Rochus Burtscher sei stets «direkt und forsch» gewesen, sagte Gemeinderatspräsidentin Cécile Mounoud (CVP) an der vergangenen Sitzung des Dietiker Parlaments. Und der SVP-Gemeinderat liess es sich nicht nehmen, in seiner Abschiedsrede diese Charakterisierung seines politischen Stils zu bestätigen: Die EVP, für die seine Tochter Nadine Burtscher im Gemeinderat sitzt, betitelte er als «komisch».

Und über seine Zeit als Präsident des Gemeinderats meinte er: «Ich durfte viele Menschen und Politiker sowie Ewiggestrige kennenlernen.»
Die angriffige Art, die seine Voten prägte und mit der sich 52-Jährige nach 17 Jahren aus der Lokalpolitik verabschiedete — nicht alle Gemeinderäte werden sie vermissen.

«Ich hatte ziemlich Mühe mit seinem Stil», sagt Ernst Joss (AL), der in Burtschers Schlussrede «dankend» erwähnt wurde: Als Konterpart in einem Lesebrief-Duell, dank dessen Mithilfe er 1998 «auf Anhieb» in den Gemeinderat gewählt worden sei, so der SVP-Politiker. Andere, wie FDP-Fraktionschef Martin Romer, schätzen die «Geradlinigkeit und Intelligenz» des vierfachen Vaters.

«Er nannte das Kind beim Namen. Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht.» Romer kennt Burtscher bereits seit seiner Jugend: «Wir waren damals beide Schwimmer.» Und er spricht dem SVP-Politiker seinen Respekt aus, für die lange Zeit im Gemeinderat.

Intensives Kantonsratmandat

Mit seinem Rücktritt aus demselben möchte Burtscher nun Platz machen. Für jüngere Köpfe mit neuen Ideen. «Nach 17 Jahren wiederholt sich vieles», erklärt er. «Als Politiker läuft man dabei Gefahr, in einem Muster hängenzubleiben.» Der Dietiker Politik ganz den Rücken kehren möchte er dann aber doch nicht.

«Wenn ich Zeit dazu habe, werde ich weiterhin an Sitzungen der Fraktion teilnehmen.» Und als Kantonsrat wolle er die Stadt vor den Ausführungsbestimmungen der übergeordneten poltischen Ebenen schützen. «Und auf eine gerechtere Verteilung der Lasten hinarbeiten.»

Im kantonalen Parlament sitzt Burtscher seit 2011, vergangenen Frühling wurde er wiedergewählt. Das Mandat auf Kantonsebene ist ebenfalls ein Grund, weshalb er in der Lokalpolitik nun kürzertritt. «Der zeitliche Aspekt hat bei meinem Rücktrittsentscheid auch eine Rolle gespielt.

Denn die Arbeit als Kantonsrat ist sehr zeitintensiv», sagt Burtscher. Insbesondere seine Mitgliedschaft in der Kommission für Bildung und Kultur bringe viele zusätzliche Aufgaben mit sich.
Schon im Dietiker Gemeinderat hat sich Burtscher mit Vorliebe bildungspolitische Themen zur Brust genommen.

Bereits im ersten Jahr als Lokalpolitiker reichte er ein Postulat ein, in dem er die Einführung von «Klassen für Deutschsprechende» forderte. Mit dem Anliegen konnte er sich zwar nicht durchsetzen, es sorgte jedoch weit über Dietikon hinaus für Aufsehen. Und bescherte dem damaligen Jungpolitiker eine Menge Aufmerksamkeit.

«Bundesrat Kaspar Villiger hat mir damals einen Brief geschrieben. Und ich war zur Prime Time in der Tagesschau», erinnert sich Burtscher mit Stolz in der Stimme. Dass sein Postulat damals keinen Anklang fand, bezeichnet Burtscher rückblickend als seine grösste Niederlage im Gemeinderat.

«Mit dem Verlieren umzugehen, damit hatte ich am Anfang mehr Mühe», sagt Burtscher. Mit der Zeit habe er aber gelernt, mit Rückschlägen umzugehen. Viele seien es aber ohnehin nicht gewesen, so der SVP-Politiker. «Ich war ein wenig erfolgsverwöhnt.

Vieles, das ich angepackt habe, ist mir gelungen.» Er bereue auch keinen der Entscheide, die er während seiner lokalpolitischen Karriere gefällt habe. Weder die Ablehnung zweier Asylgesuche, die danach auf dem Rechtsweg trotzdem bewilligt wurden.

Noch den «Ausrutscher» Anfang der 1990er-Jahre, als er – ohne Mitgliedschaft, wie er betont – für drei Monate für die CVP tätig war: «Man kann ja gescheiter werden», so Burtschers positives Fazit über den kurzen Ausflug zur Mittepartei.

Teamplay mit Rosmarie Frehsner

Nach einigen Jahren ohne politisches Engagement rutschte er Ende der 1990er-Jahre «eher zufällig» in die SVP, erzählt der ausgebildete Kaufmann. «Roger Brunner fragte mich im Gewerbeverein an, setzte mich auf die Liste und paff! – war ich im Gemeinderat.»

Er habe sich von Anfang an wohlgefühlt im politischen Umfeld. «Und ich lernte dank Rosmarie Frehsner schnell, wie man auf diesem Parkett tanzt.» Die einstige Präsidentin der SVP-Ortspartei Dietikon, für die Burtscher 2011 die Nachfolge im Kantonsrat antrat, sei am Anfang seiner politischen Karriere wie eine Gotte gewesen.

«Wir bildeten ein gutes Team: Ich war der böse Bube und sie das nette Mädchen.»
Eveline Heiniger, die für ihn den Sitz im Gemeinderat übernimmt, rät Burtscher, «erst mal mindestens ein halbes Jahr zuzuhören und den Betrieb kennenzulernen.» Heutzutage wolle jedes neue Mitglied im Rat sofort einen Vorstoss einreichen, um sich zu profilieren, und in den Medien erwähnt zu werden. «Doch es sollte nicht um die Person gehen, sondern um die Sache.»