Es ist bereits fünf Jahre her, seit der Musiker Urs Junger alias Younger mit dem Velo quer durch die USA radelte. Zum einen des puren Abenteuers wegen, zum anderen, um für sein Debüt-Album «Heaven Calls» zu weibeln. Er klapperte sämtliche Radiostationen auf dem Weg zwischen Los Angeles und New York City ab und schaffte es, dass seine Songs über den Äther gingen. «Die Reise war prägend für mich und meine Musik», sagt Younger heute. Seine Eindrücke liess er in neue Songs einfliessen, die Ende Oktober auf dem Album «Unchained» veröffentlicht werden.

Mittlerweile lebt der Geroldswiler seinen Traum als Vollblutmusiker. Noch bis vor einem Jahr arbeitete er als Primar- und Sonderschullehrer, zuerst in der Fahrweid, später in Hinwil, doch dann setzte er alles auf die Karte Musik. Erfahrung hat Younger reichlich, ist er doch seit 2001 mit der Pink Floyd Tribute-Band Crazy Diamond unterwegs, deren Gründer er ist. «Musik ist mein Traum und nehme ich die Gitarre in die Hand, bin ich immer zufrieden», sagt er.

Kein Aufbruch in die Brotlosigkeit

Der Entscheid war kein Aufbruch in die Brotlosigkeit: Als Gitarrenlehrer sichert er sich weiterhin ein Einkommen und auch seine Band Crazy Diamond wird rege gebucht, etwa für den Tribute-Abend «Pink Floyd meets Edgar Allan Poe» im Theater Rigiblick.

Younger, der heute im Zürcher Oberland wohnt, feilt jetzt fokussierter an seiner Solo-Karriere und kann es kaum erwarten, bis das zweite Album auf den Markt kommt. «Schon nach der ersten CD hatte ich unbändige Lust auf einen Nachfolger», sagt er. Aufgenommen wurden die Songs im Sound Valley Tonstudio in Schaffhausen mit bekannten Namen der Szene wie Mark Fox oder Simon Baumann. «Die Aufnahmen fanden im vergangenen Jahr statt, als wir alle einen Termin fanden.»

Neben seiner USA-Reise handeln die neuen Songs auch von Liebe und sollen sogar politische Nuancen aufweisen. Das jedoch eher subtil, wie Younger sagt. «Aber einer der Songs hätte gut zur abgelehnten Fair-Food-Initiative gepasst.» Musikalisch bleibt er beim Gitarrenrock. «Meine Songs muss man vielleicht zwei, dreimal hören, bis sie im Ohr bleiben.»

Ein Booklet muss sein

Younger ist nicht nur Musiker, sondern auch Produzent und besitzt daher die volle künstlerische Freiheit über sein Werk. Dennoch schätzt er kritische Stimmen seiner Musiker. Und er ist Fan von «herkömmlichen» Alben mit CD-Hülle. «Meine Songs kann man downloaden, aber mir war es wichtig, ein richtiges CD-Booklet zu gestalten», sagt er. Entsprechend ist das Design von Cover und Booklet eine Leistung für sich.

Bereits der Schriftzug seines Namens verblüfft: Er wurde als Ambigramm gestaltet. Das bedeutet, dass man den Namen auch dann lesen kann, wenn man die Schrift um 180 Grad dreht. «John Langdon aus Hollywood kreierte für mich das Kunstwerk.» Langdon ist kein Unbekannter und schuf schon Ambigramme für die Dan Brown-Romane «Sakrileg» und «Illuminati».

Das Cover-Foto selbst, aufgenommen in Graubünden von der Fotografin Elisabeth Real, ist eine Hommage an den Italowestern «Django» mit Franco Nero, der im Film einen Sarg mit sich schleppt. Nur, dass Younger statt der Totenlade ein sogenanntes Musiker-Flightcase mit sich zieht. «Sicher musste ich für die Gestaltung, den Druck und das Pressen der CD›s einiges Geld ausgeben, aber das war es mir wert. Ich sehe das Album als ein Geschenk von mir an mich selbst an», sagt Younger. «Andere Leute gehen für gutes Geld in die Ferien, ich produziere halt ein eigenes Musikalbum».

Plattentaufe findet im März statt

Obwohl das Album «Unchained» Ende Oktober veröffentlicht wird, findet die Plattentaufe erst nächsten März im Konzertsaal Scala in Wetzikon statt. Zurückhalten wollte er die Songs aber nicht. «Für meine Solo-Auftritte benötige ich eine Band und die Planung mit allen Beteiligten, wie bereits beim Album, liess nur kommenden März zu.»

Bis es soweit ist, stehen für ihn noch einige Auftritte mit Crazy Diamond an und auch der Gitarrenunterricht wird nicht vernachlässigt. Zumal er sich in Ruhe auf das Solo-Konzert vorbereiten will. «Schon jetzt bin ich irre nervös, wenn ich an den Auftritt denke.» Dennoch wird es sich Younger nicht nehmen lassen, die Bühne zu rocken.