Dietikon
Riesenkran lässt 155 Tonnen Stahl durch die Luft schweben

Die Schönenwerdbrücke ist endgültig Geschichte. In der Nacht auf Montag hat der grösste Raupenkran der Schweiz sein Werk vollbracht und die 155 Tonnen schwere Stahlkonstruktion ausgehoben. Der letzte Rest der Brücke, die in Dietikon über die SBB-Gleise führt, ist verschwunden.

Sandro Zimmerli
Merken
Drucken
Teilen
Blick auf den Ausbau der alten Stahlkonstruktion der Schönenwerdbrücke mit dem grössten Raupenkran der Schweiz.
13 Bilder
In der Nacht von Sonntag, 12. März, auf Montag, 13. März 2017, erfolgte das Ausheben der Stahlkonstruktion der Schönenwerdbrücke in Dietikon.
Menschen beobachten die spektakulären Bauarbeiten.
Die Arbeiten fanden mitten in der Nacht statt.
Er sass hinter dem Steuer des Riesenkrans: Kranführer Tony Bucher
Markus Bissig, Bauprojektleiter des Tiefbauamtes
Blick auf den Ausbau der alten Stahlkonstruktion der Schönenwerdbrücke mit dem grössten Raupenkran der Schweiz.
Ein Bauarbeiter bei den Nachtarbeiten
Menschen beobachten den Ausbau der alten Stahlkonstruktion der Schönenwerdbrücke mit dem grössten Raupenkran der Schweiz.
Abbruch der Schönenwerdbrücke in Dietikon
Die alte Stahlkonstruktion wird vollständig abgerissen.
Blick auf den Ausbau der alten Stahlkonstruktion der Schönenwerdbrücke mit dem grössten Raupenkran der Schweiz.
Schönenwerdbrücke

Blick auf den Ausbau der alten Stahlkonstruktion der Schönenwerdbrücke mit dem grössten Raupenkran der Schweiz.

KEYSTONE/Ennio Leanza

Es ist fast schon andächtig ruhig. Die Blicke sind auf die Schönenwerdbrücke gerichtet, genauer auf das, was von ihr noch übrig ist. Eine Stahlkonstruktion, rund 155 Tonnen schwer. «Bewegt sie sich schon?», fragt jemand in der Menge. Noch tut sich nichts. Es wird wieder still. 1.30 Uhr an diesem Montagmorgen ist vorüber. Dann geht es los. Das Stahlskelett wird angehoben. Exakt ausgerichtet und ausbalanciert, schwebt es nach oben. Nun geht ein Raunen durch die Zuschauer. An die 200 sind es, die sich dieses nächtliche Spektakel nicht entgehen lassen wollen. «Wenn schon einmal so etwas Aussergewöhnliches vor der eigenen Haustüre stattfindet, dann will man dabei sein», sagt einer und schiesst das nächste Foto.

Es ist tatsächlich nicht alltäglich, was sich über den SBB-Gleisen in Dietikon abspielt. Nachdem in den vergangenen Wochen bereits die Betonelemente der alten Schönenwerdbrücke entfernt wurden, ist in dieser Nacht die Aushebung der Stahlkonstruktion an der Reihe. Ohne den grössten Raupenkran der Schweiz lässt sich dieses Vorhaben nicht bewerkstelligen. Mit 40 Schwertransportern wurde er letzte Woche angeliefert und aufgebaut. Der Riesenkran kann über 700 Tonnen Gewicht heben. Ganz so viel ist es dieses Mal nicht.

Dem Staunen unter den Zuschauern tut dies jedoch keinen Abbruch. Über deren Köpfe hinweg schwenkt Kranführer Tony Burch die Stahlkonstruktion Richtung Bauinstallationsplatz bei der Schönenwerdkreuzung und setzt sie dort ab.

40

Schwertransporter sind nötig, um den Riesenkran anzuliefern.

Es ist mittlerweile gegen 3.30 Uhr. Burch ist zufrieden. Alles hat geklappt. «Es war eine gute Teamarbeit. Ohne die Leute rund um den Kran könnte man eine solche Arbeit gar nicht bewerkstelligen», sagt er. Er sei auf seine Kollegen angewiesen, die ihm Instruktionen in die Führerkabine übermitteln würden.

Ein schmales Zeitfenster

Auch Projektleiter Markus Bissig vom kantonalen Tiefbauamt ist auf dem Bauinstallationsplatz eingetroffen, nachdem er das Manöver vom Zuschauerraum aus beobachtet hat. «Hier auf dem Installationsplatz wird die Stahlkonstruktion zerkleinert und anschliessend entsorgt», sagt er. Der Projektleiter ist rundum zufrieden mit den Arbeiten. «Es hat alles so geklappt, wie wir es geplant haben», so Bissig.

Ein wenig angespannt sei er jedoch schon gewesen. Denn eine solche Baustelle sei auch für ihn etwas Spezielles und eine grosse Herausforderung. Nicht nur wegen des Sicherheitsaspekts. «Es war ein sportlicher Zeitplan, den wir einhalten mussten. Die neue Schönenwerdbrücke soll fertig sein, bevor mit dem Bau der Limmattalbahn begonnen wird», sagt Bissig. Komme hinzu, dass für die Aushebung der Stahlkonstruktion eine Totalsperrung der SBB-Gleise notwendig war. Dieses Zeitfenster betrug zwei Stunden. Den Termin dafür musste das Tiefbauamt ein Jahr im Voraus bei den SBB beantragen.

Und es werden noch weitere Totalsperrungen folgen. In den Nächten vom 26. auf den 27. Juni und vom 2. auf den 3. Juli werden mit dem gleichen Raupenkran vier Stahlträger als Tragwerk für die neue Brücke versetzt. Danach wird die neue Fahrbahnplatte auf vorfabrizierten Betonelementen erstellt und zum Schluss wird auf der Brücke der Fahrbahnbelag aufgebracht. Ende Jahr soll sie wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Der Neubau ist notwendig, weil die 1936 erbaute und zuletzt 1994 instandgesetzte Schönenwerdbrücke in die Jahre gekommen ist. Eine 2011 durchgeführte Überprüfung ergab, dass die Tragfähigkeit der Haupt- und Querträger ungenügend ist. Als Massnahme musste daraufhin die zulässige Achslast heruntergesetzt und das Bauwerk überwacht werden. Täglich passieren rund 15 000 Fahrzeuge die Brücke – und es werden künftig noch mehr werden. Denn mit der Inbetriebnahme der Limmattalbahn soll der Durchgangsverkehr im Raum Schlieren/Dietikon in Ost-West-Richtung hauptsächlich über die Bernstrasse abgewickelt werden. Deshalb wird der zweispurige Übergang auf vier Spuren ausgebaut. Zudem entsteht unter der Brücke entlang der Bahngleise ein fünf Meter breiter Freiraum für die geplante Radwegverbindung vom Burgweg beim Bahnhof Glanzenberg zur Bernstrasse. Regierungsrat und Kantonsrat haben für das Projekt insgesamt 17 Millionen Franken bewilligt.