Jede erste Sekundarklasse der Schuleinheit Zentral in Dietikon erhält diesen Winter dreimal Besuch von Alex Michel, Vertreter des Vereins «Respect!». Hinter dem Verein steht ein professionelles Team von sieben erfahrenen Fachmännern, unter anderem aus den Bereichen Pädagogik, Psychologie und Sozialarbeit. Seit 2003 führen sie spezifisch auf Jungs ausgerichtete Selbstbehauptungskurse durch.

An Schulen arbeiten die Männer jedoch sehr oft mit Fachfrauen zusammen, um auch optimal auf die Bedürfnisse der Mädchen eingehen zu können. In Dietikon wird der Workshop dementsprechend geschlechtergetrennt durchgeführt, die Mädchen kommen mit Kursleiterin Sophie Scheurer auch auf ihre Kosten. «Die Jungs sind eher etwas offensiver als die Mädchen», meint Workshopleiter Alex Michel.

Deshalb lernen die Mädchen in der einen Turnhalle, selbstbewusst hinzustehen und Stopp zu sagen, während die Jungs in der anderen Halle eher dazu gebracht werden, sich etwas zurückzunehmen. Beiden Geschlechtern soll in den drei Doppellektionen spielerisch vermittelt werden, wie sie sich in Konfliktsituationen kompetent behaupten und Gewalt vermeiden können.


Fairness hat oberste Priorität


Zum Beginn des eineinhalbstündigen Workshops will Michel von den Schülern wissen, was sie überhaupt unter dem Begriff Respekt verstehen. «Im Fussball bedeutet Respekt zum Beispiel, den Ball auch einmal abzugeben und nicht nur alleine zu spielen», sagt Arbion. Mihajlo fügt hinzu: «In der Schule bedeutet Respekt, die Regeln zu respektieren.» Die Jungs sollen jedoch nicht nur lernen, respektvoll zu handeln, sondern auch sich selbst zu behaupten und sowohl die eigenen Grenzen als auch die Grenzen anderer zu erkennen. Ausserdem wollen die Kursleiter die sozialen Kompetenzen und das Gruppengefühl der Schüler und Schülerinnen fördern.

Zum ersten Spiel stellen sich die Jungs im Kreis auf und werfen sich gegenseitig einen Boxhandschuh zu. Das Ziel ist es, dem Fänger eine Chance zu lassen. Wer zu hoch, zu scharf oder zu weit daneben zielt und dies selber einsieht, macht drei Liegestütze. Wenn der Kursleiter jemanden darauf hinweisen muss, macht der Betroffene sogar zehn Liegestütze. «Ihr wisst es genau, wenn ihr Blödsinn macht», erklärt Michel seinen Schützlingen. «Jeder hat einen inneren Schiedsrichter. Ich helfe euch, diesen wachzurütteln.» Wer respektvoll handle, bemerke nämlich seine eigenen Fehler und gebe diese zu, anstatt immer die anderen auf ihre Defizite aufmerksam zu machen.

Besonders wichtig ist es für Michel, nach jedem Spiel oder Kampf zu reflektieren, ob jemand unfair gehandelt hat. «Wenn die Jungs danach in die Garderobe gehen, sollte alles geklärt sein und nicht unter der Dusche noch ein Faustkampf ausbrechen», so Michel. Die Jungs dürfen sich im Spiel austoben und wild sein, danach müssen sie jedoch wieder zur Ruhe kommen.


Angreifer abwehren


Bei den Mädchen geht es etwas ruhiger zu und her. Im Spiel läuft jeweils eine Schülerin auf eine ihrer Kolleginnen zu, wobei diese mit Worten versucht, ihre Aggressorin abzuwehren. «Es ist viel schwieriger, zu Menschen, die man gut kennt und mag, Stopp zu sagen», erklärt die Workshopleiterin Sophie Scheurer. «Man hat eher Angst davor, dass die Person danach beleidigt ist.» Die Selbstbehauptung sei eine Frage der Übung. Dies erfahren die Schülerinnen am eigenen Leibe: Am Anfang müssen sie bei jeder Aufgabe lachen, mit der Zeit werden ihre Stimmen jedoch immer ernster und kräftiger.

Ob Jungs oder Mädchen, in einem Punkt sind sich jedenfalls alle Teilnehmer einig: Spannender als der eigentlich im Stundenplan vermerkte Mathe-Unterricht war der Workshop auf alle Fälle.