Dietikon
Romeo Preite kochte schon für 200 Radler ein Spaghetti-Frühstück

Romeo Preite arbeitete 40 Jahre im Catering der «Sommerau» – Nun zieht er weiter. Im Zürcher Kreis 4 wird er Chef de Service im «Accademia del Gusto».

Florian Niedermann
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Romeo Preite an dem Ort, an dem er über 40 Jahre gewirkt hat: Das Restaurant des Hotels «Sommerau Ticino». fni

Romeo Preite an dem Ort, an dem er über 40 Jahre gewirkt hat: Das Restaurant des Hotels «Sommerau Ticino». fni

Florian Niedermann

Es passiert selten, dass Romeo Preite so ins Schwitzen kommt, wie in jenem Juni 1999. Als Catering-Chef des Dietiker Hotels «Sommerau Ticino» begleitet er die Tour de Suisse zehn Tage lang durch die Schweiz, um die Sponsoren und deren Gäste mit Getränken, kalten Plättli und anderen Köstlichkeiten zu versorgen. Am Abend vor der Königsetappe von Bellinzona nach Grindelwald fährt er im Auto vom Wallis in den Tessin, als plötzlich das Handy klingelt: Das Organisationskomitee der Tour teilt ihm mit, dass am nächsten Tag zwei Stunden vor dem offiziellen Rennen 200 Amateur-Radler die Etappe bestreiten würden – ob er für sie ein Frühstück bereitstellen könne? Preite bejaht, überrumpelt wie er ist.

«Das war ein Schock», erinnert er sich heute, «wir hatten weder die nötige Ausrüstung noch die Lebensmittel dafür.» Es blieb ihm nichts anderes, als zu improvisieren: Über einen befreundeten Weinhändler organisiert er innert weniger Minuten mehrere grosse Kessel, in denen er über dem offenen Feuer kochen kann. Mit seinen Mitarbeitern stürmt er ein Lebensmittelgeschäft und räumt den gesamten Vorrat an Spaghetti und Pelati leer. Bereits um 4 Uhr stehen sie am nächsten Tag im Küchenzelt und legen los. Knapp zwei Stunden später schlagen sich die Radrennfahrer bereits die Bäuche voll. «Die meisten assen gleich im Stehen», sagt Preite. Kaum sind die Amateure fertig, beginnen schon die Vorbereitungen für den Rest des Tages.

Über 40 Jahre lang arbeitete der heute 59-Jährige für die Dietiker Gastro-Familie Frapolli als Caterer. Ende September nahm er seinen Hut. Wer mit ihm über diese Zeit spricht, merkt schnell: Preite liebte seinen Beruf. Die vielen Menschen und Orte, die er kennenlernte, das Arbeiten unter verschiedenen örtlichen Voraussetzungen, und ja, auch das regelmässige Improvisieren machten für ihn seinen Job zur Berufung, wie er sagt. Seine regelmässigen Einsätze an grossen Anlässen im Limmattal führten dazu, dass der Dietiker weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist wie ein bunter Hund. Einige Journalisten dieser Zeitung sahen Preite in den letzten Jahren an unzähligen öffentlichen Anlässen häufiger als manch einen Politiker.

Wen auch immer man fragt – alle, die Preite kennen, sind voll des Lobes: So erinnert sich etwa die ehemalige Geroldswiler Gemeindepräsidentin Ursula Hofstetter an mehrere Begegnungen am Limmattaler Wirtschaftspodium. Er sei als «offener, aber zurückhaltender und sehr angenehmer Mensch» in Erinnerung geblieben, sagt sie. Werbeunternehmer Edi Cincera kennt den dreifachen Familienvater seit über 30 Jahren und hat als Sekretär des Dietiker Industrie- und Handelsvereins mit ihm «so manches Fest» organisiert. Er lobt Preites Ruhe, sein Können sowie seine Flexibilität: «Und ich werde die freundliche Art vermissen, mit der er mich jeweils in der ‹Sommerau› willkommen hiess.»

Preites Erfolgsgeschichte beginnt mit einem tragischen Unfall: 1972 fällt seinem Vater, der seine Familie in Taurisano bei Lecce der Arbeit wegen in Richtung Schweiz verlassen hat, auf dem Bau ein Ziegel auf den Hinterkopf. Er bleibt zwei Jahre lang arbeitsunfähig. Als ältester Sohn ist es an Romeo, den Vater zu unterstützen. Im Alter von 16 Jahren verlässt er seine Mutter, seine vier Geschwister und seine Heimat und zieht zum Vater nach Dietikon. Dieser hat sich schon Jahre zuvor mit der Gastro-Familie Frapolli angefreundet. Die Grossmutter und der Vater des heutigen Geschäftsführers, Elio Frapolli, bieten Preite in der «Sommerau» eine Stelle als Abwäscher an. Der junge Mann sagt sofort zu. Es ist Elios Onkel Ezio, der den jungen Italiener schliesslich in den Service einarbeitet und ab 1974 an Caterings mitnimmt. Bald hat Preite auch die Service-Lehre in der Tasche. Er bleibt der Familie Frapolli und Dietikon treu – selbst als sein Vater 1985 nach Süditalien zurückkehrt. Zuletzt hat er, der als Tellerwäscher ohne Deutschkenntnisse begann, nicht nur die operative Leitung des Caterings, sondern auch die Restaurationsleitung inne.

Nachfolgeregelungen im Betrieb und grosse Aufträge wie das Zürcher «Blue Stars FIFA Youth cup» Fussballturnier mit bis zu 15 000 Besuchern veränderten die Aufgabenteilung im Betrieb und damit Preites Funktion. So beschloss er, ein neues Abenteuer zu wagen. Ein ehemaliger Mitarbeiter bot ihm die Chance, in seinem renommierten Zürcher Restaurant «Accademia del Gusto» als Chef de Service zu arbeiten. Er griff zu. Seit Anfang Oktober arbeitet Preite nun im Kreis 4. «Es war ein Happy End», sagt er zu seiner Trennung von seinen Dietiker Förderern. Ähnlich klingt es auch bei Elio Frapolli: «Wir sind noch immer wie Brüder.» Es sei ein bewundernswerter Schritt, in dieser Lebensphase etwas Neues zu beginnen, sagt der Gastronom. Und Preite wisse, dass ihm die Türen des Familienunternehmens jederzeit offen stehen.