Oberengstringen

Robert Stulz schnitze sich von der «Chügelibahn» zu komplexen Objekten hoch

Robert Stulz mit vier seiner älteren Objekte. Sein liebstes Arbeitsmaterial ist Lindenholz. AVL

Robert Stulz mit vier seiner älteren Objekte. Sein liebstes Arbeitsmaterial ist Lindenholz. AVL

Der gelernte Elektroingenieur Robert Stulz konstruiert heute Holzobjekte. Zur Holzarbeit kam er trotz früher Begeisterung für Holz erst spät. Ab heute stellt er seine Werke in Oberengstringen aus.

Im Wohnzimmer von Robert Stulz sieht man auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. Plötzlich bleibt man hängen. Am Boden ein hölzernes Kreuz. Schaut man genauer hin, entdeckt man in seiner Mitte eine bewegliche Kreiskonstruktion. Neugierig tritt man näher und sieht, dass auch die vier Arme bewegliche Teile haben. Es ist eines der vielen Objekte, die auf ihren Transport in die reformierte Kirche Oberengstringen warten, um dort ausgestellt zu werden.

Die Ausstellung wird heute mit der Vernissage eröffnet. Es ist die Vierte von Stulz. Das Besondere: Der Künstler ist mittlerweile 86 Jahre alt und kam erst spät zur Holzkunst.

Am Anfang Spielzeug für Kinder

Die Verarbeitung von Holz sei immer sein Hobby gewesen, so Stulz. Als Junge habe er in einer Schlosserei die ersten Versuche mit Holzarbeiten unternommen. Trotz der Freude, die ihm diese Arbeit machte, wählte er einen Beruf gänzlich ohne Holz und studierte am Technikum Elektroingenieur, Spezialgebiet Starkstrom Technik.

Nach dem Studium arbeitete er in seinem Beruf und heiratete. Die Freude an Holzabreiten nutze er nun, um für seine Kinder Spielzeug, unter anderem ein Puppenhaus oder eine «Chügelibahn», zu bauen. Seine Begeisterung für die Herstellung von Holzobjekten war so gross, dass er sich Ende 1965 zu einem Migros Kurs in Schnitzen anmeldete.

Anspruchsvolles im Ruhestand

Unter der Anleitung seines Lehrers verfeinerte und vertiefte Stulz sein Wissen in der Holzarbeit. Die Möbius Schleife, die er im Migros Kurs herstellte, erstaunte sogar seinen Lehrer. Trotzdem wartete Stulz bis zur Pensionierung, bevor er anfing, grössere und schwierigere Objekte als die Möbius Schleife zu konstruieren.

Heute ist seine Fertigkeit so gut, dass er aus einem Holzstück Objekte mit beweglichen Elementen herstellen kann. Eines von ihnen ist ein Zylinder mit sechs weiteren ineinander geschachtelten. Die insgesamt sieben Zylinder lassen sich um ihre Achse drehen. Für die Umsetzung dieses und anderer beweglicher Objekte, die seiner Fantasie entstammen, fertigt Stulz zuerst eine Skizze an. So könne er sich den Aufbau und die Bewegung der Objekte besser vorstellen.

Holz ist besser wegen der Maserung

Die Arbeit mit Holz, so Stulz, sei einfacher und sauberer als mit Metall. «Ausserdem gibt es bei Metall keine Maserung, die man ausnutzen kann», sagt er. Was ihn vor allem fasziniere, seien die verschiedenen Holzarten. Jedes Holz sei anders, so Stulz. «Zum Beispiel ist die Tanne unangenehm, weil sie sich bei der Arbeit spaltet.» Er bevorzuge die Linde, weil sie weich und die Struktur gleichmässig ist.

Obwohl es für Stulz nur ein Hobby ist, legt er viel Geduld und Liebe in seine Arbeiten. Dabei entstehen erstaunliche und filigrane Werke.

Die Vernissage ist am 4. April von 18 bis 22 Uhr im Foyer der reformierten Kirche Oberengstringen. Die Ausstellung ist am 5. April von 10 bis 17 Uhr und am 6. April von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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