«Grandios, einfach grandios», flüstert die ältere Dame, die sich Augenblicke zuvor noch auf der Seidenstrasse befand - jedoch nur mit den Augen und Gedanken. Sie besucht Romy Müllers epische Tonbildschau «Schweiz-Tibet» im Schlieremer Stürmeierhuus. «Ich bewundere Romy Müllers Mut», legt sie nach, um kurz darauf von den Basaren aus 1001 Nacht zu schwärmen.

Genau zwei Jahre ist es her, als Romy Müller (62) und ihr Lebenspartner Miro Slezak (67) den Entschluss fassten, mit ihrem orangen VW-Bus eine abenteuerliche Reise zu wagen. Die zahlreichen Erlebnisse hielt sie in einer Artikelserie der az Limmattaler Zeitung fest. Es sind Einträge aus dem Logbuch der Sehnsucht.

Exotische Klänge und Anekdoten

Romy Müller will nun die Zuhausegebliebenen an ihren Impressionen teilhaben lassen. Unzählige Fotos dokumentieren das Erlebte, rund 1000 Bilder werden heute gezeigt. Sie beweisen Anziehungskraft, denn trotz des lauen Frühlingswetters ist der dunkle Saal gut besucht. Das Publikum will ferne Länder sehen, exotische Klänge und Anekdoten über Stationen von Griechenland bis Nepal hören.

Einige Zuschauer erhoffen sich auch praktische Tipps. Ein Ehepaar in der ersten Reihe will diesen Juni ebenfalls auf vier Rädern dieselbe Strecke erkunden. «Die Dia-Show ist deshalb so animierend», schwärmen sie. Grossen Respekt haben sie hingegen vor den teils unwegsamen Strassen, falls man diese überhaupt so nennen dürfe. Schotterpisten treffe eher zu. Romy Müllers Tochter Janine, ebenfalls anwesend, gesteht, dass sie bisweilen Angst um ihre Mutter hatte. Trotzdem sei sie sehr stolz.

Der Weg war das Ziel

Der Traum von Tibet, dem einst verbotenen Land, kann auch komfortabler gelebt werden. «Wir reisen mit dem Zug von Peking nach Lhasa», erklärt eine selbstsichere Stimme aus dem Publikum. Mittlerweile gelten Sommerferien im Tibet als äussert attraktiv. Obwohl bei Romy Müller und Miro Slezak der Weg das Ziel war, können sie nicht leugnen, dass sie vom «Dach der Welt» und der Umrundung des heiligen Bergs Kailash besonders angetan waren.
«Träumen wir nun weiter», sagt die eingangs erwähnte Dame beim Verlassen des Saals. Der Ausblick in die ferne Welt vermochte zu begeistern. Fernweh ist - wie die Sehnsucht - unheilbar.