Seit Montag ist Carmen Walker Späh (FDP) Volkswirtschaftsdirektorin im Zürcher Regierungsrat. Ihr Vorgänger, Ernst Stocker (SVP), war während der letzten vier Jahre intensiv mit zwei verkehrspolitischen Monsterprojekten – dem Gubristdeckel und der Limmattalbahn – beschäftigt. Dabei stiess er im Bezirk Dietikon, im Kantonsrat und in Bern auf Widerstände, aber auch auf viel Zuspruch. Welchen Einfluss hat der Wechsel in der Volkswirtschaftsdirektion also auf diese Vorhaben? Und wie viel Kredit geniesst Walker Späh im Limmattal?

Wer sich erkundigt, hört über Stocker nicht nur von seinen politischen Mitstreitern, sondern auch von Gegnern anerkennende Worte. Seine Dossierkenntnis habe in den Kommissionssitzungen immer überzeugt, sagen etwa die Dietiker SP-Kantonsrätin Rosmarie Joss und der zurückgetretene SVP-Kantonsrat Hanspeter Haug unisono. Joss’ Fraktionskollege Ruedi Lais lobt auf Facebook, dass es dem Ex-Volkswirtschaftsdirektor gelungen sei, bei Schienenverkehrsprojekten «die Hürden des Föderalismus – das Kantönlidenken – zu überwinden» und in Bundesbern «Allianzen für Zürcher Baustellen zu schmieden». Paul Studer (FDP), Gemeindepräsident von Oetwil und Vizepräsident der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL), sagt über Stocker: «Als Regierungsrat hatte er für die Anliegen der Gemeinden im Limmattal stets ein offenes Ohr.» Das habe man von seiner Vorgängerin Rita Fuhrer (SVP) nicht behaupten können. Und selbst Thomas Grädel, der zwar SVP-Gemeinderat in Schlieren, aber als Präsident des Vereins «Limmattalbahn – so nicht!» auch ein scharfer Kritiker von Stockers Bahnprojekt ist, sagt von ihm, dass sie auch diesen Zankapfel betreffend «immer ein gutes Einvernehmen gehabt» hätten.

Haug: Dossierarbeit ist wichtig

Angesichts dieser grossen Anerkennung könnte man annehmen, dass Stockers Nachfolgerin bei den Limmattalern einen schweren Stand hat. Mitnichten: Ehemalige Kantonsratskollegen und -kolleginnen sowie andere Limmattaler Politiker sehen der Zusammenarbeit mit ihr zuversichtlich entgegen. Was die Überdachung des Gubristportals angeht, ist mit dem Bundesgerichtsentscheid vom 23. September 2014 bereits eine wichtige Hürde genommen: Das Bundesamt für Strassen wird nun eine Überdeckung des westlichen Portalbereichs mit einer Länge von 100 Metern und eine Verschiebung des Halbanschlusses Weiningen an die A1 prüfen. Dennoch sei es auch für die weitere Planung des Projekts wichtig, dass die richtige Person in der Regierung die Interessen der Gemeinde vertrete, sagt der Weininger Gemeindepräsident Hanspeter Haug: «Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Anliegen auch mit Frau Walker Späh an der Seite im guten Einvernehmen mit dem Bund weiterverfolgen können.» Wichtig sei, dass sie sich schnell in ihre Dossiers einarbeite.

Bereits gut vertraut ist Walker Späh mit dem Projekt Limmattalbahn: Als Kantonsrätin hat sie sich in der Kommission für Planung und Bau intensiv damit beschäftigt. Noch fehle ihr zwar ein gutes Netzwerk in Bundesbern, sagt ZPL-Vize Studer: «Aber auch das wird sie sich sicher schnell erarbeiten.» SP-Kantonsrätin Joss sieht auch das nötige politische Netzwerk bei Walker Späh durchaus gegeben, wie sie sagt: «Als Präsidentin der FDP-Frauen Schweiz sollte sie bereits gute Kontakte nach Bern pflegen. Ernst Stocker musste sich diese auch erst aufbauen, da er nie Bundesparlamentarier war.»

Limmattalbahn: Kurs beibehalten

Auch wenn sie sehr dünn gesät waren: Im Kantonsrat trat Stocker den Kritikern der Limmattalbahn – die notabene aus seiner eigenen Partei stammten – immer entschlossen entgegen. Was ist in dieser Hinsicht von Walker Späh zu erwarten? Bei der Abstimmung des Kantonsrats über den Kredit für die Limmattalbahn von Ende März stimmte sie der Vorlage zu. «Ich wäre sehr erstaunt, wenn sie nun nicht ihr volles Engagement für das Bahnprojekt an den Tag legen würde», sagt Joss. Auch Limmattalbahn-Gegner Grädel glaubt nicht, dass der Wechsel in der Volkswirtschaftsdirektion am weiteren Verlauf des Projekts etwas ändern wird. Da nun das Referendum gegen die Limmattalbahn ergriffen werde, sei die Stimmung in der Bevölkerung ohnehin wichtiger.