Tennis

Roger Federer entfachte seine Leidenschaft; «Tennis ist mein Herz und meine Seele»

Tobias Enk fand durch Roger Federer zum Tennis.

Tobias Enk fand durch Roger Federer zum Tennis.

Tobias Enks besucht in Urdorf jede Woche einen Tennis-Kurs für Menschen mit Beeinträchtigung. Im Sommer will er an Turnieren sein Können unter Beweis stellen.

«Tennis ist mein Herz und meine Seele», sagt der 29-jährige Tobias Enk. Jeden Freitagabend feilt er im Tenniscenter Urdorf an seiner Technik. Mit viel Präzision und Geschwindigkeit schlägt er den Ball über das Netz – obwohl er eine einseitige Bein- und Armbehinderung hat. Er kann den Tennisschläger nur mit seiner rechten Hand halten und zieht beim Laufen sein linkes Bein nach. Enk ist in einer der zwei zehnköpfigen Tennisgruppen von Menschen mit geistiger oder geistig-körperlicher Behinderung, die wöchentlich in Urdorf zusammenkommen. Die einstündigen Trainings werden von Marie-Anne Kouba-Tschudi und zwei weiteren Trainerinnen geleitet. Wer jedoch einfach Spass haben will, ist bei ihnen auf dem falschen Court. «Ich will, dass sie lernen, gut Tennis zu spielen», sagt Kouba-Tschudi.

Enks Leidenschaft fürs Tennis wurde bei einem Treffen mit Roger Federer entfacht, das die Stiftung Sternschnuppe organisiert hatte. «Nach dem Treffen wusste ich, dass ich auch Tennis spielen will», sagt Enk. Im Sommer 2013 hatte er dann sein erstes Training, damals schon unter Kouba-Tschudi. Seither hat er sich als Spieler weiterentwickelt. Zu Beginn sei er übermotiviert gewesen und habe sich viel zu stark von seinen Emotionen leiten lassen. «Wenn mein Spiel nicht wie gewollt funktionierte, habe ich mich schnell geärgert und den Schläger auf den Boden geschmissen», erinnert sich Enk. Dass sei aber schon lange nicht mehr vorgekommen. Auch dank Kouba-Tschudi. Sie habe ihm beigebracht, dass er sich aufs Tennisspielen konzentrieren muss.

An einem Turnier in Biel hat er 2018 Gold gewonnen

Im Training sind Enks Temperament und Ehrgeiz dennoch sichtbar. Bei den Übungen mit einem Spielpartner jagt er jedem Ball nach. Wenn mehrere Schläge hintereinander nicht wie gewünscht retourniert werden, beginnt er leicht genervt zu diskutieren. Dann müssen ihn die Trainer anweisen, sich wieder auf das Tennisspielen zu fokussieren. Auch die anderen Spieler benötigen immer wieder Anweisungen, damit die Übungen richtig ausgeführt werden. «Bei neuen Übungen brauchen sie meist etwas länger, bis sie verstanden haben, wie die Übungen funktionieren», sagt Kouba-Tschudi. Die Spieler sind aber stets motiviert und wollen die Tipps der Trainer umsetzten.

Jedes Jahr stehen mindestens zwei Turniere an, bei denen alle Spieler mitmachen wollen. Es können aber meist nur zwischen sechs und zehn von ihnen teilnehmen. Das nächste Turnier findet am 4. Juli auf der Lenzerheide statt. Auch Enk will dort sein Können unter Beweis stellen. 2014 hatte er mit 1400 anderen Sportlern mit Beeinträchtigung an den von Special Olympics Switzerland organisierten National Summer Games in Bern teilgenommen. «Dort auf dem Platz zu stehen, war grossartig», sagt Enk. Vor zwei Jahren gewann er zudem die Goldmedaille an einem Turnier in Biel.

«Tobias hat einen super Aufschlag», sagt seine Trainerin Kouba-Tschudi zu den Stärken Enks. Er hält Schläger und Ball in derselben Hand, wirft den Ball in die Luft und schiesst ihn mit dem Schläger präzise ins gegnerische Feld. Ein gutes Ballgefühl habe er schon immer gehabt, sagt Enk. Es sei wichtig, dass er spüre, wo der Ball auf dem Schläger aufkommt. Mentale Stärke ist im Tennis aber genauso wichtig wie eine gute Technik. Enk sagt: «Als Tennisspieler darfst du nie das Selbstvertrauen verlieren.»

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