Dietikon
Rolf Steiner: "Ein Daheim zu haben soll jedem Menschen gegönnt sein"

Kantonsratspräsident Rolf Steiner rief zu Empathie und Solidarität auf.

Esther Laurencikova
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Zum Auftakt der Festlichkeiten spielt die Stadtmusik Dietikon
11 Bilder
1. August Dietikon 2016
Stadtmusik Dietikon spielt zum Auftakt
Unter anderem kann man sich mit Kuchen verköstigen
Schweizer Lampions an der Feierlichkeiten
Festzelt
Gemeinsames Singen der Nationalhymne
Rolf Steiner hält die Festrede
Im Anschluss der Festrede wird gemeinsam die Nationalhymne gesungen
Rolf Steiner hält die Festrede
Rolf Steiner hält die Festrede

Zum Auftakt der Festlichkeiten spielt die Stadtmusik Dietikon

Esther Laurencikova

Für Rolf Steiner (SP) war es ein Heimspiel. Vor vollen Rängen durfte der Kantonsratspräsident auf dem Dietiker Kirchplatz seine Ansprache halten. Eine Rede, die sich um den Heimatbegriff drehte. «Das Heimweh wurde in der Medizingeschichte als Schweizer Krankheit beschrieben», sagte Steiner. Kulturgeschichtlich relevant sei dabei die Verbindung von Heimweh und Kuhreihen, also traditionellen Liedern, mit welchen in den Schweizer Alpenkühe zum Melken angelockt wurden. Das Singen dieser Lieder sei Schweizer Söldnern mit Androhung der Todesstrafe verboten gewesen, so Steiner. Man habe das Aufkommen von Heimweh bei den Soldaten und somit als Konsequenz die Fahnenflucht befürchtet.

«Als Söldner in fremden Kriegsdienst zu ziehen, war eine durchaus gängige Art der Auswanderung», so Steiner. Oft seien die ärmlichen Teile der Schweiz froh darüber gewesen, denn so hätten die kargen Ernten weniger Mäuler ernähren müssen. Heute sei die Situation in der Schweiz eine bessere, doch der Grundgedanke bleibe: «Ein Daheim zu haben und es nicht aus Not verlassen zu müssen, ist, da sind Sie mit mir wohl alle einig, enorm wichtig und wir gönnen dies jedem menschlichen Wesen», sagte Steiner.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Schweiz sei ein Rechtsstaat, in dem die Tradition der Demokratie und der Äusserung der eigenen Ansicht hochgehalten werde. «Uns allen hier, in diesem schönen, friedlichen Land, geht es gut», sagte Steiner. So könne er in seiner Rede seine eigene Meinung sagen und müsse keine staatlichen Repressalien fürchten. «Und natürlich darf mir nach meiner Rede auch jemand, der anders denkt, die ‹Kappe waschen›, so wie letztes Jahr», so Steiner. Zudem könnten Schweizerinnen und Schweizer dank guten Verbindungen und Reisefreiheit beinahe überall in der Welt Ferien machen. «Viele Dietikerinnen und Dietiker sind heute gar nicht hier, weil sie fern vom Daheim ihre Sommerferien verbringen», sagte er.

Doch nicht in allen Ländern der Welt sei es um die Freiheit so gut bestellt wie in der Schweiz. Die Türkei, Syrien, Eritrea und Afghanistan seien nur einige Länder, in welchen die Menschen diskriminiert und verfolgt würden und um ihr Leben fürchten müssten. Perspektivlosigkeit mache sie zu Flüchtlingen. Die Schweiz habe in der Vergangenheit schon vielen Flüchtlingen Obdach gewährt. Den damaligen wie auch den heutigen sei eines gemeinsam: «Sie haben ihr Daheim aufgegeben und und möchten sich nun hier ein neues schaffen», sagt Steiner. Doch dabei seien sie auf Hilfe angewiesen: «Auf Menschen von hier, die sich um sie kümmern, die ihnen helfen, sich selber zu helfen», sagt er. Dabei sei ihm bewusst, dass auch in der Schweiz der eine oder andere eine schwere Zeit durchmache und dass die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr aufgehe. «Trotzdem getraue ich mich, Solidarität zu erbitten, ja zu fordern, damit wir anschliessend froh und mit lauter Stimme die Strophe der Nationalhymne ‹Denn die fromme Seele ahnt, Gott im hehren Vaterland› singen können», sagte Steiner «es soll ihm doch wohl bei uns sein.»