brief an den Regierungsrat

Widersprochen wird von den SBB auch der Behauptung, dass die Immissionen in den letzten vier bis fünf Jahren zugenommen hätten: «Seit dem Jahr 1991 ist die Anzahl rangierter Güterwagen um 40 Prozent zurückgegangen, davon 15 Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre.»

Für Paul Studer, Oetwiler Gemeindepräsident, kommt diese Antwort «einer Absage an unser Anliegen» gleich. «Der Brief zeigt, dass wir in dieser Angelegenheit nicht weiter kommen», so Studer. Der Gemeinderat wolle deshalb seine Bemühungen im Kampf gegen Lärmbelästigung intensivieren. «Wir werden sicher einen Rechtsanwalt einschalten. Zudem sind wir am Sondieren, was wir zusätzlich machen können», hält Studer fest.

Man will Druck auf SBB erhöhen

Da dafür aber noch die finanziellen Mittel fehlten, werde man voraussichtlich kommenden März eine ausserordentliche Gemeindeversammlung einberufen und ein Konzept zum weiteren Vorgehen vorstellen. Die Stimmberechtigten hätten dann Gelegenheit, über einen entsprechenden Kredit zu befinden.

Unterstützt wird die Exekutive in diesem Anliegen auch von Ohnsorg. Er selber will zudem «dem Regierungsrat einen Brief schreiben, damit die SBB dazu gebracht werden, uns ernst zu nehmen». Denn das sei das grösste Ärgernis: «Sie finden es nicht für nötig, sich mit uns zusammenzusetzen.»