In den vergangenen drei Jahren ist das Limmatufer in Dietikon friedlicher geworden: Zwar rufen Reibereien zwischen Velofahrern, Hundehaltern und Spaziergängern immer wieder die Polizei auf den Plan. Doch zumindest eine Nutzergruppe des Flussufers ist laut der Stadtpolizei Dietikon seit 2011 kaum mehr negativ aufgefallen: die Schwäne.

«Die Zahl der Zwischenfälle, bei denen Schwäne Passanten attackierten, ging stark zurück», sagt Thomas Winkelmann, der Leiter der Dietiker Sicherheits- und Gesundheitsabteilung. Während der Stadtpolizei in den Jahren 2000 bis 2010 durchschnittlich rund sechs solcher Attacken gemeldet wurden, sei es seit 2011 insgesamt nur noch zu vier Vorfällen gekommen. «Warum sich die Schwäne plötzlich friedlicher verhalten, oder ob der Rückgang der Attacken etwa durch einen Rückgang der Schwan-Population zu erklären ist, können wir zum heutigen Zeitpunkt noch nicht mit Sicherheit sagen», so Winkelmann.

Uni sieht Medikament als Ursache

Als wichtigste Einflussfaktoren nennen sie die langfristige Phosphatbelastung durch Dünger und Rückstände von Medikamenten. Neben anderen Psychopharmaka konnten die Forscher vor allem die Auswirkungen von Bestandteilen des ADHS-Medikaments Ritalin auf die Fauna in unseren Seen und Flüssen nachweisen.

Dies, weil laut Studie die Konzentration der darin enthaltenen Wirkstoffe wegen der stetig steigenden Anwendung bei Menschen in unseren Gewässern in den letzten Jahren stark angestiegen ist. In Versuchsreihen an Barschen und Wasservögeln zeigte sich, dass sich die langfristige Verabreichung von kleineren Dosen des Wirkstoffs Methylphenidat (Ritalin) bei Tieren ähnliche Wirkungen auslöst, wie beim Menschen: Einerseits zeigten sie eine gesteigerte Aktivität und einen gehemmten Appetit, andererseits agierten die Tiere in der Gruppe oder auf äussere Reize weniger impulsiv. Im Fall der Schwäne verweist die Studie sogar explizit darauf, dass der Einfluss von Methylphenidat das Aggressionspotenzial deutlich senkte.

Friedliches Verhalten als Problem

Dass Mikrodosen von Psychopharmaka in der Limmat das Verhalten von Wassertieren verändert, glaubt auch der Dietiker Veterinärmediziner Josef Zihlmann: «Ob es ein einzelner Inhaltsstoff ist, der die Tiere beeinflusst, oder ob es sich gar um Wechselwirkungen zwischen Rückständen verschiedener Medikamente und Drogen handelt, müsste erst abgeklärt werden», sagt er. Fest stehe, dass die chemische Veränderung der Gewässer für Tiere und Pflanzen problematisch sei.

Auch das friedlichere Verhalten der Schwäne, das die Dietiker Stadtpolizei festgestellt hat, berge ein grosses Risiko für die Tiere, so Zihlmann: «Zu Attacken auf Menschen kommt es fast ausschliesslich in der Brutzeit von März bis Ende Juni. Wenn Schwaneneltern ihre Nester unter dem Einfluss von Ritalin nicht mehr konsequent verteidigen, kann das für die Brut sehr gefährlich werden.»