Es gibt Konzerte, die vergisst man nie. Besonders jene, für die man als Teenager mühsam sein Taschengeld gespart hat und womöglich einen weiten Weg auf sich nehmen musste. Für Rolf Sommer war das ein Auftritt von Elton John 1992 im Basler St. Jakob-Stadion. Der heute im Limmattal lebende Schauspieler zählte 16 Lenze, als er sich von Uri aus ins Joggeli aufmachte, um den britischen Sänger live zu sehen.

Elton John, schon damals eine Legende, sechs Jahre später sogar von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen, brachte nach einer Schaffenspause sein Album «The One» heraus, das sich millionenfach verkaufte und für volle Hallen sorgte. «Für mich war Elton schon seinerzeit einer der grössten Stars», erinnert sich Sommer. «Das Basler-Konzert werde ich nie vergessen.» 25 Jahre später wird er selbst mit Songs von Elton John auf der Bühne stehen.

Ein Vierteljahrhundert, in welchem Elton John nicht nur sein Image als einflussreicher Musiker und Egozentriker zementierte, sondern auch im Hafen der Ehe landete und Vater zweier Söhne wurde. Und eine Zeit, in der Sommer seine Karriere startete und die Zelte in Schlieren aufschlug. Mittlerweile ist er ein gefragter Musicaldarsteller, der vom Publikum und Theatermachern gleichermassen für sein Talent geschätzt wird.

Auch im Theater Rigiblick war Sommer häufig zu sehen: etwa in «Loriot – der Theaterabend» oder «Monty Python – Lieder und andere Verbrechen». Ebenfalls trat er dort mit seinem ersten Solo-Programm «Sommer im Weltall» (2013) auf. Nun fügt sich «Tribut to Elton John» dazu.

Die Poesie in der Musik

Im Theater Rigiblick haben Hommagen an Ikonen der Musikgeschichte mittlerweile Tradition. Da Elton John diesen Samstag 70 Jahre alt wird, schien für Leiter Daniel Rohr die Zeit reif, den Künstler zu ehren. Es sei aber nicht die Musik alleine, die bei diesem Projekt im Mittelpunkt stehe: «Die Texte von Bernie Taupin, Johns langjährigem musikalischen Weggefährten, sind voller Poesie», sagt Rohr.

Er gestaltete einen Abend, an dem Evergreens wie «Daniel» oder «Nikita» gespielt werden, aber auch unbekannte Perlen wie «Indian Sunset», einem seiner erklärten Lieblingslied. Wer aber schrille Kostüme, Brillen und Federboas erwartet, wird überrascht sein. «Es ist keine Mini-Playback-Show und es war nicht die Absicht, dass wir Elton John imitieren», so Sommer. Das Original könne man in Sachen Glamour sowieso niemals toppen, fügt Rohr an.

Sommer ist neben Eric Hättenschwiler und Romeo Meyer einer der Sänger, die sich für die Hommage die Bühne teilen und das Werk von John und Taupin präsentieren. Einer der Songs, bei denen er den Lead übernimmt, bedeutet ihm viel: «Ich werde ‹Rocket Man› singen, ein Lied, das ich bereits einmal an einer Gala präsentieren durfte.» Begleitet werden die Sänger von einer Frauenband und für Einblicke in das Leben der Musiklegende sorgt Walter Andreas Müller. Elton John machte bekanntlich nicht nur mit Noten, sondern auch mit seinem wilden Privatleben Schlagzeilen. Ausserdem ist er bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. So betitelte er Madonna einst als «Jahrmarkts-Stripperin». Im Kontrast dazu steht seine Wohltätigkeitsarbeit: 1992 gründete er die «Elton John Aids Foundation», die gemäss Wikipedia bisher 276 Millionen Dollar sammelte.

Nicht nur Elton John spielt für Sommer derzeit eine wichtige Rolle, sondern auch ein weiteres Projekt: sein Debüt als Regisseur. «Die Theatergruppe ‹Eigägwächs› aus Uri hat mich angefragt, ob ich die Leitung für das nächste Stück übernehme und nach einiger Bedenkzeit habe ich zugesagt», sagt er. Auf dem Plan steht das Broadway-Musical «Pippin» von Stephen Schwartz. Für die Produktion wurden 50 Laiendarsteller engagiert; die absolute Höchstzahl, die für Sommer infrage kam.

Elton John feiert in diesem Monat seinen 70. Geburtstag.

Elton John feiert in diesem Monat seinen 70. Geburtstag.

 Auch wenn die Premiere erst im Januar 2018 stattfindet, laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren und die erste Probe fand kürzlich statt. «Wir können nur einmal pro Woche für vier Stunden proben, daher ist diese lange Vorlaufzeit normal», so Sommer. Ausserdem sei er ab Ende Mai für drei Monate bei den Bad Hersfelder Festspielen engagiert und werde dort mit der Titanic im gleichnamigen Musical jeden Abend in See stechen.

«Sterben vor Aufregung»

Vorerst zündet der «Rocket Man» aber auf der Rigiblick-Bühne. Und vielleicht hört auch Sir Elton John vom Tribut zu seinen Ehren und besucht mit Kind und Kegel den Rigiblick; schliesslich ist einer seiner Wohnsitze – die über Nizza thronende Villa – weniger als eine Flugstunde entfernt. «Ich würde sterben vor Aufregung», sagt Sommer und lacht. Aufteten würde er natürlich trotzdem.