Reisebericht (6)

Riesige Maulwurfshügel prägen die Wüste und den trostlosesten Ort Australiens

Die 3. Etappe von Romy Müllers und Miro Slezaks Weltreise neigt sich dem Ende zu und da finden sie den wohl trostlosesten Ort ganz Australiens, Coober Pedy. Ein Ort mitten in einer kahlen, trockenen Wüste, wo die Temperaturen über 50 Grad steigen.

Coober Pedy ist der trostloseste Ort, den wir bisher auf unserer bald sechsmonatigen Reise durch Australien angetroffen haben. Er liegt am Stuart Highway, auf halbem Weg zwischen Adelaide und Alice Springs, mitten in einer kahlen, trockenen Wüste. Hier können die Temperaturen 50 Grad übersteigen - jetzt, im Dezember, haben wir moderate 40 Grad. Die Luft ist mit Staub geschwängert. Links und rechts der Hauptrasse gibt es drei Tankstellen, einen Supermarkt, einige Shops und Schnellimbisse.

Dahinter liegen verstreut meist aus Wellblech bestehende Behausungen. In den baumlosen Vorgärten rosten Autowracks und ausrangierte Maschinen vor sich hin.
Alles wirkt chaotisch, wie in einem Höllenloch nach der Apokalypse. Ab sieben Uhr abends sind die Strassen wie ausgestorben. Nur noch Abertausende von Fliegen sind unterwegs und sie treiben uns fast in den Wahnsinn. Sie lassen sich im Gesicht nieder, auf den Lippen, der Nase und in den Augenwinkeln. Am schlimmsten sind jedoch diejenigen, die sich im Gehöreingang verirren und den Ausgang nicht mehr finden.

3000 Einwohner aus 44 Nationen

Warum nur leben die etwa 3000 Einwohner aus 44 verschiedenen Nationen freiwillig hier? Der Grund ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, weil die Kostbarkeiten unter der Erdoberfläche liegen. Das wird sichtbar, wenn man sich Coober Pedy nähert. Hier ist die Wüste plötzlich von einer Art überdimensionierter Maulwurfshügel überzogen. Beim Näherkommen erweisen sie sich als Abraum aus unzähligen Minenschächten der Bergwerke. Im Umkreis des Ortes gibt es über 600 000 Bohrlöcher, welche die Gegend wie einen Emmentalerkäse aussehen lassen. Der Grund für das fieberhafte Graben sind Opale. Der Name der Stadt («Kupa Piti») stammt von den Aborigines und bedeutet «weisser Mann im Loch».

1915 fand der 14-jährige William Hutchison hier den ersten Opal. Die Kunde verbreitete sich schnell, bald kamen Glückssucher aus der ganzen Welt. Hier werden über 90 Prozent dieser Edelsteine gefördert, deren «magisches Feuer» erst nach dem Schleifen zur Geltung kommt. An der Methode des Opalschürfens hat sich bis heute wenig geändert. Jeder Australier oder «Permanent Resident» hat das Recht, ein 50 mal 100 Meter grosses Gebiet zu kennzeichnen, indem er an jeder Ecke einen Holzpfahl einschlägt. Das Gebiet wird mit dem Kompass ausgemessen und beim «Minings Departement» angemeldet.

Der Hut fliegt in die Luft

Dann beginnt die Suche nach der richtigen Stelle, um einen Schacht von etwa einem Meter Durchmesser zu graben. Die Position wird entweder mittels einer Wünschelrute festgelegt oder durch das In-die-Luft-Werfen des Hutes - nach dem Motto: Wo immer er landet, wird gebohrt!
Zu 95 Prozent ist das Finden von Opalen Glückssache. Deshalb ist es nicht so wichtig, wo man anfängt, denn meist müssen viele Schächte gebohrt werden, bis man auf die Edelsteine stösst. Dort werden dann unterirdische Stollen angelegt, um weitere Opaladern zu finden. Früher wurden die Stollen mit Pickel und Schaufel, dann mit Presslufthämmern oder Sprengstoff ausgehoben.

Heute wird mit Fräsmaschinen gearbeitet und das Gestein mittels eines «Blowers», eines grossen Staubsaugers, ans Tageslicht befördert. So entstehen die erwähnten, weitherum sichtbaren kegelförmigen Maulwurfshügel. Die meisten Minenbesitzer arbeiten zu zweit, da es alleine zu umständlich und zu kostspielig ist. Es gibt keine grossen Firmen, die nach Opalen suchen, denn die Suche ist für Investoren extrem risikoreich. Somit bleibt es auch heute noch Glücksrittern, Aussteigern und wilden Männern überlassen, diese wunderbaren, regenbogenfarbigen Steine zu finden, ein Vermögen zu verdienen oder zu scheitern.

Eine Besonderheit in Coober Pedy sind die Untergrundwohnungen, Dug-outs genannt, erkennbar an den Lüftungskaminen, die aus der Erde ragen. Aufgrund der extremen Hitze sind irgendwann einige Bewohner in die Seitenstollen der Minen eingezogen. Dort beträgt die Temperatur konstant zwischen 22 und 27 Grad. Heute werden die «Wohnhöhlen» mit Maschinen aus dem Sandstein herausgefräst. Viele Dug-outs sind mindestens so luxuriös wie normale Häuser ausgestattet. Es gibt Elektrizität, warmes und kaltes Wasser, Einbauküchen und so weiter. Aber auch Restaurants, Hotels, Kirchen und Galerien befinden sich im Untergrund.

Die dritte Etappe unserer Reise von Urdorf nach Australien nähert sich somit dem Ende. Wieder einmal ist die Verschiffung unseres Autos angesagt. Wohin werden es Wind und Wellen tragen? Vielleicht doch noch nicht in die Richtung Schweiz?

Ob Romy Müller und Miro Slezak gut in der Schweiz angekommen sind, erfahren Sie in der Ausgabe vom Sonntag.

Meistgesehen

Artboard 1