Reusstal
Illegales Feuermachen, leinenlose Hunde und Guimmiböötler: Es gab viel Arbeit für die «Natur-Schutzengel»

Mit Corona kam 2020 der Ansturm auf das Reusstal – auf Zürcher und Aargauer Seite gab es einiges zu tun.

Werner Schneiter
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Das Reusstal, hier der Flachsee, ist eine Landschaft von nationaler Bedeutung.

Das Reusstal, hier der Flachsee, ist eine Landschaft von nationaler Bedeutung.

Archivbild: Severin Bigler

Seit 1975 kontrollieren Mitarbeitende des Informations- und Aufsichtsdiensts, auch Ranger oder «Natur-Schutzengel» genannt, die Reussebene zwischen Mühl­au und dem Flachsee bei Rottenschwil – einen Abschnitt von rund 20 km Länge. Vor rund 20 Jahren kamen auch die Reuss-Anrainergemeinden ­Ottenbach, Obfelden und Maschwanden dazu. Die Richtschnur dabei sind die korrekte Umsetzung des sogenannten Reusstal-Dekrets auf Aargauer Seite sowie die Schutzverordnung auf Zürcher Gebiet.

Das Reusstal ist eine Landschaft von nationaler Bedeutung mit vielfältiger, schützenswerter Flora und Fauna in den vielen verschiedenen Naturschutz­gebieten. Die pittoreske Landschaft ist natürlich auch Erholungsgebiet und birgt deshalb Konfliktpotenzial. Nicht immer wird auf vorgeschriebenen Velorouten gefahren. Wildes Parkieren kommt ebenso vor wie illegales Feuermachen, Picknick im Naturschutzgebiet oder leinenlose Hunde.

Zu den aktuellen Problemen gesellten sich Gummiböötler sowie in jüngerer Zeit auch Stand-up-Paddlerinnen oder Drohnenpiloten. Kommt hinzu, dass sich nicht alle mit dem Ignorieren von Verbotstafeln zufriedengeben; eine solche wurde auch schon ausgerissen und in die Reuss geworfen.

Mehr als 900 Verstösse wurden rapportiert

Derzeit stehen gesamthaft 18 Ranger und (wenige) Rangerinnen mit speziellem Outfit für Kontrollgänge zur Verfügung, die auch entlöhnt werden: von der Studentin bis zum Pensionär, die stundenweise unterwegs sind, mit dem Fahrrad – an Wochenenden manchmal im Duo. Über mangelnde Arbeit konnten sie sich mit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 nicht beklagen.

«Unsere Einsatzgebiete wurden förmlich überrannt», sagt Niklaus Peyer, Leiter des Informations- und Aufsichtsdienstes, welcher der im «Zieglerhaus» in Rottenschwil domizilierten Stiftung Reusstal angegliedert ist. Er belegt das mit Zahlen. Während 2019 auf Aargauer Seite 1800 Stunden und im Kanton Zürich 800 Stunden Kontrollgänge rapportiert wurden, waren es im vergangenen Jahr 2400 beziehungsweise knapp 900. Ähnlich ist die Steigerung bei Verstössen: 2019 waren es knapp 550 im Kanton Aargau, letztes Jahr über 900 – eine Zahl, die in diesem Jahr wohl nicht mehr erreicht wird. 2019 wurden auf der Zürcher Seite der Reuss 370 und im letzten Jahr knapp 500 Verstösse verzeichnet.

Rangerinnen und Ranger sind keine Polizisten, sondern klären in erster Linie auf: über Vorschriften, Gebote und Verbote, aber auch über Besonderheiten von Natur und Landschaft. Nachdem das Ordnungsbussenverfahren angepasst worden war, dürfen sie zum Beispiel bei ­Littering, wenn geschützte Pflanzen ausgerissen werden oder im Wald parkiert wird, Bussen ausfällen – noch nicht jedoch bei frei laufenden Hunden. Verwarnungen und Verzeigungen sind aber möglich.

Anzeigen kommen aber selten vor, gemäss Niklaus Peyer zwei bis vier Mal pro Jahr. «Die überwiegende Mehrheit – über 95 Prozent – zeigt Verständnis, wenn sie von Rangern angesprochen wird», sagt der Leiter. Bei Mitarbeitenden des Informations- und Aufsichtsdienstes seien vor allem Empathie und Kommunikationsfähigkeit gefragt. Letzteres wird bei der Stiftung Reusstal geschult. Und es gibt ab und zu gemeinsame ­Einsätze mit der Polizei, insbesondere dann, wenn in den Schutzgebieten übermässig zum «Halali» geblasen wird.

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