Schlieren
Rolf Wegmüller fordert dazu auf, Manuela Stiefel zu wählen – sie würde die Wahl nicht ablehnen

Gemeinderatspräsident Rolf Wegmüller wählt am 10. Juni Manuela Stiefel als Stadtpräsidentin. Obwohl sich diese gar nicht mehr zur Wahl stellt, weiss sie bereits einige Unterstützer hinter sich.

Alex Rudolf
Drucken
Teilen
«Eine Ablehnung der Wahl in ein Amt, für das ich mich im ersten Wahlgang beworben habe, würde eigenartig anmuten.»

«Eine Ablehnung der Wahl in ein Amt, für das ich mich im ersten Wahlgang beworben habe, würde eigenartig anmuten.»

SEVERIN BIGLER

Kommt gut zweieinhalb Wochen vor dem Wahltag vom 10. Juni noch Schwung in den Kampf ums Schlieremer Stadtpräsidium? Dank Gemeinderatspräsident Rolf Wegmüller (CVP) könnte dem so sein. In einem Leserbrief fordert er die Wählerinnen und Wähler auf, ihre Stimme der FDP-Stadträtin Manuela Stiefel zu geben. «Ich habe sie in den letzten zwölf Jahren gradlinig und äusserst kompetent erlebt», schreibt er. Zudem verfüge sie über viel Energie und Tatendrang. Weiter werde er ihr die Treue halten und ihren Namen auf seinen Stimmzettel schreiben.

Markus Bärtschiger, der bislang einzige Kandidat für die Nachfolge des nicht wiederantretenden Toni Brühlmann-Jecklin (SP), erhält also doch noch Konkurrenz.
Im ersten Wahlgang ums Präsidium vom 4. März erreichten weder Stiefel (977 Stimmen) noch Bärtschiger (817 Stimmen) das absolute Mehr. Im Gegensatz zu Bärtschiger gab Stiefel jedoch nur wenige Tage später bekannt, nicht für den zweiten Wahlgang anzutreten. Einerseits habe die Wirtschaft sie zu wenig unterstützt, andererseits sehe sie bei den Wählerinnen und Wählern eine Unzufriedenheit mit ihrer Person, sagte Stiefel damals. Und heute? Würde sie die Wahl zur Stadtpräsidentin annehmen? «Ich würde eine Wahl nicht ablehnen», sagte sie gestern auf Anfrage. Erhalte sie am meisten Stimmen, entspreche ihre Wahl dem Willen der Schlieremerinnen und Schlieremer. «Eine Ablehnung der Wahl in ein Amt, für das ich mich im ersten Wahlgang beworben habe, würde eigenartig anmuten», sagt sie weiter.

Wegmüller freut es, dass Stiefel eine Wahl annehmen würde. «Ich verfasste den Leserbrief, weil sich in meinem Umfeld der Wunsch nach einer bürgerlichen Alternative verdichtete», sagt er. Zudem denke er auch hin und wieder an den Wahltag vom 4. März. So sei es bei zahlreichen Stimmzetteln vorgekommen, dass Stiefel zwar als Stadtpräsidentin, nicht aber als Stadträtin gewählt wurde. «Hätten diese Wähler richtig gewählt und wären die bürgerlichen Stimmen nicht auf derart viele Stadträte entfallen, wäre Manuela Stiefel heute Stadtpräsidentin», sagt er.

Zu Hause bleiben ist keine Option

Überrascht es Stiefel, dass Gemeinderatspräsident Wegmüller sie derart öffentlich unterstützt? «Bereits nach Bekanntgabe meines Verzichtes eröffnete er mir, dass er beim zweiten Wahlgang meinen Namen auf den Wahlzettel schreiben würde. Daher ist es keine Überraschung», so Stiefel. In persönlichen Gesprächen mit verschiedenen Wählerinnen und Wählern wurde ihr eröffnet, dass das Einlegen eines leeren Stimmzettels oder zu Hause bleiben am Wahltag keine Option sei. «Daher weiss ich, dass ich von einigen Seiten Stimmen erhalten werde.»Dass andere Kandidierende Stimmen erhalten, sei schon immer der Fall gewesen, sagt Stiefel. «Im Gegensatz zu Markus Bärtschiger betreibe ich keinen Wahlkampf und kann nicht einschätzen, wie viele Voten auf mich entfallen werden.» Dies werde man erst am Wahltag sehen.

Auch für Rolf Wegmüller ist es schwierig, abzuschätzen, was am 10. Juni geschieht. «Schlieren ist aber noch immer eine bürgerliche Stadt, die ein bürgerliches Stadtoberhaupt will. Davon bin ich überzeugt.»
Bislang gab es noch keine Anzeichen dafür, dass sich zahlreiche Wähler hinter Stiefel scharen. Man schien ihren Verzicht auf das Stadtpräsidium akzeptiert zu haben.

Aktuelle Nachrichten