Reaktion

Roger Bachmann kritisiert Aargauer Pendler – nun reagieren Politiker ausserhalb des Kantons

Aargauer Pendler sind dem Stadtpräsident von Dietikon, Roger Bachmann, ein Dorn im Auge. Mit dieser öffentlichen Aussage löste der SVP-Politiker eine kantonsübergreifende Debatte aus.

Aargauer Pendler sind dem Stadtpräsident von Dietikon, Roger Bachmann, ein Dorn im Auge. Mit dieser öffentlichen Aussage löste der SVP-Politiker eine kantonsübergreifende Debatte aus.

Die Kritik an Aargauer Pendlern vom Dietiker Stadtpräsidenten Roger Bachmann sorgt ennet der Kantonsgrenze für Reaktionen bei Politikern – nicht nur für negative.

Roger Bachmann, Stadtpräsident von Dietikon, sind Aargauer Pendler ein Dorn im Auge, die ihr Auto beim Bahnhof abstellen und danach mit der S-Bahn nach Zürich fahren. Im Interview mit der Limmattaler Zeitung sagte er, es sei nun mal ein Fakt, dass primär Aargauer über Dietikon pendeln würden und so Mehrverkehr auslösen. «Unser Gewerbe hat nichts davon», weil diese Pendler nicht in Dietikon einkaufen würden, fügte er an.

Wenig überraschend löste der SVP-Politiker ennet der Kantonsgrenze damit eine Debatte aus – auch CVP-Ständeratskandidatin Marianne Binder aus Baden beteiligte sich daran. Sie kritisierte auf Twitter die «Zürcher Willkommenskultur» und erklärt auf Anfrage: «Es darf nicht sein, dass wir nun auch innerhalb der Schweiz Grenzen ziehen. Animositäten zwischen den Kantonen zu schüren, finde ich heikel.» Bachmann rege sich auf, dass Aargauer Infrastrukturen Dietikons benutzen. «Das ist halt so, im einen und selben Land.» Im Aargau lebten schliesslich auch viele zugezogene Zürcherinnen und Zürcher. «Man stelle sich einmal vor, wir würden ihnen sagen, sie verstopften unsere Autobusse und Schulhäuser – also bitte», sagt Binder.

Ausserdem sei sie anderer Meinung als Bachmann, der sagte, die Aargauer Pendler würden keine Wertschöpfung bringen. «Der Aargau und Zürich beziehungsweise der Bezirk Dietikon sind auf vielfältige Weise miteinander verknüpft, wir beide profitieren voneinander, auch wirtschaftlich.» Vielleicht zeige Bachmanns Attacke aber auch einfach, dass er ein Ablösungsproblem habe, weil Dietikon einmal zum Aargau gehörte beziehungsweise zur Grafschaft Baden.

Verständnis vom Nachbarn

Auf mehr Verständnis stösst Bachmann bei Ralf Dörig (FDP), dem Gemeindeammann der benachbarten Aargauer Gemeinde Bergdietikon. «Wir kennen das Problem von Durchgangsverkehr, der keine Wertschöpfung generiert, selber nur zu gut.» Dass Roger Bachmann die Problematik anspricht, begrüsst Dörig. «Es ist wichtig, dass die Leute darauf aufmerksam gemacht werden, dass das Limmattal unter dem Verkehr leidet.»


Eine Lösung zu finden, um die Verkehrsbelastung nachhaltig zu verringern, sei enorm schwierig. Aber bald werde die Kantonsstrasse saniert, die durch Bergdietikon nach Dietikon führe. «In dieser Zeit wird sie oft nur eingeschränkt befahrbar sein. Viele Pendler werden auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen, beispielsweise die Bremgarten-Dietikon-Bahn, und hoffentlich nachhaltig Gefallen daran finden, mit der Bahn zu pendeln», hofft Ralf Dörig.

Limmattal als Ganzes betrachten

Versöhnliche Worte sind aus Wettingen zu hören, der 20 700-Einwohner-Gemeinde, die sich dem Limmattal mindestens ebenso zugehörig fühlt wie der Region Baden. So hebt Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) einmal mehr die Gemeinsamkeiten hervor: «Das Limmattal ist vom Zürichsee bis zum Wasserschloss als Ganzes zu betrachten.»

In diesem Gebiet werde in den nächsten 20 Jahren eine überdurchschnittliche Entwicklung (rund 17 Prozent mehr Bewohner, rund 30 Prozent mehr Arbeitsplätze) stattfinden. «Diese Entwicklung kann nur gemeinsam mit allen Aargauer und Zürcher Gemeinden im Limmattal bewältigt werden.» Er habe mit dem ehemaligen Dietiker Stadtpräsidenten Otto Müller (FDP) eine sehr gute Zusammenarbeit gehabt, «was angesichts der trennenden Wirkung der Kantonsgrenze mitten durchs Limmattal nicht selbstverständlich war», sagt Kuster. «Diese Zusammenarbeitsbasis muss natürlich mit dem neuen Stadtpräsidenten von Dietikon wieder aufgebaut werden.»

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