Die Verpflanzung der Rotbuche auf dem Schlieremer Zentrumsplatz um rund 170 Meter in den künftigen Stadtpark war wohl eines der medienwirksamsten Ereignisse, das Schlieren bislang erlebt hat. Im Nachzug dazu taten sich dem SVP-Gemeinderat Hans-Ulrich Etter jedoch einige Fragen auf, die er dem Stadtrat im Rahmen eines Vorstosses stellte. Einer der Beweggründe für seine kleine Anfrage: Ihm sei zu Ohren gekommen, dass die BMB Group, die die Verpflanzung durchgeführt hatte, fällige Rechnungen von Subunternehmen nicht bezahlt habe. Anders sieht dies der BMB-Group-Chef Andreas Bernauer, der diese Geldforderungen als ungerechtfertigt erachtet und sich einer «Rufschädigung» ausgesetzt sieht.

Etter wollte vom Stadtrat wissen, ob dem Auftrag an das Unternehmen ein Stadtratsbeschluss zugrunde liege. Für die Baumverpflanzung entrichtete die Stadt Schlieren einen Betrag von knapp 64'620 Franken. Die Limmattalbahn AG übernimmt 25'000 Franken (sowie zusätzlich bauseitige Leistungen im Wert von rund 15'000 Franken; diese sind nicht in den 64'620 Franken enthalten). Für die Stadt blieb unter dem Strich also ein Betrag von 39'620 Franken zu entrichten. Deshalb liegt auch kein öffentlicher Stadtratsbeschluss vor. Denn die Ausgabenkompetenz der einzelnen Ressortvorsteher liegt bei 40'000 Franken. «Bei dieser Höhe muss nicht der Stadtrat beschliessen, sondern der Ressortvorsteher», schreibt der Stadtrat.

Drohnenvideo Baumversetzung Rotbuche Schlieren

Drohne filmt die Baumversetzung in Schlieren.

Video der Limmattalbahn AG.

Auch war für Etter von Interesse, ob die BMB Group im Vorfeld überprüft worden sei und Referenzen eingeholt wurden. Im Rahmen der Möglichkeiten sei die Firma überprüft worden, so der Stadtrat, wobei durchaus erkannt worden sei, dass die Firma erst neu in der Schweiz tätig sei. «Ebenso wurde rasch klar, dass Baumverschiebungen in diesem Ausmass in der Schweiz noch nie durchgeführt wurden, was Referenzen sehr stark relativiert.» Das vorgeschlagene Vorgehen bezüglich der Verschiebung der rund 70-jährigen Rotbuche hätten ausgewiesene Baumspezialisten als sinnvoll, zweckmässig und angemessen bewertet.

Zudem wollte Etter wissen, ob der Stadtrat weitere Offerten für die Verschiebung eingeholt habe. Dies verneint die Exekutive: «Eine solche Grossbaumverschiebung war bis zu diesem Zeitpunkt in der Schweiz einmalig, was auch bedeutet, dass es bis anhin keinen Markt für ein solches Vorgehen gab.» Hinweise aus den Reihen der Baum-Aktivisten – die eine Fällung des Baums verhindern wollten – auf günstigere Offerten für Verpflanzungsarbeiten hätten sich trotz Nachfrage nicht konkretisiert.

Diese Kosten folgen

Auch muss die Stadt keine Geldforderungen seitens des Subunternehmers fürchten, da die Stadt ihre Zahlungen an die BMB Group abschliessend geleistet habe. Und wie sieht es beim Subunternehmer aus? Hat dieser zwischenzeitlich sein Geld erhalten oder einigte man sich aussergerichtlich? Auf Anfrage der Limmattaler Zeitung heisst es bei der Züsli Gartenbau AG aus Embrach, die noch Anfang April öffentlich die Begleichung von Leistungen forderte: «Kein Kommentar in dieser Angelegenheit.»

Gesprächiger zeigt sich BMB-Group-Chef Bernauer. So stehe die Geldforderung in keiner Relation zu den geleisteten Arbeiten. Gefragt nach dem aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien, sagt er: «Die vereinbarte Pauschale ist sogar vor Beendigung der Arbeiten überwiesen worden, womit wir den vereinbarten Verpflichtungen nachgekommen sind.»

Die Befürchtung, dass der Baum hohe wiederkehrende Pflegekosten nach sich zieht, kann der Stadtrat entkräften. Solche Kosten würden nicht regelmässig anfallen. Für die Dauer der ersten zehn Jahre werden die jährlichen Mehrkosten auf rund 2500 Franken beziffert. Dafür wird die Stadt aufkommen.

«Ein sehr willkommener Zufall»

Wie beurteilt nun Etter die Beantwortung seiner Anfrage? «Es war zu erwarten, dass aus Sicht des Stadtrats niemand etwas falsch gemacht hat», sagt er. Doch würde es ihm zu denken geben, dass der Betrag, den die Stadt für die Arbeiten geleistet habe, genau unter der Kompetenzgrenze des Ressortvorstehers von 40'000 Franken liege. «Das ist aus Sicht der Stadt wirklich ein sehr willkommener Zufall.»

Zudem könne es nicht sein, dass Unternehmen, die direkt oder indirekt für die öffentliche Hand arbeiten, ihr Geld nicht erhalten. «Hier steht die Stadt in einer moralischen Pflicht», sagt er. Eine moralische Pflicht, die auch bei der Vergabe von Aufträgen bestehe. «Auch wenn es solche für lediglich 40'000 Franken sind», sagt Etter.

Wie es nun weitergehen soll, will Etter nicht preisgeben. Auf die Frage, ob er die Auftragsvergabe und die Entgeltung der Baumverpflanzung anderweitig hinterfragen werde, sagt er nur: «Für mich ist die Sache noch nicht erledigt. Und für andere auch nicht.»

Die Rotbuche hätte ursprünglich gefällt werden sollen, da sie der Gleisführung der Limmattalbahn im Weg stand. Nach wochenlangen Protesten – im Rahmen einer Petition kamen rund 4700 Unterschriften zusammen – entschieden die Verantwortlichen, den Baum versetzen zu lassen. Dies wurde am 5. Februar in die Tat umgesetzt.